Dioxin-Skandal: Manager kriegen ihr Fett weg

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16. März 2013, 09:54 Uhr

Itzehoe/Uetersen | Inzwischen liegt der Dioxin-Skandal mehr als zwei Jahre zurück. Ende 2010 wurde bekannt, dass die Firma Harles und Jentzsch in Uetersen (Kreis Pinneberg) mindestens 3000 Tonnen dioxinbelastetes Futterfett aus angeliefertem, mit dem Umweltgift belastetem Fett hergestellt und zur Weiterverarbeitung an Futtermittelhersteller in ganz Deutschland vertrieben hat. Anfang 2011 nahm die Staatsanwaltschaft Itzehoe die Ermittlungen auf. Diese wurden jetzt eingestellt, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Zepter gestern in Itzehoe mitteilte. Der Grund: Den Verantwortlichen sei weder Vorsatz noch Kenntnis im Dioxin-Skandal nachzuweisen gewesen.

Und dennoch stieß der Hauptermittler in dem Fall, Staatsanwalt Andy Mitterer (Foto), in den Bergen von Akten auf etwas, das er "einen Zufallsfund" nennt: Zwar nicht mit dioxin belastetem Fett, aber mit Altspeiseresten wie beispielsweise gebrauchtes Frittenfett sollen der damalige Geschäftsführer von Harles und Jentzsch, Siegfried S. (60), sowie der Prokurist Klaus-Hinrich V. (61) vorsätzlich und im großen Stil gepanscht haben. Etwa 350 Tonnen dieser Reste sollen die beiden Führungskräfte wissentlich mehr als 2300 Tonnen Futterfetten beigemischt haben. Diese Menge sei in 102 Lieferungen zwischen Oktober 2009 und Juli 2010 als "Pflanzenfett" oder "pflanzlich" an 19 Mastbetriebe und landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaften in ganz Deutschland verkauft worden. Aus ihren verbotenen Geschäften soll Harles und Jentzsch mehr als 1,2 Millionen Euro vereinnahmt haben.

Die Machenschaften wertet die Staatsanwaltschaft Itzehoe als gemeinschaftlich begangenen gewerbsmäßigen Betrug sowie als Vergehen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Dementsprechend sei jetzt gegen die beiden Manager, die im Raum Elmshorn wohnen, Anklage vor der zuständigen Strafkammer des Landgerichtes Itzehoe erhoben worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt. Wann es zum Verfahren kommt, konnte Zepter noch nicht sagen. "Das Landgericht muss sich jetzt erst einmal durch die Akten beißen."

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