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Einschulung 2015 : Die perfekte Schultüte - so klappt's

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Für viele ABC-Schützen ist die Schultüte ein großes Mysterium - und Grund für aufkeimende Euphorie vor der Einschulung. Was steckt hinter diesem Brauch und wie gelingt die perfekte Überraschung?

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erstellt am 17.08.2015 | 10:00 Uhr

Der Schultütenbrauch ist auf das 19. Jahrhundert zurückzuführen. Erste Belege kommen vor allem aus Ostdeutschland. Dort rankte sich ein Märchen um den Zuckertütenbaum, dessen ausgewachsene Früchte – die Zucker- oder Schultüten – Kindern die Schulreife attestierten. Gemeinhin galt die Schultüte als eine Art Trostpflaster für den Eintritt in den neuen, streng geregelten Lebensabschnitt. Darin fanden die kleinen Schulanfänger neben Süßigkeiten auch viel Obst und Nüsse.

In Ostdeutschland konnten sich Schulkinder schon 1933 über ihre Zuckertüte freuen.
In Ostdeutschland konnten sich Schulkinder schon 1933 über ihre Zuckertüte freuen. Foto: imago/teutopress

Später schwappte der Brauch auch in andere Teile Deutschlands über. Hier hält er sich seitdem hartnäckig: Über 97 Prozent aller Erstklässler in Deutschland können sich auch in diesem Jahr auf eine Schultüte freuen. Auch zu unseren Nachbarn wagt sich die Schultüte inzwischen zaghaft vor. So werden beispielsweise in Österreich und der deutschsprachigen Schweiz vereinzelt Schultüten überreicht.

Heute ist von der traditionellen Schultüte nur noch die Form übrig. Äpfel und Nüsse rufen lediglich mittelschwere Begeisterung bei Kindergartenabsolventen hervor und ein Trostpflaster ist nach unzähligen Schulreformen meist erst dann wieder nötig, wenn es in großen Schritten auf das G8-Abitur im Mathe-Profil zugeht.

Heute gibt es Schultüten diversen Ausführungen.
Heute gibt es Schultüten diversen Ausführungen. Foto: imago/imagebroker
 

In Zeiten von Spiderman, Hello Kitty und Spongebob hat beinahe jedes Kind einen allgegenwärtigen Helden – die Linzenzinhaber freut's. So greifen handwerklich weniger bedarfte Eltern gern auf die gekaufte Variante zurück. Rund 60 Prozent aller Eltern entscheidet sich in diesem Jahr für die einfache Version. Die Do-It-Yourself-Gegenbewegung setzt hingegen auf Individualität und maximale Personalisierung. Nachhilfe für Bastelfaule gibt es beispielsweise bei organisierten Bastelnachmittagen für angehende Schulkind-Eltern im Kindergarten.

Wer es allein versuchen will, arbeitet am besten mit einem fertig zugeschnittenen Rohling aus dem Bastelladen. In verschiedenen Größen und Farben erhältlich, lassen sich darauf Hobbys, Serienhelden und Namen aus den unterschiedlichsten Materialien eindrucksvoll verbildlichen. Besonders hingebungsvolle Bastler beziehen die Schultüte mit bunten Stoffen. Als Verschlussmaterial eignen sich Krepppapier, Tüll oder Baumwollstoff – mit dem Tacker oder doppelseitigem Klebeband an der Oberseite der Schultüte befestigt. Besondere Stoffbänder und Bordüren werten das Kunstwerk zusätzlich auf.

Individualisten mögen's selbstgebastelt.
Individualisten mögen's selbstgebastelt. Foto: imago/imagebroker
 

Ist die Schultüte endlich fertiggestellt, geht es an die leidige Frage der idealen Füllung. Im Kindergarten kursieren schon seit Wochen Gerüchte, nach denen der Großcousin vom Bekannten der Freundin einen Nintendo in der Schultüte gefunden hat – die Erwartungen sind entsprechend hoch. Tatsächlich steigt in den letzten Jahren die Zahl derer, die für ihren Spross zur Einschulung tief in die Tasche greifen. So verirren sich heute neben alten Bekannten wie Schokolade und Co. auch immer wieder Smartphones, Computerspiele und tragbare Konsolen als Einschulungsgeschenk in die bunten Tüten. Rund 11 Prozent aller ABC-Schützen werden einer Umfrage zufolge ein Handy in ihrer Schultüte finden, 7 Prozent von ihnen einen MP3-Player. Im Bundesdurchschnitt liegt der Füllwert einer Schultüte heute bei rund 60 Euro.

Der Inhalt zählt: Smartphone oder doch lieber ein Buch?

Der Inhalt zählt: Smartphone oder doch lieber ein Buch?

Foto: imago/Lars berg

Jedoch sollte die Einschulung nicht mit einem Kindergeburtstag gleichgestellt werden. Vielmehr empfiehlt es sich, die Schultüte – neben dem obligatorischen Süßkram – mit mehreren, sinnvollen Kleinigkeiten zu füllen. So hält die Freude beim Auspacken länger an, gleichzeitig werden keine falschen Signale versendet. Denn bei all der Aufregung soll den Kindern mit der Schultüte symbolisiert werden: Jetzt geht es los. Einige Anregungen für sinnvolle und trotzdem spannende Einschulungsgeschenke:

Besonderer Schulbedarf: ausgefallene Stifte, bunte Notizbücher, ungewöhnliche Brotdose (etwa von Lego, in Bananen- oder Apfelform), hochwertige Trinkflasche, individuelle Namensaufkleber oder Namensstempel für Schulbücher, Reflektoren für den Schulranzen

Schulkindzubehör: Brustbeutel, Wecker, Armbanduhr, Schreibtischunterlage, Schlüsselanhänger, Briefpapier, Glücksbringer für Klassenarbeiten, Schulfreundebuch, Motivstempel

Gehirnfutter: Erstlesebücher, Lernspiel (sehr beliebt sind beispielsweise LÜK-Kästen), Geschicklichkeitsspiel, lernstufengerechte Rätselbücher, Kinderlexikon, Experimentierset

Praktisches: Regenschirm, Taschenlampe, Sportkleidung

Spielzeug: Besonderes Kuscheltier (etwa ein Sorgenfresserchen), kleines Lego- oder Playmobilset, Reisespiel

Immaterielles: Gutschein (etwa für Schwimmunterricht, Zoo- oder Kinobesuch), Bibliotheksausweis, Zeitschriftenabo

Schließlich ist auch das Befüllen der Schultüte eine Wissenschaft für sich. Damit die Spitze der Tüte stabil bleibt, sollte sie nach Möglichkeit ausgestopft werden. Das kann beispielsweise durch ein T-Shirt oder eine spitz geformte Tüte mit Süßigkeiten geschehen. Schwere Gegenstände sollten, auch wenn die Form der Schultüte das nicht immer zulässt, der Stabilität halber möglichst weit unten verstaut werden. Krepppapier und lose Bonbons eignen sich gut, um eventuelle Lücken zu füllen. Zum Schluss gilt wie überall im Leben: Weniger ist mehr. Trotz der vielen Ideen soll der kleine ABC-Schütze seine Schultüte schließlich stolz aus der Schule tragen können.

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