Standortrückzug : Deutsche Post zahlt Händlern "Schweigegeld"

Standortrückzug: Die Rationalisierungsmaßnahmen der Deutschen Post gehen ungeachtet der zunehmenden Proteste weiter. Foto: Bernd Thissen dpa/lnw
Standortrückzug: Die Rationalisierungsmaßnahmen der Deutschen Post gehen ungeachtet der zunehmenden Proteste weiter. Foto: Bernd Thissen dpa/lnw

Die Deutsche Post setzt die Schließungen von Postagenturen in Einzelhandelsfilialen fort. Damit die Einzelhändler den Mund halten, bietet der Konzern ihnen bis zu 2000 Euro an.

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24. Januar 2009, 10:55 Uhr

Luhnstedt/Gnutz | Die Rationalisierungsmaßnahmen der Deutschen Post gehen ungeachtet der zunehmenden Proteste weiter. Mitte März werden in Groß Vollstedt, Luhnstedt und Gnutz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) sowie in Wyk/Föhr die Postagenturen geschlossen und in sogenannte Verkaufspunkte umgewandelt. Statt Briefe und Päckchen entgegen zu nehmen, werden dann nur noch Briefmarken verkauft.

Um den gelben Rückzug möglichst geräuschlos abzuwickeln, schickt die Post den betroffenen Betreibern schriftliche Vereinbarungen ins Haus. Darin müssen die Vertragspartner sich verpflichten, "Stillschweigen" zu bewahren. Als Belohnung gibt es bis zu 2000 Euro.
Der Standortrückzug stößt in Gemeinden und Politik auf Unverständnis
Während in den betroffenen Gemeinden von "Schweigegeld" die Rede ist, hält die Post die Umwandlung und die Vertragsgestaltung für einen normalen Vorgang. Pressesprecher Jens-Uwe Hogart bestätigte die Vorgänge gestern gegenüber unserer Zeitung: "Wir wandeln unrentable Agenturen in Verkaufspunkte um. Für die verkürzte Kündigungsfrist zahlen wir einen Einmalbetrag in unterschiedlicher Höhe." Von Schweigegeld wollte er nicht sprechen, das sei "Quatsch". Es handle sich um eine Vertragsgestaltung , bei der Vertraulichkeit üblich sei.

Der Standortrückzug stößt in den Gemeinden und den politischen Vertretern auf Unverständnis. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix hält "den Marsch aus der Fläche für grundsätzlich falsch". CDU-Bundestagskandidat Johann Wadephul sagte, er habe sofort mit der Post Kontakt aufgenommen. Es könne nicht angehen, dass die Versorgung in der Fläche eingestellt werde, sagte er.

Kämpferisch geben sich auch die betroffenen Bürgermeister in der Region. Sie kündigten an, alles tun zu wollen, um die Post zum Umdenken zu bewegen. Die Verknappung des Post angebots führe zu einer weiteren deutlichen Schwächung des ländlichen Raumes, sagt Groß Vollstedts Bürgermeister Heinz Volkmann. Sein Gnutzer Amtskollege Markus Mehrens fügt hinzu: "Die Schließung ist nicht gut für unsere Gemeinde. Es scheint, dass die Post den Kontakt zur Basis verloren hat."

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