Offenbüttel : Die Landebahn im Weizenfeld

Start auf der Graspiste: Sohn Alexander Thode (32) sieht mit Töchterchen Hedi (1) und Enkel Hannes (4) zu. Die Landebahn wird einmal pro Woche mit einem Schlepper gemäht.
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Start auf der Graspiste: Sohn Alexander Thode (32) sieht mit Töchterchen Hedi (1) und Enkel Hannes (4) zu. Die Landebahn wird einmal pro Woche mit einem Schlepper gemäht.

Die Gäste von Bauernhofcafé-Chef Rudolf Thode aus Dithmarschen fliegen nicht nur auf seinen Erdbeerkuchen. Er ist der einzige Bauer mit Privatflugplatz in Deutschland.

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17. Juli 2011, 02:53 Uhr

Offenbüttel | Bauernhofcafés sind in Schleswig-Holstein keine Seltenheit, 102 listet die Landwirtschaftskammer in ihrem Bauernhofcafé-Führer auf. Etliche haben Spielplätze für die Kinder, manche sogar einen Streichelzoo - aber nur eines hat eine eigene Landebahn. Sie gehört Landwirt Rudolf Thode (56) aus Offenbüttel (Kreis Dithmarschen). "Ich bin der einzige Bauer mit Privatflugplatz in Deutschland", sagt er.
Wer ihn besucht, kann sich unter gelben Sonnenschirmen Erdbeerkuchen schmecken lassen. Irgendwann ist dann ein Brummen zu vernehmen. Am Himmel kurvt ein kleines Flugzeug heran, nimmt Kurs auf die Graspiste vor dem Café und setzt dort auf. Steht der Propeller, steigt Bauer Rudolf Thode aus dem Flieger, eine Schirmmütze lässig auf dem Kopf. Er öffnet einer Passagierin die Kabinentür. Thode hat der Urlauberin aus Mecklenburg-Vorpommern einen kleinen Rundflug spendiert. Gabriele Widrat (50) lächelt selig: "Wir waren über den Wolken, das war wundervoll." Dann gibt sie zu: "Das war der erste Flug in meinem Leben überhaupt."
"Da ist mein Acker wirklich besser"
Bauer Thode baut Getreide an, seinen Flugschein machte er erst vor sechs Jahren. "Da hing der Haussegen eine Weile schief", erklärt er. "Meine Familie hatte Angst um mich, aber ich wollte schon immer fliegen." An eine eigene Landebahn hatte Thode zunächst aber gar nicht gedacht. Doch wie jeder Flugschüler steuerte er verschiedene Plätze an. "Bei einem war die Graspiste extrem holprig. Ich sagte zu meinem Fluglehrer: ,Da ist mein Acker wirklich besser. Wir beide haben uns kurz angesehen, damit war die Idee geboren."
Im Kieler Verkehrsministerium hätten die Verantwortlichen die Köpfe geschüttelt. Das werde nichts, habe man ihn wissen lassen. Gemeinde und Naturschutzbehörde müssten gefragt werden, womit die Sache meist schon erledigt sei. Bauer Thode lacht: "Aber die hatten nichts dagegen." Der Bauer mähte das Gras einer Koppel kurz und ließ die Erde mit einer Walze verdichten. "Das Bodengutachten bescheinigt, dass dort jetzt sogar eine Transall landen könnte." Nach einigen Ortsterminen nickte dann die Luftaufsicht die Privat-Landebahn ab.
9000 Euro Kosten
Mit 306 Metern Länge ist sie die kürzeste Piste Schleswig-Holsteins, lang genug für Thodes 100 PS starkes Ultraleichtflugzeug, das in einem kleinen Hangar mit der Aufschrift "Airport Base Thode" geparkt wird. Zur "Flughafenfeuerwehr" ist Sohn Alexander Thode (32) ernannt worden. Er steht, so will es die Vorschrift, bei jedem Start mit Verbandstasche, Feuerlöscher und Handy parat.

Gekostet hat der Spaß 9000 Euro. Für Bodenverdichtung, Gutachten und Genehmigungen. "Das war es wert, es ist Freiheit pur", schwärmt Thode. "Wenn es irgend geht, lasse ich das Auto stehen und fliege. Mal eben rüber nach Föhr oder abends einfach Dithmarschen von oben angucken, das liebe ich." Natürlich seien schon alle aus der Gemeinde bei ihm mitgeflogen und auch neugierige Gäste seines Bauernhofcafés nehme er von Zeit zu Zeit zum Rundflug mit.
"Ist ja mein Heimatflughafen"
Also bitte, einsteigen. Beim Start rast das Flugzeug übers Gras, dann hebt sich die Nase leicht und Sekunden später ist der Nord-Ostsee-Kanal in Sicht. Der Flieger schraubt sich in die Höhe, die Wolken kommen näher. Die Landung später ist ein wenig unheimlich. Aus der Luft sehen 306 Meter verdammt kurz aus. Doch Bauer Thode, der jedes Jahr rund 240 Flugstunden absolviert, setzt sicher auf. "Ist ja mein Heimatflughafen", sagt er.

Unten wartet schon ungeduldig Enkel Hannes (4), der will heute auch noch mal mit. Während Sohn Alexander nach eigenem Bekunden in der Luft "nicht so magenfest" ist, liebt der Enkel es, bei Opa-Copilot zu sein. "In Ditmarschen weht ja gerne mal ein ruppiger Wind", sagt Thode. "Ihm macht das nichts aus." Was vermutlich bedeutet, das die einzige private Landebahn in Bauernhand auch in übernächster Generation in Bauernhand sein wird.
(ge, shz)

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