Fragen und Antworten : Die Rockerclubs in Schleswig-Holstein

Wenn irgendwo Rocker mit Kutten auf ihren Maschinen auftauchen, erheben sie dort Gebietsansprüche. Foto: dpa
Wenn irgendwo Rocker mit Kutten auf ihren Maschinen auftauchen, erheben sie dort Gebietsansprüche. Foto: dpa

Die Szene der Rockerclubs ist so unübersichtlich wie ihre Geschäfte. Was treiben sie und wie sind sie organisiert? shz.de gibt Antworten.

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10. März 2013, 10:29 Uhr

Welche Rockerclubs gibt es in Schleswig-Holstein?
In Schleswig-Holstein sind fünf Rockerclubs aktiv: Hells Angels, Bandidos, Mongols, Tigers und Gremium. Alle tragen die Bezeichnung MC für Motorcycle Club. Zudem gibt es Unterstützergruppen wie die Red Devils für die Hells Angels und die Contras für die Bandidos.

Wo sind sie aktiv?
Die Clubs haben das Land unter sich aufgeteilt: Im Süden des Landes und in Lübeck sind die Hells Angels mit ihren jeweiligen Chartern (Ortsverbände) vertreten. Auch Kiel und Flensburg waren Reviere der Hells Angels, bevor die Charter dort verboten wurden. In Kiel ordnet sich die Szene seitdem neu. In Neumünster war bis zu seinem Verbot das Chapter (so bezeichnen alle anderen Clubs ihren Ortsverband) der Bandidos vertreten, dort halten die Contras nun die Stellung. Eine verbreitete Praxis der Clubs nach einem Verbot ist die Neugründung in einem anderen Ort in der Nähe. So wichen die Bandidos Neumünster nach Wahlstedt im Kreis Segeberg aus.

Was wird den Rockern vorgeworfen?
Es handelt sich um ein gewalttätiges Milieu mit Strukturen der organisierten Kriminalität der Türsteherszene, der Prostitution, der Schutzgelderpressung und des Drogenhandels, wie Polizei und Justiz ermittelt haben. Es bestehen Rivalitäten zwischen den einzelnen Clubs, die auf Gebietsansprüche für die illegalen Geschäfte zurückzuführen sind. Deshalb kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Besonders Bandidos und Hells Angels pflegen ihre Feindschaft.

Haben die Clubs einen politischen Hintergrund?
In erster Linie geht es den Clubs darum, mit den illegalen Geschäften Geld zu verdienen. Dabei können sich Freund- und Feindschaften danach richten, wo gerade das beste Geschäft zu machen ist. Die Szene ist deshalb so unübersichtlich, weil es unter ständiger Dynamik steht.

Gibt es Verbindungen zur rechtsradikalen Szene?
Es gibt eindeutige Verbindungen: Unter den Rockern des inzwischen verbotenen "Bandidos"-Chapters Neumünster werden bereits seit der Gründung im Jahr 2009 weit über ein Drittel der militanten rechten Szene zugerechnet. Zudem gibt es Überschneidungen des Unterstützerclubs Contras mit Rechtsradikalen. Auch der ehemalige NPD-Landesvorsitzende Peter Borchert ist ein Bandido.

Was bringen Verbote?
Durch Verbote werden die Charter und Chapter zumindest kurzfristig geschwächt. Die Mitglieder dürfen die Symbole ihres Clubs nicht mehr öffentlich zeigen. Das betrifft vor allem die Kutten: Auf den Lederwesten tragen die Rocker das Logo ihres Clubs auf dem Rücken. Dieses Statussymbol symbolisiert die Vorherrschaft in einer Stadt. Zudem wird die Vereinskasse vielfach beschlagnahmt. Dadurch werden die Ortsverbände empfindlich getroffen. Vermutet wird, dass die Hells Angels Kiel dadurch in große Schwierigkeiten gekommen sind. Zum Teil gehören auch Motorräder zum eingezogenen Vereinsvermögen. Nach den Verboten bleiben die Rocker jedoch meist aktiv, gründen neue Ortsverbände oder schließen sich anderen Gruppen an, um die illegalen Geschäfte weiter zu betreiben.

Bekämpft das Land die Rockerkriminalität weiterhin?
Polizei und Justiz setzen laut Innenminister Andreas Breitner weiter alle rechtsstaatlichen Instrumente konsequent ein, um den kriminellen Sumpf im Rockermilieu auszutrocknen. "Schleswig-Holstein hat auf diesem Gebiet bundesweite Maßstäbe gesetzt", sagte Breitner.

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