Tipps für Eltern : Die Kinder der Generation Smartphone

Frühestens mit zwölf Jahren sind  Kinder reif genug  für ein Smartphone, meint Kristin Langer von der Initiative 'Schau hin!'. Foto: Fotolia
Frühestens mit zwölf Jahren sind Kinder reif genug für ein Smartphone, meint Kristin Langer von der Initiative "Schau hin!". Foto: Fotolia

Die Generation Smartphone wäre am liebsten nonstop im Netz. Viele Eltern fragen sich, was ihre Kinder da eigentlich den ganzen Tag chatten, suchen und shoppen.

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18. Juni 2013, 10:14 Uhr

Kiel | Buntstifte, Fleißbildchen und Poesiealben sind "out": Schon die Kleinsten spielen, malen und lernen inzwischen auf Mamas Smartphone und nicht wenige Grundschüler halten bereits vor der vierten Klasse ihr eigenes Gerät in Händen. Jeder zweite Teenager in Deutschland besitzt ein Smartphone, 40 Prozent sind mit den mobilen Multifunktionswundern nonstop im Internet. Für 66 Prozent der Teenager ist die Vorstellung, sie könnten mal kein Handy bei sich haben, ein Graus. Die Psychologen sprechen von Nomophobia (No-Mobile-Phone-Phobia). Das Smartphone wird zunehmend zum Socialphone, mit dem man Inhalte mit möglichst vielen teilt.
Doch viele Eltern sind beunruhigt, ihre Kids gehen mit gesenktem Blick durch die Welt. Die Augen ruhen auf dem Handy, der Daumen wischt über das Glas. Sie chatten, flirten, simsen, suchen und shoppen. "Das Gerät klebt in ihrer Hand, Smartphones machen die Kinder verrückt", beklagte kürzlich der Berliner Journalist Gunnar Schupelius und trat damit eine lebhafte Diskussion los.

Beim Essen und bei den Hausaufgaben Sendepause

Zwar sollen Kinder den selbstverständlichen Umgang mit den Techniken des digitalen Zeitalters erlernen - doch mit Regeln und Grenzen. Die Initiative "Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht" gibt dazu einige Tipps.
"Frühestens mit zwölf Jahren kann man davon sprechen, dass Kinder alt genug für ein eigenes Smartphone sind", empfiehlt Kristin Langer, Mediencoach bei "Schau hin!".
Rund eine Stunde effektive Handynutzung sieht die Expertin als völlig ausreichend an. "Damit das Smartphone aus der Hand gelegt wird, ist es hilfreich, dass Eltern mit ihren Kindern zeitliche Absprachen vereinbaren. Während des gemeinsamen Essens und den Hausaufgaben hat das Handy Sendepause."Reine Verbote aber helfen wenig, wichtiger sei , dass sich Eltern dafür interessieren, womit sich ihr Kind gerade beschäftigt und mit wem es in Kontakt ist.

Jugendschutz-App installieren

Von großer Bedeutung ist es zudem, dass auch andere Aktivitäten ihren festen Platz im Familienalltag finden. Die mobile Kommunikation kann gemeinsame Familienaktivitäten und Treffen mit Freunden nicht ersetzen.
Zudem ist es unbedingt empfehlenswert, die Sicherheitseinstellungen am Gerät zu aktivieren und eine Jugendschutz-App zu installieren. So bietet die App "Meine Startseite" einen geschützten Surfraum, der auf dem Kinderserver aufbaut und die Whitelist der Kindersuchmaschine "fragFINN", die geprüften Links der Kindersuchmaschine "Blinde Kuh" sowie alle Webseiten mit einer Anbieterkennzeichnung bis 12 Jahren beinhaltet. Auch die "Vodafone Child Protect App" bietet über ein integriertes Jugendschutzprogramm Kindern und Jugendlichen Schutz vor unerwünschten Anrufen, Nachrichten und Webinhalten. Je nach voreingestelltem Alter werden damit nur Internetseiten angezeigt, die für das Kind unbedenklich sind. Darüber hinaus können je nach Alter auch weitere Funktionen wie Kamera, Bluetooth oder einzelne Apps separat ausgeschaltet werden. Es gibt zudem die Möglichkeit, Zeitkorridore für die Nutzung bestimmter Anwendungen festzulegen.

Drittanbietersperre und Guthabenabfrage

Smartphones sind nicht nur in der Anschaffung teuer. Sie können auch erhebliche weitere Kosten etwa beim Herunterladen von Apps verursachen. Die beste Möglichkeit, dieses Risiko zu verringern, ist eine Drittanbietersperre. Das geht mit einer Nachricht per Mail oder Telefon an den Mobilfunkanbieter. Sicherheitshalber sollten Eltern auf eine Auftragsbestätigung achten. Drittanbieter sind immer wieder für Abzocke in der Kritik - etwa durch überhöhte Kosten für Musik- oder Videoabos. Wichtig sei außerdem, zu checken, ob es sich bei Prepaidkarten tatsächlich um solche handelt: "Es gibt Anbieter, bei denen Prepaid draufsteht, aber nicht drin ist", warnen Verbraucherschützer. Überprüfen lasse sich das über die Guthabenabfrage per Shortcode - also die Tastenfolge *100#. Diese Funktion lässt sich nur bei "echten" Prepaidkarten nutzen. Aber: Die Internetnutzung ist damit teurer als bei Verträgen.
Heinz Thiery von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) empfiehlt ohnehin, sich zunächst Gedanken um den Tarif zu machen und danach zu gucken, welches Smartphone es sein soll. "Jugendliche machen es meistens andersherum." Und der Handel weiß das auch: "Die Must-have-Geräte sind meist an die teuren Tarife gebunden", warnt Thiery.
Wichtig ist aber: Alle technischen Hilfsmittel und Einstellungen ersetzen nicht die aufmerksame Medienerziehung durch die Eltern.

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