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„Bruinvis“ im Nord-Ostsee-Kanal : Die Suche der Schweden und ein U-Boot in SH

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Ein U-Boot fährt durch den Nord-Ostsee-Kanal. Das ist noch nicht ungewöhnlich - die Herkunft des Schiffes schon.

Kiel | Die Schweden jagen seit Tagen ein mysteriöses U-Boot - und eins, das mal verdächtigt wurde, taucht im Nord-Ostsee-Kanal auf. Die „Bruinvis“ wurde um 7.30 Uhr in Kiel Holtenau eingeschleust. Am Abend fuhr das 67,7 Meter lange U-Boot aus der Schleuse in Brunsbüttel in die Nordsee. Woher das U-Boot kommt und wohin die Reise geht, ist unbekannt. Vielleicht landet es ja über Umwegen doch noch in Schweden?

In den Schären vor der schwedischen Hauptstadt Stockholm spielen sich derzeit Szenen ab, die an den Kalten Krieg erinnern. Hubschrauber und Militärschiffe kreuzen durchs Wasser, mit Sonar suchen sie nach einem ausländischen Unterwasserfahrzeug. Dass da etwas ist, da sind sich die Militärs sicher. Drei Augenzeugen haben in den vergangenen Tagen ein verdächtiges Objekt auf- und abtauchen sehen, zuletzt am Sonntagmorgen. Beweise, dass sich tatsächlich ein ausländisches U-Boot mit Besatzung unerlaubt in den schwedischen Gewässern aufhält, gibt es aber nicht.

Sind es die Russen? Die schwedischen Medien vermuten das. Russland reagierte bereits am Montag und schob den Niederlanden den Schwarzen Peter zu: Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, es handele sich um ein niederländisches U-Boot, das die schwedische Sicherheit bedrohe: die „Bruinvis“. Die Niederländer wiesen das zurück. Der Beweis ist mit der Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal erbracht.

Russlands Präsident Wladimir Putin zeigt seit Beginn der Ukraine-Krise seine Muskeln, wo er nur kann. In der Arktis baut er Militärbasen, russische Jagdflieger verletzen immer wieder den finnischen und den schwedischen Luftraum. Warum sollten es nicht die Russen sein, die die schwedische Küste ausspionieren? Den Nährboden für diese Theorie lieferte am Samstag das „Svenska Dagbladet“, als es berichtete, die Überwachung habe zwei Funksprüche aufgefangen, die an eine Militärstation in Kaliningrad gerichtet waren. Einer soll verschlüsselt gewesen sein, der andere war angeblich ein Notruf in russischer Sprache. Das schwedische Militär bestritt immer, dass es solch einen SOS-Ruf mitgehört habe, doch die Medien nahmen die Geschichte zum Anlass, neue Hinweise zu suchen.

Ein schwarz gekleideter Mann, der auf den Felsen an der Küste fotografiert wurde, geriet in Verdacht, mit dem mysteriösen U-Boot in Zusammenhang zu stehen. Er entpuppte sich als Fischer, der an diesen Tag leider leer ausgegangen war.

Nach fünf Tagen Suche wurde die Marine am Dienstag schließlich fündig. In der Bucht Ingaröfjärden zogen die Einsatzkräfte einen russischen Sender aus dem Wasser, schrieben Journalisten. Ist das nun der Beweis, dass die Russen die Schweden ausspionieren? Oberbefehlshaber Sverker Göranson stellte klar: „Das war nur eine Boje.“

Dass die schwedischen Medien so gerne die Theorie vom bösen Russen glauben wollen, ist erklärlich. In den 80er Jahren waren die Spannungen zwischen Schweden und der Sowjetunion enorm. Nachdem 1981 ein russisches U-Boot in den Stockholmer Schären auf Grund lief, kam die Furcht auf, die Sowjets könnten eine Invasion planen. In den folgenden Jahren wurden der schwedischen Marine 6000 Observationen fremder U-Boote gemeldet, nur neun davon konnten als Hoheitsverletzungen nachgewiesen werden. Im Jahr 2000 räumte der frühere US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger ein, dass Nato-U-Boote in schwedischen Gewässern operiert hatten. Dennoch traut man den Russen nicht über den Weg.

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erstellt am 23.Okt.2014 | 18:02 Uhr

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