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Gefahr in Diskotheken : Die Angst vor K.o.-Tropfen

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Viele Fälle sind der Polizei nicht bekannt, allerdings geht sie von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Substanzen sind nur kurz im Blut nachweisbar. Vor allem in Großraumdiscos ist die Gefahr groß.

Flensburg | Dass die Geschichte nicht noch ein schlimmeres Ende nahm, war den wachen Augen des Mitarbeiters eines Sicherheitsdienstes zu verdanken. Es war nachts um halb drei, als er beobachtete, wie vier Männer eine nur noch leicht bekleidete Frau aus dem Auto zerrten und in ein Hotel in Handewitt (Kreis Schleswig-Flensburg) trugen. Die damals 17-Jährige war in einer Diskothek auf die Männer getroffen. Hatte getanzt und getrunken. Auf dem Weg zum Hotel war sie schon weggetreten. Als die Polizei wenig später eintraf, erwischte sie insgesamt vier Männer, die sich gemeinschaftlich an dem Mädchen vergingen.  

Zunächst sprach viel dafür, dass das Mädchen mit K.o.-Tropfen gefügig gemacht wurde. Im späteren Gerichtsverfahren stellte sich heraus, dass eine solche Substanz keine Rolle spielte. Allerdings zu viel Alkohol.

Der Fall zeigt eine doppelte Problematik auf. Die Gefahr zum Opfer zu werden, wenn man nicht mehr Herr seiner Sinne ist, ist real. Zum anderen ist es für die Polizei und auch für die Opfer sehr schwierig nachzuweisen, ob wirklich K.o.-Tropfen für den Knock-out verantwortlich waren. „Da müssen wir unheimlich aufpassen und den kompletten Sachverhalt bewerten“, sagt Ulrik Damitz, Kriminalhauptkommissar und Leiter der Präventionsstelle der Direktion Flensburg.

Alles, was in der Medizin zur Beruhigung oder zur Bekämpfung von Schlaflosigkeit eingesetzt wird, lässt sich einzeln oder in Kombination als K.o.-Tropfen missbrauchen. Am bekanntesten ist das sogenannte Liquid Ecstasy, in Fachkreisen auch Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) genannt. Allerdings ist die Substanz nur kurz im Blut nachweisbar. Auf die Dauer will sich Damitz nicht im Detail festlegen. Zu unterschiedlich seien die Fälle. Allerdings ist in Fachforen der Hinweis nachzulesen, dass K.o.-Tropfen maximal zwölf Stunden nachweisbar seien. Viele der Opfer melden sich erst spät nach einem vermeintlichen Vorfall. Oftmals zu spät, um den Einsatz der Substanz zu beweisen. Oder eben den Verdacht klar zu widerlegen.

Der Vorfall mit dem 17-jährigen Mädchen ist etwa zwei Jahre her, doch hat er auch bei der Polizei im Lande etwas verändert. „Es war ein Fall, der uns wachgerüttelt hat“, sagt Damitz. Generell bestehe – insbesondere bei Frauen – große Angst vor K.o.-Tropfen. Dabei sind der Polizei gar nicht so viele Fälle bekannt. Im Verhältnis sind es wenige Taten. In der Polizeidirektion Flensburg beispielsweise im Jahr etwa eine handvoll.  Aber Damitz stellt klar: „Wir glauben, dass das Dunkelfeld eine starke Rolle spielt.“ Auch Günter Santjer, Sprecher des Weißen Rings in Schleswig-Holstein, berichtet, dass K.o.-Tropfen nicht auf der Tagesordnung stünden, „aber dass die überhaupt ein Thema geworden sind, ist traurig genug“.

Direkt nach der Einnahme wird den Betroffenen meistens übel oder schwindelig – so, als hätte man etwas zu viel getrunken. Die Bewusstlosigkeit setzt später ein. Bis dahin kann das Opfer sich zwar noch normal unterhalten und bewegen, die betroffene Person ist jedoch schon leicht zu manipulieren und relativ willenlos. Nach dem Aufwachen kann sich das Opfer an das, was während der Bewusstlosigkeit und direkt davor passiert ist, nur noch bruchstückhaft oder gar nicht mehr erinnern. In Verbindung mit Alkohol und/oder anderen Drogen können K.O.-Tropfen sogar lebensgefährlich werden.

Das A und O, da sind sich die Experten von Polizei und Weißer Ring einig, ist der Selbstschutz. „Sorgen Sie dafür, dass Sie ihre Getränke nicht unbeobachtet stehen lassen“, sagt Santjer. Vor allem in Großraumdiscos sieht Kriminalhauptkommissar Damitz die größte Gefahr. „Dort ist die Situation unübersichtlich, es gibt eine entsprechende Beleuchtung, so dass  es vielleicht gar nicht bemerkt wird, wenn etwas eingefüllt wird.  Das ist sehr unauffällig zu handhaben, weil die Substanz  von der Menge  sehr wenig ist.“ Vorsicht ist also geboten. Damit zum Schluss des Abends nicht ein schlimmes Ende steht.

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erstellt am 18.Feb.2014 | 06:26 Uhr

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