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Glückstadt : Die Schüler von der anderen Seite

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Die Fähre Glückstadt-Wischhafen hat ihre Fahrten wegen Eisgangs eingestellt. Schüler aus Niedersachsen kommen nicht mehr auf dem üblichen Weg zur Schule - jetzt gewähren ihnen Gastfamilien Asyl.

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erstellt am 15.Jan.2010 | 07:21 Uhr

Glückstadt | Die 13 Kinder "von der anderen Seite" besuchen das Detlefsengymnasium in Glückstadt (Kreis Steinburg). In diesen Tagen sind sie in Gastfamilien untergebracht. Denn sonst müssten sie über Stade und Hamburg mit dem Zug nach Glückstadt zur Schule fahren.
Drei Stunden brauchten die Schwestern Leonie (11) und Janina Pankratz (19) als sie am Sonntag mit dem Zug von ihrem Heimatort Hamelwörden (Landkreis Stade) nach Glückstadt fuhren. "Wir haben im Radio gehört, dass die Fähre nicht mehr fährt", erzählt Janina. Die Sachen waren schnell gepackt, die Schwestern hatten mit diesen Notfall gerechnet. "Fährmann Uwe" hatte es ihnen schon angedeutet.
"Ich war so zugepackt, dass ich heute noch Schwielen an den Händen habe"
Doch ohne Hilfe von Mitschüler Paul (15) aus Freiburg in Niedersachsen hätten sie Probleme gehabt, alles mitzubekommen. Janina: "Ich hatte für den Kunstkurs ein Kleid genäht." Dies war in einem Karton. "In der linken Hand hatte ich die Schneiderpuppe, auf dem Rücken den Rucksack mit Kleidung, und die Schultasche habe ich umgehängt. Ich war so zugepackt, dass ich heute noch Schwielen an den Händen habe." Denn zum Gepäck gehörte auch ein Kochtopf mit Kohlrouladen und Quittengelee, beides hatte ihre Mutter als Gastgeschenk mitgegeben. Ihre kleine Schwester musste neben der schweren Schultasche noch einen Koffer tragen. Paul half tragen.
Wohlbehalten kamen sie in Glückstadt an. Die Schwestern wurden schon erwartet: Sie sind bei Janinas Schulfreundin Ronja Grobys (19) untergekommen. Deren Eltern Klaus (55) und Karola Grobys (49) hatten gleich ja gesagt, als sie gebeten wurden, die Schwestern aufzunehmen. Janina und Leonie fühlen sich gut aufgehoben.
"Glückstadt ist so schön, hier ist immer geschäftiges Treiben"
Ronja - aufgewachsen mit fünf Geschwistern - findet es selbstverständlich, ihrer Freundin und deren Schwester zu helfen. Auch für ihre Eltern ist es kein Problem. "Wir nehmen sie auf wie unsere eigenen Kinder", sagt Ronjas Mutter.
Die beiden Schwestern haben sogar ein eigenes Zimmer. Während Janina es genießt, bei ihrer Freundin zu sein, hat die kleine Leonie etwas Heimweh. Trotzdem bleibt auch sie am kommenden Wochenende in Glückstadt. Die Kinder fahren erst wieder nach Hause, wenn die Fähre wieder fährt. Janina liebt die Elbestadt mit ihrem "Kleinstadtleben". "Glückstadt ist so schön, hier ist immer geschäftiges Treiben, anders als bei uns in Niedersachsen."
"Ich stehe morgens um fünf Uhr auf, Leonie sogar schon früher"
Und beide Mädchen besuchen gerne das Gymnasium. "Nette Lehrer, guter Unterricht", schwärmt Janina. Da stört sie auch nicht, dass sie normalerweise täglich einen langen Schulweg von Niedersachsen nach Schleswig-Holstein in Kauf nehmen muss. "Ich stehe morgens um fünf Uhr auf, Leonie sogar schon früher", erzählt Janina. Nach dem Frühstück fahren sie rund zehn Minuten mit dem Rad zur Fähre. Setzen etwa 20 Minuten über und fahren dann nochmal zwei Kilometer mit dem Rad weiter zur Schule.
Dass Kinder aus Niedersachsen in Glückstadt das Gymnasium besuchen, hat eine Jahrzehnte lange Tradition. Eisgang hat es immer wieder geben, deshalb wird auch früh geregelt, dass die Kinder in Gastfamilien untergebracht werden.

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