zur Navigation springen

„Vineta“ in Busdorf : Disco-Exzess beschäftigt die Staatsanwaltschaft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach der Razzia in der Disco „Vineta“ in Busdorf bei Schleswig wird in Schleswig-Holstein viel diskutiert: Wer muss auf die Jugendlichen und deren Alkoholkonsum aufpassen?

Busdorf | Ob es die rekordverdächtigen Dimensionen des Falls sind oder eher die allgemein bekannten Probleme, die dahinter stehen, ist schwer zu beantworten. Fest steht aber, dass die Razzia in der Busdorfer Disco „Vineta“ (Kreis Schleswig-Flensburg), bei der in der vergangenen Freitagnacht 152 zum Teil stark alkoholisierte Minderjährige nach Mitternacht aufgegriffen wurden, landesweit seit Tagen hohe Wellen schlägt.

Inzwischen beschäftigt sich auch die Staatsanwaltschaft Flensburg mit dem Fall. Denn es war nicht das erste Mal, dass die Diskothek im Zusammenhang mit Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz Negativschlagzeilen schrieb. Bereits im Januar 2010 wurden bei einer ähnlichen Aktion rund 100 Partygäste unter 18 Jahren gezählt. „Man muss also prüfen, ob es sich nun um eine weitere Ordnungswidrigkeit oder aber eine Straftat handelt“, sagt der Busdorfer Polizeihauptkommissar Christian Struck, der als Einsatzleiter bei der Razzia fungierte. Er wollte sich, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, zwar nicht weiter zu dem Thema äußern, verwies aber auf Paragraf 27 des Jugendschutzgesetzes. Dort heißt es unter anderem: „Bestraft wird, wer als Veranstalter (...) eine vorsätzliche Handlung aus Gewinnsucht begeht oder beharrlich wiederholt.“

Profitgier jedoch hatte der Betreiber der Disco bereits am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung bestritten. Ebenso habe es strenge Kontrollen beim Ausschank von hochprozentigem Alkohol gegeben. Mehrere Zeugen jedoch gaben an, dass es – auch für Minderjährige – kein Problem gewesen sei, in die Diskothek zu gelangen und sich dort dann zu betrinken. Schließlich sei die „Oldesloer Korn-Nacht“, die an diesem Abend gefeiert wurde, unter jungen Menschen in der Region bekannt dafür, dass man sich dort zu günstigen Preisen große Mengen Hochprozentiges einverleiben könne.

Der Fall lässt auch die Diskothekenbetreiber im Land nicht kalt: „Es ist schon überraschend, dass nahezu die Hälfte angetrunken gewesen sein soll“, meint Joachim Epler (58), Präsidiumsmitglied des Hotel- und Gaststättenverbandes in Schleswig-Holstein und selbst Betreiber einer Diskothek in Neuenkirchen in Dithmarschen. Epler empfiehlt dringend, stets die „Muttizettel“ – die Erziehungsbeauftragungen an eine volljährige Begleitperson – gründlich zu überprüfen und bei Zweifeln lieber einmal mehr abzuweisen. „Und sollten Minderjährige sichtbar betrunken sein, dürfen sie ebenfalls nicht reingelassen werden“, sagt der 58-Jährige.

Epler, Mitglied im „Bundesverband deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe“, will aber eine ganz andere Frage in den Raum gestellt wissen: „Was tun eigentlich die Eltern dafür, dass ihre Kinder nicht betrunken aufgegriffen werden?“ Er habe inzwischen den Eindruck, dass nicht wenige Erziehungsberechtigte „ihre Kinder regelrecht in die Obhut der Diskothekenbetreiber“ geben. „Und das geht gar nicht“, meint Epler.

Diesen Vorwurf will Astrid Schulz-Evers (52), Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Elternvereins, nicht gelten lassen. „Als Gewerbetreibende haben sie sehr wohl die Pflicht, das Einhalten der Altersgrenze sicherzustellen“, sagt Schulz-Evers. Überdies seien Eltern im Gegensatz zu früher stets darauf bedacht, ihre Kinder zu mehr Selbstständigkeit zu erziehen. „Die Eltern wissen sehr wohl um das Problem, dass sie dann eben nicht immer alles kontrollieren können.“ Die Elternvereinsvorsitzende sieht auch die Schulen als Aufklärungspartner. „Hier bestehen gute Chancen, die Gefahren des Alkoholkonsums zum Thema zu machen.“

Dass der Busdorfer Fall im Zeichen der „Oldesloer Korn-Nacht“ stand, gefällt dem Hersteller der Spirituose gar nicht. „Wir waren entsetzt, als wir das gelesen haben“, sagt Thomas Ernst, Geschäftsführer der Oldesloer Kornbrennerei. Dabei bringe sich der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie ausdrücklich bei der „Schulungsinitiative Jugendschutz“ mit ein. Hier würden der Handel und die Gastronomie entsprechend sensibilisiert. Motto: „Jugendschutz geht vor Umsatz“. Er sei erleichtert, dass in Busdorf bei Schleswig ein offensichtlicher Missbrauch aufgedeckt worden ist, sagt Ernst weiter. Allerdings: Dass eine Marke für Werbezwecke des Vermarkters genutzt wird, könne grundsätzlich nicht verhindert werden.

Anders im Kreis Dithmarschen: „Hier wurden wir von der Ordnungsbehörde vergattert, keine Werbung mehr mit alkoholischen Getränken zu machen“, berichtet Disco-Betreiber Joachim Epler. Zusätzlich werden „kein Kurzer unter einem Euro und kein Schuss-Getränk unter 1,50 abgegeben“. Das sei bislang auch nicht untergraben worden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen