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Ärzte-Einkommen : Die Marktmacht der Mediziner

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Die Einnahmen der Ärzte steigen deutlich - doch der Lohn ist ungerecht verteilt. Ein Kommentar von Margret Kiosz.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2013 | 09:46 Uhr

Die Ärzte jammern seit Jahren auf hohem Niveau. Bei einem Einkommen vor Steuern und Sozialabgaben von knapp 14.000 Euro pro Monat hält sich das Mitleid der Bevölkerung mit den niedergelassenen Medizinern aber eher in Grenzen. Von soviel Geld auf dem Konto können andere nur Träumen - selbst die Masse der Rechtsanwälte und Ingenieure verdient weniger; auch sie haben eine langwierige und ähnlich anspruchsvolle Ausbildung absolviert wie die Weißkittel.
Viel problematischer als die absolute Höhe der Ärzteeinkommen ist jedoch die Bandbreite der Streuung - sowohl innerhalb einer Facharztgruppe als auch zwischen den einzelnen Gruppen. Warum verdient ein Radiologe doppelt so viel wie ein Landarzt? Und ist es gerecht, dass ein Hausarzt in einem gut-bürgerlichem Stadtteil mit vielen Privatpatienten das dicke Geld kassiert und sein Kollege im Problemkiez kaum über die Runden kommt? Noch schlimmer: Warum wird ein Doktor, der sich Zeit für seine Patienten nimmt, zuhört und erklärt, finanziell dafür bestraft, der Gerätemediziner jedoch für jeden Knopfdruck reich belohnt?
Um die Hauptpersonen - nämlich die Patienten - geht es in diesem Verteilungskampf schon lange nicht mehr. Sonst müsste diese Unwucht längst behoben sein. Doch zu einer solchen Reform bringt niemand die Kraft auf. Das ist Ulla Schmidt zu rot-grünen Zeiten nicht gelungen und die FDP - seit vier Jahren für die Gesundheitspolitik zuständig - will es sich mit den Ärzten auch nicht verderben. Die lassen ihre Muskeln spielen und testen erfolgreich aus, wie weit ihre Marktmacht geht. Übertreiben sollten sie es aber nicht. Die jüngsten Diskussionen um den "Verkauf" medizinisch umstrittener Extraleistungen (Igel) an Patienten und Provisionen für Klinikeinweisungen haben ihren guten Ruf bereits angekratzt. Wenn Ärzte sich künftig zwar den dicken Mercedes leisten, das Gefährt aber nicht mehr für Hausbesuche aus der Garage fahren, dann steuern sie das Berufsbild eines Mediziners voll ethisch-moralischer Verantwortung frontal gegen die Wand.

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