zur Navigation springen

Mitnahme-Netzwerk in SH : Digitales Trampen: Mitfahrportal für Mobilität auf dem Lande geplant

vom

Für den Kreis Segeberg ist ein Online-Portal geplant. Der Initiator hofft, dass andere Kreise mitziehen.

Bad Segeberg | Mit dem ÖPNV auf den Dörfern ist es nicht weit her. Einige wenige Orte versuchen sich deshalb in jüngster Zeit mit einer „Mitfahrbank“: Wer sich draufsetzt, signalisiert vorbeifahrenden Autofahrern, dass er gern mitgenommen werden würde. Doch der Erfolg dieses dem Trampen nachempfundenen Modells, so berichten Praktiker, ist bisher mäßig. „Es fehlt die soziale Kontrolle, die Leute ahnen oft nicht, mit wem genau sie da zu tun haben“, sagt Arne Hansen, Kreistagsabgeordneter im Kreis Segeberg und Bürgermeister in der dortigen Gemeinde Klein Gladebrügge. Deshalb will der Kommunalpolitiker, der dem Kreisaussschuss für Umwelt und Klimaschutz vorsitzt, die Idee weiterentwickeln. Zum digitalen Trampen sozusagen. Hansen ist Initiator eines „Mitnahme-Netzwerks“, das die Mobilität auf dem Land grundlegend verbessern soll und Pilot-Charakter auch für andere Teile Schleswig-Holsteins hat.

250.000 Euro nimmt der Kreis für eine dreijährige Testphase in die Hand. Die Ausschreibung für das dazugehörige Online-Portal ist erfolgt; wenn der Kreis aus den Bewerbungen einen Dienstleister ausgewählt hat, soll der Betrieb im Herbst starten. 45 Gemeinden und damit die Hälfte im Kreis Segeberg haben bereits ihre Teilnahme beschlossen. Hansen setzt darauf, dass er einen Gutteil der Übrigen in den nächsten Monaten noch mit ins Boot bekommt. „Außerdem hoffe ich, dass andere Kreise sagen: ,dat is plietsch, dat mookt wi ook’“, lässt der Mann aus Klein Gladebrügge durchblicken. Denn: „Die Bewegungsmuster der Menschen orientieren sich ja nicht an Kreisgrenzen. Und je mehr Leute mitmachen, desto besser funktioniert das System ohnehin.“

Herzstück der Idee: „Wir schaffen eine Sicherheit, dass man beim Mitfahren und Mitnehmen nicht mit irgendwem zu tun hat, sondern sich gegenseitig zuordnen kann.“ Und das soll so funktionieren: Fahrer wie Mitfahrer müssen sich über eine Smartphone-App offiziell anmelden. Wer Transportdienste anbieten möchte, übermittelt dem Online-Portal per App die Strecken, die er – gern auch regelmäßig – fährt. Wer mitgenommen werden möchte, tippt seine Wünsche ebenfalls über die App auf dem Handy ein. Passt das eine zum anderen, erhält der Mitfahrer per Textnachricht oder – auf vorherigen Wunsch – Anruf aus der Mobilitätszentrale die Info, dass es losgehen kann. Sogar besonders überschaubare Mitnahme-Zirkel lassen sich einrichten. Etwa nur zwischen Eltern eines einzigen Ortes, die andere Kinder zum Fußballtraining mitnehmen. Ein Netz neuer „Mitfahrbänke“ soll dem Projekt eine Grundstruktur und zusätzliche Sichtbarkeit verschaffen.

Als einen Erfolgsgaranten sieht Hansen, „dass das Mitnahme-Netzwerk anders als andere überregionale Mitfahrportale lokal verankert ist.“ Die Dorf-Bürgermeister und die Gemeindevertreter versteht er als „Kümmerer“. Per Mund-zu-Mund-Propaganda sollen sie werben, Vertrauen herstellen oder auch mal helfen, wenn es irgendwo hakt.

„Letzten Endes wird auf die digitale Ebene gehoben, was man früher aus der Dorfgemeinschaft kannte: ein Stück erweiterte Nachbarschaftshilfe“, verdeutlicht Hansen. Dass es mit Mitfahrgelegenheiten per Zuruf über den Gartenzaun nicht mehr so klappt, sondern die Vernetzung per Smartphone nötig erscheint, erklärt der Bürgermeister damit, „dass die meisten Dörfer reine Schlafdörfer geworden sind. In der Regel sind in den Familien beide berufstätig und dadurch länger weg, und den Kaufmann, bei dem man sich zufällig treffen könnte, gibt es kaum noch.“

zur Startseite

von
erstellt am 03.Jun.2017 | 15:04 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen