Weißstorch Hobor : Die längste Reise seines Lebens

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Weißstorch Hobor ist von Dithmarschen bis nach Südafrika geflogen. Insgesamt legte der Vogel 14.000 Kilometer im Zick-Zack-Flug zurück.

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23. Januar 2011, 04:54 Uhr

Linden/Bergenhusen | Hobor bleibt der Star unter den sechs schleswig-holsteinischen Störchen, die mit einem kleinen Satellitensender auf dem Rücken ausgestattet sind. So können Wissenschaftler die Zug-Routen der Rotschnäbler verfolgen. "Hobor hat die Reiselust gepackt", staunt Storchenvater Rolf Zietz (60). Zum ersten Mal ist sein Weißstorch nach Südafrika geflogen.
"Montag überquerte er von Botswana aus die Grenze nach Südafrika und flog dann bis zum Abend an den Rand der Waterberge in der Nähe der Stadt Lephalale. Übernachtet wurde in einer mit Sträuchern und Bäumen bestandenen Savannenlandschaft", schreibt Storchen experte Kai-Michael Thomsen (50) vom Michael-Otto-Institut (Nabu) in Bergenhusen in sein Internet-Tagebuch.
14.000 Kilometer im Zick-Zack-Flug
Nach Südafrika schaffte es Hobor aber erst im zweiten Anflug. Zunächst blieb er in Simbabwe, kurz vor der südafrikanischen Grenze. Dann zog er in westliche Richtung nach Botswana. Dann endlich Südafrika, gestern passierte er Johannesburg. "Wir vermuten, dass er in die warmen Gefilde nahe des indischen Ozeans will", so Thomsen.
Dass Hobor in diesem Winter so weit geflogen ist, war für Thomsen eine Riesen-Überraschung. Denn in den vergangenen Jahren überwinterte der Weißstorch aus Linden (Dithmarschen) stets im Tschad (Zentralafrika). Mit etwa 6000 Kilometern eine viel kürzere Reise als die bis ins südliche Afrika. Storchenvater Rolf Zietz sorgt sich deshalb ein wenig um seinen Schützling. Hobor ist mit seinen 16 Jahren nicht mehr der Jüngste. Außerdem war er im vorigen Sommer gegen einen fahrenden Bus geflogen und hatte sich das linke Bein verletzt. Deshalb musste er auch verspätet gen Süden starten. Warum der Weißstorch diesmal ganz nach Südafrika reiste, kann Thomsen nur vermuten. "Wahrscheinlich schloss er sich einem Trupp Störche an und ließ sich mitziehen." Oder spielen klimatische Verhältnisse eine Rolle? Niemand kann dies beantworten. Auffällig ist nur, dass Hobor viel im Zickzack flog, deshalb 14.000 Kilometer zurücklegte.
"Drücken wir die Daumen, dass er den Zug überlebt. Gefahren lauern überall", meint Zietz, der wie viele auf der Internetseite des Naturschutzbundes (Nabu) die Reise von Hobor und den fünf weiteren schleswig-holsteinischen Senderstörchen verfolgt. "Die Seite wird gut angenommen, täglich haben wir Hunderte, die sie anklicken. Auch im Gästebuch zeigt sich das große Interesse", berichtet Thomsen, der davon ausgeht, dass Hobor in drei Wochen zu seinem Rückflug startet. Vor Mitte April kann er aber nicht zurück sein. Die ersten Störche werden in Schleswig-Holstein übrigens Anfang März erwartet.
(db, shz)

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