Marinestützpunkt Eckernförde : Die erste Frau auf einer U-Boot-Brücke

Das Sehrohr als Arbeitsplatz – Oberleutnant zur See Janine Asseln auf der Brücke von U31.
Das Sehrohr als Arbeitsplatz – Oberleutnant zur See Janine Asseln auf der Brücke von U31.

Für Janine Asseln hat sich ein Traum erfüllt: Sie ist Wachoffizierin auf U31. „Man gewöhnt sich schnell daran, einzige Frau unter Männern zu sein“, sagt die 27-Jährige.

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07. März 2014, 19:37 Uhr

Ungewohnt klangen die Kommandos auf U31 nach der Rückkehr vom Einsatz beim Anlegen im Kranzfelder Hafen in Eckernförde, der Grund: Die Ansagen kamen aus dem Mund von Oberleutnant zur See Janine Asseln. Die gebürtige Eckernförderin ist der erste weibliche Wachoffizier auf U-Booten bei der deutschen Marine.

Seit Januar dieses Jahres gehört sie als 4. Wachoffizier zur Steuerbordwache der Besatzung „Delta“ und hat sich damit einen außergewöhnlichen Berufswunsch erfüllt. Schon zu Schulzeiten sah sie U-Boote aus dem Marinestützpunkt ein- und auslaufen, war davon fasziniert und wollte auf jeden Fall bei der Marine zur See fahren. „Gern wäre ich auf der Gorch Fock geblieben, die Kletterei in der Takelage hat viel Spaß gemacht“, erinnert sich die 27 Jährige, die im Juli 2006 bei der Marine einstieg.

Es war dann ein Vortrag über die U-Boote während des Studiums, der für ihren Entschluss, anstelle auf einem Minensucher, U-Boot zu fahren, sorgte. Bereitete die obligatorische U-Boot-Rettungsausbildung im Tauchtopf oder Wellenbecken mit schaukelnder Rettungsinsel der abenteuerlustigen jungen Frau die wenigsten Probleme, war das Pflichtpensum im Ausbildungszentrum U-Boote (AZU) schon anspruchsvoller: Funktionsweise von Torpedorohr- oder Ruderanlagen, Druckluft- oder Hydraulikkomponenten und nicht zuletzt der Brennstoffzellenantrieb forderten die studierte Betriebswirtin heraus. Unzählige Stunden im Gefechts- oder Tiefensteuersimulator standen dagegen, um aus komplexen Bildschirmanzeigen die richtigen Informationen zu gewinnen, gleichzeitig mit den Besonderheiten der Tauchfahrt vertraut zu werden und dabei den restlichen Seeverkehr zu berücksichtigen.

Umfangreiche technische Dokumentation galt es zu verstehen und Gelerntes während einer mehrwöchigen Schülerfahrt unter Einsatzbedingungen umzusetzen. Schlafmangel brachte sie dabei durchaus gewollt an ihre Grenzen, wenn sie während der Freiwache Prüfungen erfüllen musste. Nicht alles ist im Simulator darstellbar, das Boot bei Überwasserfahrt richtig einzuschätzen geht nur im echten Seebetrieb. „Es ist eine Menge an Verantwortung auf der Brücke, wenn man das alleinige Sagen hat, auf das alle anderen an Bord vertrauen“, weiß die junge Frau, die erst vor Kurzem beim mehrtägigen Transit durch den englischen Kanal ihre Feuertaufe erhielt.

Der Blick durch das Sehrohr, die Einschätzung des Seeverkehrs um das Boot und sich daraus ableitende Entscheidungen für Kurs und Geschwindigkeit waren zu Beginn nicht einfach. Zu komplex ist das System U-Boot, als dass man alles im AZU lernen könnte „Wenn ich etwas nicht weiß, frage ich einfach“, gibt sie zu, sie weiß, dass Wissensmangel in der engen Gemeinschaft sowieso irgendwann herauskäme. Als Frau hat sie an Bord keinen Sonderstatus, so gibt es für sie keinen extra Waschraum, auch teilt sie sich wie alle anderen die Koje mit einem Kameraden aus der anderen Wache. „Man gewöhnt sich schnell daran, einzige Frau unter Männern zu sein“, berichtet Asseln, deren Lebenspartner mit der Situation keine Probleme hat und sogar etwas stolz auf sie ist.

Ob sie es je zum Kommandanten schaffen wird, weiß sie heute noch nicht: „Meine Familienplanung muss dazu passen!“


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