Kriminalstatistik Schleswig-Holstein : Die großen Städte bleiben heißes Pflaster

Wo wurden 2012 die meisten Straftaten in Schleswig-Holstein begangen? Wo nimmt die Kriminalität ab? shz.de beantwortet die Fragen zur polizeilichen Kriminalstatistik 2012.

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08. März 2013, 10:46 Uhr

Was wird in der Kriminalstatistik überhaupt erhoben?
Eine Kriminalitätsstatistik erfasst die Anzahl von Straftaten für eine bestimmte Region. Dafür übermitteln die verschiedenen Polizeistationen die Daten eines Jahres an das jeweilige Landeskriminalamt. Dabei wird jedoch nur die polizeilich registrierte Kriminalität erfasst - die Dunkelziffer bleibt unbeachtet. Die Statistik erfasst Fälle, Tatverdächtige und Opfer. Bei Tatverdächtigen geht die Polizei aufgrund bestimmter Anhaltspunkte davon aus, dass eine Person eine bestimmte Tat begangen hat. Damit wird sie noch nicht gleich zum Beschuldigten. Denn: Ob die Straftaten letztendlich ausgeführt wurden, darüber sagt die Statistik nichts aus. Außerdem wird ein Tatverdächtiger, wenn er innerhalb des Erhebungsjahres mehrmals in der selben Deliktkategorie auffällig wird, nur einmal gezählt. Hierdurch und durch die Nichtbeachtung der Dunkelziffer entsteht eine gewisse statistische Unschärfe.

Wo ist Schleswig-Holstein am kriminellsten?
Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten war in Neumünster am höchsten. 14.619 Delikte wurden in der viertgrößten Stadt des Landes gemeldet, 621 mehr als im Vorjahr. Auf den weiteren Plätzen folgen mit Lübeck, Kiel und Flensburg die weiteren Großstädte des Landes. Am wenigsten kriminell ging es im Kreis Plön zu. Dort wurden 5248 Delikte gemeldet. Dies sind allerdings absolute Zahlen, die sich nicht am Verhältnis zur Einwohnerzahl orientieren. Da urbane Ballungsräume eine Sogwirkung auf Pendler und Besucher ausüben, müssen sich die Zentren laut Statistik vermutlich auch einige Delikte zurechnen lassen, die von Bewohnern der benachbarter Kreise verübt wurden.

In welchen Bereichen hat die Kriminalität besonders stark zugenommen?
Den größten Zuwachs gab es mit einem Zuwachs von 37,8 Prozent bei den Verstößen gegen das Ausländergesetz, das die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern in der Bundesrepublik regelt. Auf Rang zwei dieser Liste folgt der sogenannte Leistungskreditbetrug, bei dem Täter eine Leistung in Anspruch nehmen, die sie bereits im Vorfeld nicht bezahlen können wollen. In diesem Bereich stieg die Zahl um 23,5 Prozent. Signifikant zugenommen haben auch Diebstähle aus Boden- oder Kelleräumen (plus 11,4 Prozent) und der Diebstahl von unbaren Zahlungsmitteln (plus 12 Prozent), zum Beispiel Kredit- oder EC-Karten.

Wo hat die Kriminalität abgenommen?
Zurückgegangen sind vor allem Veruntreuungen. Die Zahl ist bei diesen Vergehen um 42,3 Prozent gesunken. Darüber hinaus ist die Wirtschaftskriminalität laut Statistik um 23,9 Prozent zurückgegangen. Auch die Zahl der Autodiebstähle ist rückläufig, in diesem Bereich wurden 21,5 Prozent weniger Fälle gemeldet als 2011.

Wer ist häufiger kriminell - Jugendliche oder Erwachsene?
Mit 29,6 Prozent wurde etwas mehr als ein Viertel der gemeldeten Delikte Verdächtigen zugerechnet, die zum Tatzeitpunkt jünger als 21 Jahre waren. Kinder, Jugendliche und Heranwachsende nehmen zusammen mit 20,3 Prozent etwa ein Fünftel der Landesbevölkerung ein. In 70,4 Prozent der angezeigten Fälle waren indes Erwachsene tatverdächtig.

Wie gewalttätig ist Schleswig-Holstein?
Die Gewaltdelikte sind 2012 im nördlichsten Bundesland um 7,6 Prozent zurückgegangen auf 6872 gemeldete Straftaten. Im Bereich Gewaltkriminaliät gab es einige signifikante Rückgänge: Bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung wurden mit insgesamt 4770 Straftaten um 6,5 Prozent weniger Fälle als im Vorjahr gemeldet. Raubdelikte sind um 12,5 Prozent und Sexualdelikte sind um 13,6 Prozent zurückgegangen.

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