Mobile Einsatz-Gruppe : Die Spezialtruppe fürs Gericht

MEG-Leiter Frank P.
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MEG-Leiter Frank P.

Gewalttätige Schwerverbrecher, aggressive Zuschauer und gefährliche Nüsse: mit einem Mobilen Einsatzkommando sichert die Justiz schwierige Prozesse. Deren Chef erzählt, wie.

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06. März 2011, 01:02 Uhr

Neumünster | Bei gefährlichen Straftätern setzt die Polizei auf ihr Spezialeinsatzkommando (SEK). Die Justiz in Schleswig-Holstein hat für schwierige Fälle ebenfalls ein besonderes Team zusammengestellt, die Mobile Einsatzgruppe (MEG).
Wann immer ein Schwerverbrecher vor Gericht steht oder gewalttätige Gruppierungen den Prozess gefährden könnten, reist die Mobile Einsatzgruppe an. Ihre neun Männer und Frauen sind in Abwehr- und Zugriffstechniken geschult, bewaffnet mit Schlagstöcken, Pfefferspray und Handschellen. "Wir unterstehen dem Oberlandesgericht in Schleswig", erklärt MEG-Leiter Frank P. (46). "Und dort fordern uns die einzelnen Gerichte dann an."
Gestern brauchte das Amtsgericht Neumünster die Unterstützung der Spezialisten. Verhandelt wurde gegen zwei Mitglieder der rechten Szene, die im Mai 2009 Aktivisten der linken Szene vor den Holstenhallen in Neumünster angegriffen haben sollen. Der MEG-Chef: "Bei einem anderen Prozess in dieser Sache kam es im Gerichtssaal zu einer Schlägerei zwischen Linken und Rechten." Das soll nun nicht wieder passieren.
Nüsse wurden auch schon als Wurfgeschosse verwendet
Bereits eine Stunde vor Prozessbeginn inspizieren Frank P. und sein Team den Saal, räumen zwei Sitzbänke heraus, damit beide Gruppen leichter räumlich getrennt werden können. Dann beginnt die Kontrolle am Eingang des Amtsgerichts. Gesucht wird nach gefährlichen Gegenständen. Frank P.: "Dazu zählen Messer und Steine, aber auch Nüsse, die bereits als Wurfgeschosse genutzt wurden." Metalldetektoren benutzt das MEG-Team dabei nicht. "Es gibt Messer aus Keramik oder Karbon, die das Gerät nicht bemerkt. Deshalb wird jeder, der zu diesem Prozess will, abgetastet."
Was die Justizwachtmeister den Zuschauern bei anderen Verhandlungen, unter anderem den Rockerprozessen, abgenommen haben, ist erstaunlich. Ein MEG-Beamter (40): "Eine Person brachte einen Baseballschläger mit, weil sie sich angeblich nur so sicher fühlte, ein anderer hatte eine Axt dabei. Sehr seltsam war auch die Person, die ihre Halskette mit Rasierklingen veredelt hatte." Im Amtsgericht Neumünster findet sich an diesem Morgen in der Tasche eines linken Aktivisten ein Stein, eine schwere Kette wird sichergestellt, ebenso ein fingerdicker, kurzer Holzstab, der in der Hand eines trainierten Kämpfers zur gefährlichen Waffe werden kann.
Gegründet wurde die Mobile Einsatzgruppe im November 2002, die Prozesse gegen die Attentäter des 11. Septembers hatten gerade begonnen, und die Justiz machte sich Gedanken darüber, wie Sicherheit im Gerichtssaal aussehen muss. Der MEG-Leiter: "Es wurden Gelder für zusätzliche Stellen bewilligt und Freiwillige gesucht, die sich der Aufgabe körperlich gewachsen fühlten." Der Einstellungstest dauerte elf Tage, von 16 Justizwachtmeistern bestanden sieben, später kamen noch zwei weitere ins Team.
Hooligans der Gerichtsszene machen Ärger
Seit 2002 war die MEG für die Sicherheit von 440 Prozessen verantwortlich. In der linken Szene sorgt die gut ausgebildete Ordnungsmacht mittlerweile für Unmut. Aktivistin Hanna Poddig (25) kritisierte, dass bei Prozessen gegen sie Unterstützer nach Zwischenrufen in Gewahrsam genommen worden seien, es Tritte und Schläge gegen einen friedlichen Zuhörer gegeben habe. Der MEG-Chef: "Wir würden alle Konflikte gerne im Gespräch lösen, aber es gibt Hooligans der Gerichtsszene, die einfach nur Ärger machen wollen. Sie sind leider nicht bereit, eine ordentliche Verhandlung zuzulassen."
Der Prozesstag in Neumünster endete schnell, das Verfahren gegen die beiden Beschuldigten wurde eingestellt. Der erwartete Ansturm von Neonazis und Antifaschisten blieb aus - möglicherweise, weil die Züge streikten. "Wissen kann man sowas vorher nicht, deshalb ist es trotzdem gut, dass wir da waren", sagt Frank P.
(ge, shz)

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