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Wetterstatistik der vergangenen zehn Jahre : Dezember 2015: Heiße Weihnacht dank Klimawandel?

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Die Chancen auf weiße Weihnacht gehen in diesem Jahr gegen Null. Welche Rolle spielen der Klimawandel und „El Niño“? Experten geben Antworten.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 22:02 Uhr

Kiel | Die Weihnachtsmarkthändler bleiben auf dem Glühwein sitzen, und auch warme Winterstiefel mag niemand kaufen: Der milde Dezember - der wärmste seit Wetteraufzeichnungen - wirkt sich an verschiedenen Stellen im Land aus. Doch nicht nur das - mittlerweile ist wohl klar, dass sich zumindest in Deutschland kaum jemand auf weiße Weihnachten freuen kann: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht von Temperaturen zwischen fünf und elf Grad, Regen und ein bis zwei Stunden Sonne an Heiligabend aus. Aber damit sind die Schleswig-Holsteiner nicht alleine: Selbst in den großen Skigebieten der Alpen fehlt der Schnee.

Extremes Wetter befeuert die Diskussion über den Klimawandel. In diesem Monat fand der Klimagipfel in Paris statt - mit dem Ziel, die Klimaerwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. 

Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben: Klirrend kalte Winter sind hier bei uns im Norden natürlich sowieso eher die Ausnahme. Das beweist auch ein Blick in die Temperaturstatistik der vergangenen zehn Jahre für Heiligabend in Schleswig-Holstein: So richtig kalt war es nur in einem Jahr: 2010.

Aber früher gab es doch häufiger Schnee...? Wer es immer noch nicht glauben mag: Die Jahre weißer Weihnacht in Schleswig-Holstein in den vergangenen zehn Jahren sind tatsächlich ebenfalls schnell gezählt.

Statt weißen Flocken aus dem norddeutschen Himmel muss man sich also an Heiligabend mit dem ungeliebteren Niederschlag zufriedengeben. Und die Sonnenstunden? Auch auf die war in den vergangenen Jahren nicht immer Verlass.

Doch dieses Jahr sticht mit einem milden Herbst und Winter und einem teils extrem heißen Sommer heraus. Gefühlt nehmen die Wetterkapriolen zu - die Frage, ob das auf den Klimawandel zurückzuführen ist, liegt da nahe. Und tatsächlich, ganz abwegig ist der Gedanke nicht, bestätigt Prof. Mojib Latif vom Institut für Ozeanzirkulation und Klimadynamik am Geomar der Uni Kiel. „Im Prinzip ist der milde Winter auf den Klimawandel zurückzuführen“, sagt er. Er erhöhe zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass es hierzulande milde Winter gibt.

In diesem Jahr kommt noch eine weitere Besonderheit dazu: das Wetterphänomen „El Niño“ - eine außergewöhnliche Erwärmung des tropischen Ost- und Zentralpazifiks, die im Mittel alle vier Jahre auftritt. Mojib Latif erforscht das Phänomen seit Langem. Durch die Erwärmung verdunstet das Wasser - was wiederum zu heftigen Niederschlägen und Tropenstürmen vor der Küste Südamerikas führt. Auf der anderen Seite des Pazifiks wiederum - also bei Australien und Indonesien - wird das Wasser kälter und kann dort im Umkehrschluss Dürreperioden auslösen.

In diesem Jahr wütet „El Niño“ besonders heftig - ist er am Ende schuld daran, dass es hier so warm ist? Nein, sagt Mojib Latif: „,El Niño' führt bei uns zu eher zu kälteren Wintern.“ Und auch auf die Frage, ob er durch den Klimawandel verstärkt wird, antwortet der Wissenschaftler vorsichtig: „,El Niño' ist ein natürliches Klimaphänomen", so Latif. „Es könnte aber durch den Klimawandel verstärkt werden.“

Auch Sven Taxwedel von der Wetter-Welt in Kiel sieht den Zusammenhang zwischen unserem milden Wetter und „El Niño“ eher nicht. „Unmittelbar und direkt hat die Wärme nichts mit dem ,El Niño' zu tun“, sagt der Meteorologe. Vielmehr sei es auf einen außerordentlich starken Polarwirbel, den wir zu Beginn dieses Winters über dem Nordpol in der höheren Luftschichten haben, zurückzuführen. Dieser Polarwirbel sorge für „permanente Tiefddrucktätigkeit“ über dem Nordatlantik und bei Island. Und diese Tiefs wiederum schaufeln ganz weit aus dem Südwesten (Azorenraum) schubweise warme Luft nach Mitteleuropa.

In diesem Jahr wird der Weihnachtswunsch nach Schnee oder zumindest Kälte also nicht erfüllt - was bleibt, ist die Hoffnung auf 2016.

Hier noch einmal die Wettervorhersage für die Weihnachtstage in Schleswig-Holstein, die die Wetter-Welt in Kiel herausgegeben hat:

25. Dezember, Erster Weihnachtstag: Wechselnd bewölkt mit sonnigen Abschnitten und die meiste Zeit trocken, nur ganz selten Schauer.

Maximumtemperatur 9 bis 10 Grad
Minimumtemperatur um 6 Grad
Sonnenscheindauer etwa 4 Stunden

 

26. Dezember, Zweiter Weihnachtstag: Dichte Wolken und Regen.

Maximumtemperatur um 10 Grad
Minimumtemperatur um 6 Grad
Sonnenscheindauer 0 Stunden

 

 

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