Samenzucht : Die Spargelsaison hat begonnen...

Aloys Rosen begutachtet im Gewächshaus die Samenreife einer seiner Zuchtlinien. Foto: dpa
Aloys Rosen begutachtet im Gewächshaus die Samenreife einer seiner Zuchtlinien. Foto: dpa

...jedenfalls für den Samenzüchter Aloys Rosen: In seiner "Deutschen Spargelzucht" in Alt-Mölln werden im Herbst die roten Beeren gepflückt.

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10. November 2009, 07:21 Uhr

Alt-Mölln | Für Aloys Rosen beginnt die Spargelsaison im November. Der 53-Jährige und seine Angestellten haben es nicht auf die Stangen, sondern auf den Samen des edlen Gemüses abgesehen. In aufwändiger Handarbeit pflücken sie im Spätherbst die kleinen roten Beeren der Spargelpflanzen, in denen sich die schwarzen Samen verbergen. Daraus zieht Rosen junge Spargelpflanzen, die im Frühjahr an Landwirte und Gärtner verkauft werden. Außerdem züchtet er neue Spargelsorten. Sein Unternehmen, die "Deutsche Spargelzucht" in Alt-Mölln (Kreis Herzogtum Lauenburg), ist einer von nur drei Spargelsaatzuchtbetrieben in ganz Deutschland.

"Mondeo", "Hannibal", "Primaverde", "Viridas", "Huchels Alpha" oder "Ariane" heißen die Sorten aus Rosens Zucht, die im In- und Ausland gefragt sind. Zwei von ihnen hat er gerade auf dem Internationalen Spargelsymposium in Perus Hauptstadt Lima vorgestellt. Der Andenstaat sei inzwischen der größte Spargelexporteur der Welt, berichtet der gebürtige Emsländer, der seit fast 25 Jahren in Schleswig-Holstein lebt. Auf rund 14 Hektar Anbaufläche vermehrt er in seinem Betrieb Jungpflanzen, auf weiteren zweieinhalb Hektar wachsen Zuchtpflanzen für die Samengewinnung in Folientunneln heran.
Langwieriges Geschäft
Doch die Spargelzucht ist ein langwieriges Geschäft. In einem fensterlosen, von Neonröhren erleuchteten Raum stehen in langen Reihen Glasbehälter mit jungen Spargelpflänzchen. Täglich kontrolliert seine Mitarbeiterin Pertschuhi Stephanyan Temperatur, Lichtzufuhr und Wachstum der Pflänzchen, die in einer Nähr lösung herangezogen werden. "Das ist ein bisschen wie Frankensteins Labor, und das sind alles meine Kinder", scherzt sie. Ihr Chef klärt auf: "Das sind Stecklinge von ,Elternpflanzen, die wir aus den Blattschuppen gewonnen haben. Wenn sie groß genug sind, werden sie ausgepflanzt und in etwa drei Jahren erstmals Samen der neuen Züchtung liefern."

Bis es dazu kommt, stecken schon mindestens sieben Jahre Arbeit in der neuen Sorte. Es beginnt mit der Suche nach Zwitterpflanzen für das Ursaatgut. "Spargel ist eigentlich eine zweihäusige Pflanze, es gibt also männliche und weibliche Exemplare. Inzwischen werden aber fast nur noch Hybridpflanzen angebaut, die aus Kreuzungen entstanden sind. Die sind zwar ertragreicher, tragen aber keine Früchte, weil sie durchweg männlich sind", erläutert Rosen. Auf der Suche nach Pflanzen, die sowohl männliche als auch weibliche Blüten tragen, als Stammeltern einer neuen Sorte müsse er deshalb lange durch fremde Spargelfelder streifen, sagt er. Es folgen Kreuzungen, um Pflanzen mit dem richtigen Geschlecht zu bekommen, und weitere, um der neuen Spargelsorte die erwünschten Eigenschaften zu geben. Bis zu 15 Jahren kann es dauern, bis eine neue Sorte marktreif ist. Bis der Landwirt die ersten Stangen einer neuen Sorte stechen kann, dauert es noch mal drei bis vier Jahre. "Das alles hat nichts mit Hexerei zu tun, sondern folgt einfach den Gesetzen der Vererbungslehre", sagt Rosen. Rund 15 Spargelsorten gibt es derzeit auf dem deutschen Markt, davon erreichen drei bis vier Hauptsorten zusammen einen Marktanteil von 70 Prozent. "Sie unterscheiden sich im Ertragreichtum, im Zeitpunkt des Austriebs und auch im Geschmack, aber selbst für mich ist das schwer festzustellen", bekennt Spargelfachmann Rosen.

Während der Saison kommt bei ihm natürlich jeden Tag Spargel auf den Tisch. "Am liebsten esse ich ihn pur, ohne Schinken und ohne Butter oder Soße", sagt er.

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