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Geheimtipps : Dithmarschens schönste Waldoase

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Landeskenner verraten ihre Geheimtipps. Heute zeigt Bernd Eisenstein die Umgebung des Burger Waldmuseums.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 10:19 Uhr

burg | Mit jedem Schritt bricht sich mehr Licht durch das Schatten spendende Blätterdach imposanter Buchen. Wilde Farne und Himbeerbüsche ranken sich um die Lichtung, die in die Tiefe zu fallen scheint. Heide bedeckt den Sonnen beschienenen Hang, an dessen Rändern es im Gebüsch raschelt. So ursprünglich und schön, wie diese Insel mitten im Mischwald wirkt, würde es passen, wenn ein Einhorn oder zumindest ein weißes Reh in die Lichtung treten würde. Oben am Hang verharrt ein großer, unverrückbarer Findling. Fest verbunden mit dieser Region ist auch der Mann, der sich auf den großen Stein setzt und in die Tiefe schaut. "Dies ist mein Lieblingsplatz", sagt Bernd Eisenstein über das grüne Areal, das zur Gemeinde Burg zählt. Eisenstein war der jüngste Tourismus-Professor der Republik und ist Direktor des mittlerweile größten Tourismusinstituts an einer deutschen Hochschule - an der Fachhochschule in Heide.
"In der Marsch ist Wald etwas Be sonderes - dieser hier erinnert mich an meine Heimat", sagt der 47-Jährige. Diese liegt im Pfälzer Wald - was Eisensteins Aussprache auch nach etlichen Jahren in Schleswig-Holstein noch anzuhören ist. "Schon komisch. Hier sagen die Leute, ich habe Dialekt - zuhause sagen die Leute, sie verstehen mich kaum noch." Eisensteins Großeltern betrieben eine Wirtschaft im Wald, der für ihn und seine vier Geschwister Kinderzimmer und Abenteuerspielplatz war. Angst, sich im grünen Labyrinth einmal zu verlaufen, gab es nie. "Das ist auch nie passiert", sagt Eisenstein.

Nachhaltige Erholung

Bei heutigen Waldbesuchen stehen nicht Verstecken, Indianer spielen oder Baumhäuser bauen, sondern das Kontemplative im Mittelpunkt. "Allein oder mit unserem Hund Lotte im Wald - da komme ich runter, da bin ich dann bei mir", sagt der Mann, der im Job immer unter Strom zu stehen scheint, der in einer Minute 20 Datensätze erläutern kann, im nächsten Satz schon immer beim nächsten Thema und in Gedanken noch bei einem ganz anderen Projekt ist. Durch die Attraktivität von Nord- und Ostsee liege das Binnenland im Schatten. "Völlig zu unrecht, in Wäldern wie diesen findet nachhaltige Erholung statt", betont der Experte, der in seinem Institut die bundesweit erste Professur für "Slow Tourism" angesiedelt hat.
"Einfach nichts zu tun oder zu sagen, fällt mir schon schwer, doch im Wald geht das leichter", gesteht Eisenstein. Sein schleswig-holsteinischer Lieblingswald umschließt mit 66 Metern einen für Dithmarschen markant hohen Punkt - und ein traditionsreiches Waldmuseum, das seit 1968 schon von weitem durch seinen hohen Aussichtsturm sichtbar ist.

Bei Null angefangen

Was sprach und spricht bei attraktiven Angeboten anderer Hochschulen und aus der freien Wirtschaft für den Arbeitsplatz in Heide? "Hier fing ich praktisch bei Null an, hier konnte ich alles so aufbauen und machen, wie ich es wollte", sagt Eisenstein. Aufgebaut hat er auch ein Team, dessen Know How bei der Analyse jeglicher touristischer und Freizeit bezogener Fragen bundesweit stark gefragt ist. "Langsam gibt es schon fast zu viele Anfragen - doch das ist natürlich auch ein Anerkennung unserer Arbeit", sagt Eisenstein.
Nach der Waldtour zieht es den Professor gerne noch ans Wasser, an den Kanal, genauer an den Kanal 33. So heißt ein besonderer Pensions- und Restaurationsbetrieb, der aus den Töpfen der Aktivregion gefördert wurde. Betten und weiteres Mobiliar wurden aus alten Dalben des Kanals gefertigt. Große Pötte, edle Kreuzfahrtschiffe und private Yachten ziehen nur wenige Meter vom Biergarten des Lokals vorbei. Eine kleine Autofähre passiert hier die Wasserstraße.
Wenige Meter weiter ragt ein Getreidesilo in die Höhe, stört die Idylle dieses Aussichtspunktes aber nicht. Industrie und Kanal gehören nun mal zusammen - im waldarmen Dithmarschen.

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