Schäden in Millionenhöhe : Diebesbanden plündern Solarparks

Die hohe Gewinnspanne beim Verkauf der rund 300 Euro teuren Paneele lockt nach wie vor die Diebe. Foto: grafikfoto.de
Die hohe Gewinnspanne beim Verkauf der rund 300 Euro teuren Paneele lockt nach wie vor die Diebe. Foto: grafikfoto.de

Vom Hausdach bis zur Freilandanlage: Von Nordfriesland bis Bayern ziehen organisierte Banden über Land, um Solaranlagen zu stehlen. Die Täter richten Millionenschäden an.

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11. März 2013, 09:18 Uhr

Kiel | "Unbekannte schraubten insgesamt 68 Solarmodule von einer landwirtschaftlichen Lagerhalle ab und transportierten diese mit einem Lkw ab." Meldungen wie diese aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde sind keine Seltenheit mehr. Von Nordfriesland bis Bayern ziehen gut organisierte Banden über Land, um Solaranlagen zu stehlen. Bundesweit geht der Schaden inzwischen in die Millionen. Bevorzugte Ziele sind abgelegene Solarparks und Dachanlagen in der Peripherie, die von den Besitzern nicht täglich kontrolliert werden. Auch die besagte Halle befindet sich in Alleinlage zwischen Lütjenwestedt und Oldenhütten. Der Schaden betrug rund 30.000 Euro.

"Im vergangenen Jahr gab es bei Photovoltaik-Anlagen zwar nur vier solcher Diebstahlsmeldungen in Schleswig-Holstein", berichtet Heiko Wischer von der Provinzial-Versicherung in Kiel. "Allerdings werden zentral nur Schäden über 10.000 Euro statistisch erfasst." Bei der Mannheimer Versicherung, die bundesweit rund 100.000 Anlagen versichert hat, geht man davon aus, dass jeder zehnte Schaden auf Diebstahl beruht.

Besserung ist vorerst nicht in Sicht

Das Landeskriminalamt (LKA) in Kiel erfasst den Solarklau nicht gesondert. Noch nicht. Gewarnt ist man trotzdem: "Wir rechnen mit einer steigenden Zahl von Tatgelegenheiten, da die Zahl der Solarparks zunimmt", so eine LKA-Sprecherin.

Die Banden baldowern Zielobjekte zunächst im Internet und später in Natura sorgfältig aus. Bisweilen gehen sie sogar ziemlich dreist vor. Die Diebe tauchen am helllichten Tag in Monteursanzügen auf, berichtet der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft: "Die holen die Module vom Dach, und jeder denkt, die werden nur ausgewechselt - aber sie kommen nie wieder." Selbst vor öffentlichen Gebäuden machen die Diebe nicht Halt. So klauten Unbekannte vor zwei Jahren die Photovoltaik-Anlage vom Dach des Klärwerkes in Schlesen (Kreis Plön). Oft haben die Kriminellen leichtes Spiel, denn die 1,2 Millionen Photovoltaik-Anlagen, die bislang ans Netz gingen - auch in Schleswig-Holstein sind auf rund 15 Prozent der Gebäude Solaranlagen installiert - sind häufig schlecht gesichert. So fehlen bei vielen Freilandanlagen hohe stabile Zäune.

Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Die hohe Gewinnspanne beim Verkauf der rund 300 Euro teuren Paneele lockt nach wie vor die Diebe. Beruhigend für Schleswig-Holstein: So schlimm wie im Nachbarland Mecklenburg Vorpommern oder gar in Brandenburg ist es hier noch nicht. In Brandenburg spricht man inzwischen von einer Solar-Mafia und hat beim dortigen LKA eine "Soko Sonne" eingerichtet.

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