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ADAC : Die gefallenen Engel

vom

Der Regionalclub in Schleswig-Holstein bekommt die Auswirkungen des Skandals um den ADAC zu spüren. Zu Unrecht, sagt Sprecher Ulf Evert. Präsidiumsmitglied Ulrich Klaus Becker will über Aufklärung Vertrauen zurückgewinnen.

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2014 | 09:15 Uhr

Kiel | Es sind trübe Zeiten für den ADAC – über Jahre dreist gefälschte Zahlen beim Autopreis „Gelber Engel“, drohender Verlust des Vereinsstatus’ im Rahmen der laufenden Ermittlungen. Nun kommen Dienstflüge des Präsidiums mit Rettungshubschraubern hinzu. Harsche Kritik und Spott hagelt es von Seiten der Politik und der Medien, ein Shitstorm wütet in den sozialen Netzwerken.

Doch Pressesprecher Ulf Evert vom ADAC-Regionalclub Schleswig-Holstein gibt sich gefasst. Die rund 80 Mitarbeiter arbeiteten ganz normal weiter. „Der eine oder andere wird zwar mit Fragen zu dem Skandal konfrontiert, es gibt aber keine große Empörung“. Allein die Reaktionen auf Facebook seien „sicherlich böse“, so Evert. Die Kollegen auf der Straße hörten dennoch weiterhin oft ein „Danke“. „Zum Beispiel, wenn sie morgens um halb sechs Uhr ein Auto aus dem Graben gezogen haben.“ Kein Mitarbeiter sei glücklich über die Entwicklungen auf Bundesebene, man müsse allerdings differenzieren. „Es kann nicht sein, dass der ganze ADAC auf diesen Skandal reduziert wird, das ist nicht fair.“ Es seien schließlich die Gelben Engel im Verkehr, die den ADAC ausmachten. Von Clubaustritten als Reaktion sei ihm nichts bekannt. „Die Mitgliederzahlen werden monatlich erfasst, im Zeitraum von einer Woche lässt sich nichts dazu sagen, aber der Briefkasten quillt nicht gerade über vor Kündigungen“.

Es gebe seit Tagen viele Anfragen von Medien, die wissen wollen, was der Skandal für den Regionalclub Schleswig-Holstein heißt. „Ich sage ihnen, dass es nichts heißt. Wir haben uns im Norden nichts zu Schulden kommen lassen. Aber die Entwicklungen in München sind für das Image natürlich kreuzunglücklich.“

Der Schleswiger Rechtsanwalt und Notar Ulrich Klaus Becker ist ADAC-Vizepräsident für Verkehr. Den Vorwurf der Nutzung von Rettungshubschraubern durch Mitglieder des Präsidiums für dienstliche Flüge will er nicht kommentieren. „Ich selbst kann aber von mir sagen, dass ich keine Flüge mit unseren Hubschraubern gemacht habe.“ Bei der Aufklärung des ADAC-Skandals kommt Becker derzeit eine Schlüsselposition zu: „Als Präsidiumsmitglied habe ich mit zu untersuchen, wie weit die Manipulationen gehen“, sagt er. Es werde eine Schwachstellenanalyse geben. „Die Frage ist doch, wie diese Dinge passieren konnten und wie man das in Zukunft verhindern kann.“ Man habe dem geschassten Kommunikationschef Michael Ramstetter wohl zu sehr vertraut, so Becker in Bezug auf die gefälschten Zahlen der „Gelber Engel“-Abstimmung. Man müsse Kontrollmechanismen einbauen, damit kein Einzelner solche Zahlen festlegen könne.

Der Verkehrsclub mit seinen bundesweit rund 8700 Mitarbeitern in der Münchner Zentrale und den 18 Regionalbüros leiste wichtige Arbeit in Bereichen wie etwa Verkehrsrecht, Reise oder medizinischer Betreuung. All dies werde nun kritisch betrachtet, was ebenso verständlich wie bedauerlich sei. „Es gilt, den von den Kunden erhaltenen Vertrauensvorschuss wieder in Vertrauen umzuwandeln.“

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