Gorch-Fock-Ankunft : Dichtes Gedränge am Hindenburgufer - nur der Wind fehlte

Tausende hießen das Segelschulschiff am Ufer willkommen. Foto: dpa
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Tausende hießen das Segelschulschiff am Ufer willkommen. Foto: dpa

Die "Gorch Fock" ist wieder in Kiel. Das Spektakel lockte nicht nur Angehörige und Freunde der Besatzung in die Landeshauptstadt.

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07. Mai 2011, 09:45 Uhr

Kiel | Schon eine gute Stunde vor ihrer Ankunft begannen die ersten Schaulustigen und Interessierten das Kieler Hindenburgufer Stück für Stück zu bevölkern, um die "Gorch Fock" einlaufen zu sehen. Die wenigen Bänke waren schnell besetzt, Kameras in freudiger Erwartung allenthalben gezückt. Nur ein bisschen mehr Wind hätte die Szenerie noch perfekter werden lassen, denn noch schöner wäre das Bild wohl nur mit geblähten Segeln gewesen. Das aber ließ die Flaute nicht zu.

Das Spektakel lockte trotzdem nicht nur Angehörige und Freunde der Besatzung in die Landeshauptstadt. "Das wird ein toller Anblick", frohlockten die Passanten. Nur die Absperrung der Tirpitzmole sorgte für ein wenig Enttäuschung. "Da kommen wir leider nicht rauf", sagten Elisabeth und Hans Fritsch, ließen sich die Laune aber nicht verderben. Die Urlauber aus Bayern waren früh morgens extra aus Niebüll losgefahren, um die Dreimastbark zu sehen. "Wann bekommt man so etwas als Bayer denn schon mal zu Gesicht. Wir haben ja nur die Berge", sagte Hans Fritsch. "Und einen See, aber da fährt nur ein kleines Dampfschiff", fügte seine Frau hinzu. Enttäuscht wurden die beiden Nordsee-Fans nicht.
"Die Gorch Fock gehört zu Kiel wie das alte Rathaus"
Die Ankunft verfolgte auch Ralph Uhlig. Der Kieler fuhr 1967 selbst auf der "Gorch Fock", verließ aber ein paar Jahre darauf die Marine. "Ich freue mich, dieses tolle Schiff wiederzusehen", sagte er, auch wenn sein Blick darauf "distanziert" sei. Die Diskussionen rund um die Vorfälle auf dem Segelschulschiff verfolge er aufmerksam. "Ich kann eigentlich nicht nachvollziehen, dass dieses Thema derart hohe Wellen geschlagen hat, obwohl einige Missstände sicherlich aufgearbeitet werden müssen", sagt Uhlig. Seiner Meinung nach müsse die Ausbildung auf der "Gorch Fock" weitergehen. "Nur dort kann man die Elemente kennen lernen, Wasser, Wind und Sturm spüren", sagte Uhlig, dessen Vater schon auf dem Vorgänger "Gorch Fock I" segelte.

Ein bisschen zu spät kamen Renate und Darko Turic, verpassten den Moment, als die "Gorch Fock" mit Wasserfontänen, Blasmusik und dem Klang zahlreicher Schiffshörner begrüßt wurde. Als das Ehepaar aus Monheim am Rhein bei Düsseldorf, das gerade in Plön im Camping-Urlaub ist, mit dem Motorroller das Hindenburgufer erreichte, lag die "Gorch Fock" schon beinahe verlassen an der Tirpitzmole. "Imponierend", lautete dennoch das Fazit von Renate Turic.

Trotz der viel diskutierten Skandale auf dem achtmonatigen Südamerika-Törn: Wirklich kritische Stimmen waren am Hindenburgufer gestern nicht zu hören. Für fast alle, die die Rückkehr der "Gorch Fock" verfolgt hatten, hatte sich der kleine Ausflug ans Wasser gelohnt. Und wie es ein Kieler Zuschauer betonte: "Die Gorch Fock gehört zu Kiel wie das alte Rathaus. Endlich ist sie wieder zu Hause."
(os, shz)

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