Nutztierbestände : Die Legende von der Landidylle

Minister Robert Habeck will mit neuen Zahlen zur Entwicklung der Tierhaltung in Schleswig-Holstein eine Diskussionsoffensive starten.

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04. April 2013, 11:50 Uhr

Kiel | Über alle Fragen der Landwirtschaft soll in der Zukunft offen diskutiert werden. Dies kündigte gestern Landwirtschafts- und Verbraucherminister Robert Habeck (Grüne) an. Gleichzeitig legte er eine umfangreiche Aufzählung vor, die die Entwicklung der Tierhaltungszahlen in der Landwirtschaft wiedergibt. Damit soll eine Informations- und Diskussionsoffensive beginnen, in die die Landwirtschaft, der Naturschutz, die Kirche und "Kreise der Verbraucher" eingeladen werden, um zu "kommentieren und zu interpretieren". Die jetzt vorgelegte Sammlung von Zahlen, Daten und Fakten soll dabei den ersten Schritt der Diskussions-Offensive darstellen.

"Wir müssen einen offenen, schonungslosen Blick auf die Landwirtschaft als Grundlage unserer Lebensmittelproduktion wagen", sagt Minister Habeck und meint dabei die "erträumte Hofidylle einerseits" und ein "Zerrbild der tierquälerischen Massentierhaltung andererseits". Gleichzeitig fordert Habeck eine Diskussion "wie unsere Lebensmittel produziert und konsumiert werden". Die folgenden Gespräche sollen die "ökologische und wirtschaftliche Dimension der Landwirtschaft" erfassen, um der, wie Habeck es nennt, Akzeptanzkrise zu begegnen, der die Bauern ausgesetzt seien.

Peter Lüschow, Vizepräsident des Landesbauernverbandes, widerspricht dem Landwirtschaftsminister: "Eine Akzeptanzkrise sehe ich nicht. Bei allen öffentlichen Umfragen steht der Bauer und die heimische Landwirtschaft gut bis sehr gut da." Politik und Landwirtschaft sollten gemeinsam daran arbeiten, dass die heimische Lebensmittelproduktion verstanden, akzeptiert und wo möglich verbessert wird. Vor allem müsse sachlich informiert werden. Die heimische Landwirtschaft sei zu einem offenen Dialog bereit, pflege diesen bereits seit langem. So könnten zum Beispiel außen stehende Beobachter jederzeit über Webcam in den Stall des Bauernpräsidenten Werner Schwarz sehen. Zudem sei Minister Habeck bei der jüngsten Rindermastbereisung von der Art der Tierhaltung begeistert gewesen.

Die jetzt vorgelegte Faktensammlung, die sich vornehmlich auf Daten des Landesamtes für Statistik aufbaut, belegt, dass in den vergangenen 30 Jahren die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und die Tiere zurück gegangen und die Bestände pro Betrieb größer geworden sind. Demnach ist die Zahl der Milchkühe seit 1979 von 511 000 auf 364 000 im Jahr 2010 gesunken. Wurden 1979 noch gut 10 000 Milchkühe in Beständen von über 100 Tieren gehalten, so waren es 2010 über 146 000. Andererseits haben in 90 Prozent der Milchviehbetriebe die Kühe die Möglichkeit zum Weidegang (bundesweit: 45 Prozent).

Minister Habeck sagte, etwas Besseres, als sich ein landwirtschaftliches Grundwissen anzueignen, könne dem Verbraucher nicht passieren. Er fordert eine Sicherstellung durch die Landwirte, dass die Tiere, die immer mehr Leistung erbringen müssten, art- und bedürfnisgerecht leben könnten.

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