Grönland-Expedition : Digitale Flaschenpost von Arved Fuchs

Rundum sorglos... mit einem erfahrenen Skipper wie Arved Fuchs (3.v.l.) sticht die Crew in See.  Foto: Fischer
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Rundum sorglos... mit einem erfahrenen Skipper wie Arved Fuchs (3.v.l.) sticht die Crew in See. Foto: Fischer

Mit dem Haikutter ist Arved Fuchs nach Grönland aufgebrochen. Er will eine Messboje auf einer Eisscholle platzieren und den Klimawandel dokumentieren.

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05. Juli 2011, 11:39 Uhr

Flensburg | Einmal im Jahr treffen sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen zur Weltklimakonferenz, um den globalen Klimaschutz zu erörtern; Anlass ist die dramatische Klimaerwärmung aufgrund des offenbar grenzenlosen Anstiegs gefährlicher Treibhausgase. Die Konferenzen in Kopenhagen und im mexikanischen Cancun in den vergangenen Jahren scheiterten oder erbrachten kaum nennenswerte Ergebnisse - zu massiv sind die wirtschaftlichen Interessen insbesondere der führenden Industrienationen. Für die Ende November im südafrikanischen Durban anberaumte nächste Weltklimakonferenz befürchten Kritiker ein ähnliches Debakel zum Nachteil der Lebensgrundlage Erde.
Dabei ist das Bewusstsein für aktiven Klimaschutz bei den Menschen in der Region durchaus gegeben, wie das starke Engagement vor Ort gegen eine unterirdische Einlagerung des Klimakillers Kohlendioxid und der Flensburger Klimapakt belegen. Und nach Ansicht des Weltklimarats bleibt die Lage unverändert ernst: Schmelzen die polaren Eiskappen im derzeitigen Tempo weiter, kann sich der Meeresspiegel in den nächsten 40 Jahren leicht um sieben Meter erhöhen - eventuell um mehr, natürlich auch an Schleswig-Holsteins Küsten.
Moderne Messboje auf Eisscholle
Ein Zeichen für den dringlichen Handlungsbedarf zum Schutz des Klimas setzt jetzt Arved Fuchs. Seine (global gesehen relativ bescheidene) Möglichkeit: eine neue Expedition unter dem Motto "Grönland Nordost". Mit dem Haikutter "Dagmar Aaen" geht es zunächst nach Island mit Zwischenstopp in Húsavík. Dort trifft die Besatzung auf das internationale Jugendcamp "Ice Climate Education 2011", in dem zehn Jugendliche aus acht Nationen sich intensiv mit der aktuellen Klimaproblematik auseinandersetzen. "Anschließend fahren wir an der Ostküste Grönlands soweit es geht Richtung Norden, etwa bis zum 76. Breitengrad", erzählt der erfahrene Skipper. Dort wird er eine moderne Messboje auf einer Eisscholle platzieren. Die Driftdaten werden über Satellit ausgewertet und in einer Karte veröffentlicht. "Mit dieser digitalen Flaschenpost wollen wir den bedrohlichen Klimawandel dokumentieren und möglichst viel public awareness, also öffentliche Aufmerksamkeit erzielen", sagt Arved Fuchs engagiert für den Klimaschutz.
Für dieses Vorhaben ist der Weltensegler Arved Fuchs gut gerüstet: Im dänischen Egernsund wurde die "Dagmar Aaen" mehrere Monate überholt, wurden Planken ausgetauscht, die Takelage auf Vordermann gebracht, die Maschine gewartet. Als am Sonnabend um 14 Uhr im Flensburger Museumshafen die Leinen losgeworfen wurden, war er froh, "dass es endlich losgeht". Neben dem guten Schiff gibt ihm die Crew motivierter Seeleute Sicherheit. "Wir machen schließlich keine Urlaubsreise, sondern eine Expedition", sagt Fuchs. Zur Mannschaft gehören der Kanadier John Wannacott, der bereits seit 2004 jedes Jahr mitfährt, dieses Mal als Koch. Außerdem Steffen Lembke aus dem Familienkreis des Umweltaktivisten. Sorgt sich der 27-Jährige auf dem relativ kleinen Schiff? "Nicht mit Arved", sagt der Berliner.
Vor zahlreichen Sehleuten, unter großem Medienecho und gut verproviantiert setzte die "Dagmar Aaen" vom Museumshafen aus Kurs Norden. Die "digitale Flaschenpost" wird voraussichtlich in der zweiten Augusthälfte ausgesetzt. Die Schollendrift ist über einen Link auf der Homepage nachvollziehbar, die auch weitere Informationen zur Expedition "Grönland Nordost" bietet. Ende September plant Arved Fuchs wieder in seinen de facto-Heimathafen Flensburg zurückzukehren - in der Hoffnung, etwas für den globalen Klimaschutz bewegt zu haben.
(shz)

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