Das Interview : "Die Leute sollen Aha-Erlebnisse haben"

Dr. jur. Ralf Höcker. Foto: Bittera
Dr. jur. Ralf Höcker. Foto: Bittera

1400 Besucher lauschten im Theater "Neue Flora" der humorvollen Rechtsberatung des Kölner Anwalts Dr. Ralf Höcker. Vor seinem Auftritt in Hamburg sprach er mit sh:z-Redaktionsmitglied Sonja Kröger.

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07. November 2007, 08:20 Uhr

sh:z: Herr Höcker, Sie haben drei erfolgreiche Bücher geschrieben, waren mit Ihrer "Rechtsirrümer-Show" auf großer Deutschland-Tour und sind gern gesehener Gast in zahlreichen Fernsehsendungen - wie viel Zeit bleibt Ihnen eigentlich noch für Ihre Arbeit als Anwalt?
Dr. Ralf Höcker: Im Moment nicht viel. Es ist wirklich fifty-fifty. Aber ich habe auch heute ein paar Stunden gearbeitet. Ich habe immer mein Laptop und mein Handy dabei und kann auch aus Hotels oder aus dem Auto arbeiten, das geht. Wenn die Tour vorbei ist, werde ich auch wieder mehr Zeit haben und 100 Prozent für die Kanzlei arbeiten.
sh:z: Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, Bücher über Rechtsirrtümer zu schreiben?
Dr. Ralf Höcker: Mich haben diese Rechtsirrtümer selber genervt. Ich bin ja selber Verbraucher und werde deswegen auch ständig mit irgendwelchem Quatsch behelligt, den mir zum Beispiel Verkäufer, Gastronomen oder sonst wer erzählen wollen - nur ich weiß es eben besser und habe mir gedacht: Eigentlich ist es eine Marktlücke und man sollte mal erzählen, wo diese Rechtsirrtümer alle liegen und dass es eine Menge Dinge gibt, an die alle glauben, die aber nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Und das hat dann ja auch funktioniert.
sh:z: Hat sich seit dem Erscheinen der Bücher die Anzahl Ihrer Mandaten erhöht, weil die Menschen Sie kennen und sich gerne von Ihnen vertreten lassen möchten?
Dr. Ralf Höcker: Die Zahl der Anfragen hat sich massiv erhöht. Allerdings sind wir eine spezialisierte Kanzlei, wir machen Marken- und Medienrecht und deswegen können wir 99 Prozent der Anfragen sowieso nicht bearbeiten, weil das andere Rechtsgebiete sind. Insofern ist der Effekt jetzt nicht so wahnsinnig groß - aber man merkt ihn schon.
sh:z: Sie beschreiben in Ihren Büchern zahlreiche Fälle mit eindeutiger Rechtslage, man nehme nur einmal das bekannte Baustellenschild mit der Aufschrift "Eltern haften für ihre Kinder". Warum ist dennoch die Anzahl der Irrtümer in diesem Bereich so groß?
Dr. Ralf Höcker: Es liegt ganz einfach daran, dass es Nutznießer gibt, die etwas davon haben, dass diese Irrtümer in die Welt gesetzt werden und sich fortsetzen. Irgendein Verkäufer hat mal damit angefangen, zu erzählen, dass man angeblich einen Kassenbon braucht, wenn man reklamiert. Vielleicht hat sich auch irgendein Bauherr geärgert, dass spielende Kinder auf seiner Baustelle etwas kaputt gemacht haben und er konnte niemanden haftbar machen, weder die Eltern noch die Kinder. Also hängt er einfach ein Schild auf und behauptet, dass die Eltern für die Kinder haften - auch, wenn es nicht stimmt.
sh:z: Wie sind die Reaktionen der eben erwähnten Nutznießer, wenn Menschen mit Ihrem Buch unter dem Arm ins Geschäft kommen und darauf bestehen, auch ohne Kassenbon reklamieren zu dürfen oder ausgepackte Ware nicht bezahlen zu müssen?
Dr. Ralf Höcker: Nicht gut. Ich bekomme tatsächlich eine Menge böse Briefe, gerade vom Handel, die mir sagen "Was setzen Sie den Leuten mit diesen Büchern für Flöhe ins Ohr?" Aber ich habe die Gesetze nicht gemacht. Ich sage nur, wie die Gesetze sind. Ich kann nichts dafür, dass der Handel den Leuten über Jahrzehnte Unsinn erzählt, der sich dann in den Köpfen festgefressen hat. Jetzt müssen Handel oder Gastronomen eben damit leben, dass die Leute ein bißchen schlauer sind.
sh:z: Sie waren mit Ihrer Live-Show wochenlang in ganz Deutschland unterwegs. Was für Personen haben die Auftritte besucht und wie waren die Rückmeldungen?
Dr. Ralf Höcker: Mir ist aufgefallen, dass ganz unterschiedliche Leute die Show besucht haben, überraschend viele Juristen, das fand ich interessant. Ansonsten wirklich alle Altersgruppen. Es ist sehr schwer, einen typischen Zuschauer festzumachen. Die Reaktionen waren zum allergrößten Teil positiv. Es gab vielleicht ein oder zwei Personen, die an einzelnen Stellen Kritik geäußert haben, aber in der großen Masse waren es positive Reaktionen.
sh:z: Wie lautet ihr persönliches Fazit?
Dr. Ralf Höcker: Spaß hat es mir auf jeden Fall gemacht. Je weiter man fortschreitet, desto sicherer wird man ja auch. Am Anfang war ich vielleicht noch ein bißchen unsicherer. Ich bin es ja auch nicht gewohnt, vor so einem großen Publikum zu stehen. Aber mittlerweile ist das alles ganz locker und macht Spaß und Freude. Ich könnte mir daher sehr gut vorstellen, dass wir das im nächsten Jahr weitermachen.
sh:z: Im Frühjahr erscheint das dritte Lexikon der Rechtsirrtümer. Was erwartet Ihre Leser im neuen Band?
Dr. Ralf Höcker: Das Buch wird vermutlich die letzte Folge der Rechtsirrtümer. Es ist im Prinzip die Fortsetzung des ersten und des zweiten Bandes. Ich werde also noch einmal mit weit verbreiteten Rechtsirrtümern aufräumen, denke allerdings, dass nach dem Buch das Thema durch und erschöpft ist.
sh:z: Das heißt, weiteren Aufklärungsbedarf hat Deutschland in Bezug auf Rechtsirrtümer dann nicht mehr?
Dr. Ralf Höcker: Nicht mehr auf dem Niveau, wie ich es gerne hätte. Ich möchte nicht, dass die Leute irgendwann sagen "Das ist ein kalter Aufguss von den ersten Büchern". Die Rechtsthemen kann man immer und ohne Ende fortschreiben, aber ich möchte wirklich, dass es Knaller-Themen sind, bei denen die Leute ein Aha-Erlebnis haben. Ich denke, das reicht auf jeden Fall noch für einen dritten Band, aber einen vierten werde ich damit wohl nicht mehr füllen können.

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