zur Navigation springen

Gewalt und Randale : Die andere Seite von Halloween

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Randale und körperliche Gewalt von übermütigen Jugendlichen sorgen an Halloween immer wieder für Ärger in SH. Die Polizei verstärkt ihre Streifen.

Kiel | Achtung, Halloween! Morgen werden wieder zahlreiche Kinder und Jugendliche in gruseligen Verkleidungen durch die Straßen ziehen, sie werden an den Haustüren klingeln und mit der in der Regel gut gemeinten Drohung „Süßes oder Saures“ Bonbons und Schokolade einfordern. Allerdings überschreiten einige Geister, Hexen, Teufel und Vampire dabei die Grenze vom Scherz zur Straftat. „Noch handelt es sich um lokale Probleme in einigen wenigen Orten in Schleswig-Holstein“, erklärt der Sprecher des Landespolizeiamts Lothar Gahrmann. Doch für die betroffenen Bürger ist das kaum ein Trost. So trug ein 69-Jähriger im vergangenen Jahr Prellungen und Hämatome im Gesicht davon, weil  Jugendliche mit seiner Süßigkeitengabe nicht zufrieden waren und den Protest gegen das spätabendliche Klingeln (21.30 Uhr) unangebracht fanden. In Westerrönfeld im Kreis Rendsburg-Eckernförde wurden Scheiben eingeschlagen und im Kreis Plön bewarfen übermütige Geister sogar Autos mit Äpfeln. In Lübeck ließ Halloween Kinde zu wahren Monstern werden: Sie bewarfen einen Busfahrer mit Eiern.

„Wir werden zwar keine Halloween-Streifen einsetzen, müssen allerdings feststellen, das Kinder und Jugendliche immer mal wieder  glauben, über die Stränge schlagen zu müssen“, erklärte Neumünsters Polizeisprecher Sönke Hinrichs. Wenn die Nettigkeiten, die die Geister an der Haustür bekommen, in Menge und Art nicht dem entsprechen, was erwartet  wurde, dann würden gezielt Haustüren Fenster und Gebäudefassaden beschmutzt und Autos beschädigt. „Die  Reaktionen sind  längst nicht mehr sozial adäquat“, so Hinrichs. Kinder dürfen nicht so weit gehen, dass sie sich mit Gewalt Süßes erkämpfen. „Wer Türschlösser mit Sekundenkleber zuklebt, begeht eine  Sachbeschädigung“, warnt Hinrichs.

Das Problem sei auf dem Lande nicht so verbreitet wie in der Stadt, so seine Erfahrung. „Im Dorf weiß jeder, das war der Filius von der Familie XY. Da funktioniert die soziale Kontrolle noch“, erklärt der Neumünsteraner Polizeisprecher. „In der Stadt läuft alles viel anonymer ab.“ Dort meinen Jugendliche, als verkleidete Geister könnten sie unerkannt ihr Unwesen treiben. Wohl auch deshalb haben Bürger im Lübecker Neubaugebiet Aueblick Polizeischutz an Halloween erbeten. 2012 war eine Horde marodierender Gespenster durch ihre Straße gezogen, hatte Eier gegen die Häuser geworfen und die Bewohner lautstark beschimpft. „Kein spezielles Problem  im Augenblick“, meint die Polizei. „An Halloween werden wir vermehrt Streife gehen.“

Zwölf Geister-Einsätze habe man im vergangenen Jahr gezählt. „Das ist nicht dramatisch, aber lästig, weil es nicht not tut, dass man so über die Stränge schlägt“, meint Polizeisprecher Stefan Muhtz. Schade sei es vor allem, dass die Halbwüchsigen den jüngeren Kindern, die gerne mal im Dunkeln durch die Straße streifen, den Tag damit kaputt machten. „Wenn wir schon ein amerikanisches Ritual in Deutschland einführen und uns den Reformationstag damit kaputt machen, sollten wir Halloween zumindest richtig feiern“, sagt Muhtz.

zur Startseite

von
erstellt am 30.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen