Angelfischerverband : Deutsche Einheit bei den Anglern

Heringsangeln auf Rügen. Mehr als 800.000 Sportfischer und Angler diskutieren über einen neuen bundesweiten Dachverband.  Foto: dpa
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Heringsangeln auf Rügen. Mehr als 800.000 Sportfischer und Angler diskutieren über einen neuen bundesweiten Dachverband. Foto: dpa

Die FDP-Politikerin Christel Happach-Kasan soll Präsidentin des neuen Angelfischerverbands werden.

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07. März 2013, 11:34 Uhr

Berlin/Kiel | Knapp 23 Jahre nach der Deutschen Wiedervereinigung rücken nun auch die Angler aus Ost und West zusammen. Den im Deutschen Angelfischerverband (DAFV) neu organisierten Anglern wird die 63-jährige Biologin Christel Happach-Kasan aus Bäk am fischreichen Ratzeburger See (Kreis Herzogtum Lauenburg) vorstehen. Die FDP-Bundestagsabgeordnete wurde bereits Mitte Februar in Berlin bei der Jahrestagung des Verbandes Deutscher Sportfischer (VDSF) einstimmig in ihr neues Amt gewählt.

Der Deutsche Anglerverband (DAV, 170.000 Angler) und der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF, 670.000 Angler) nennen ihre bevorstehende Vereinigung "Verschmelzung". Sie wollen sich fortan gemeinsam mit starker Stimme für die Belange der Angler im vereinten Deutschland und darüber hinaus in Europa einsetzen. Im neuen DAFV organisieren sich ab Mitte des Jahres über 800.000 Anglerinnen und Angler - wenn denn alle Landesverbände mitmachen. Der DAV stellt die Verschmelzung am kommenden Sonnabend in Berlin zur Abstimmung.

"Es wird Synergieeffekte geben"

Ins Spiel gebracht wurde die neue Angler-Präsidentin Christel Happach-Kasan vom Landessportfischerverband Schleswig-Holstein, wo sie seit 2007 Ehrenmitglied ist. Die Schleswig-Holsteinerin wird Nachfolgerin von VDSF-Präsident Peter Mohnert und DAV-Präsident Günther Markstein. Bis zur ersten Mitgliederversammlung des vereinten Verbandes im November in Saarbrücken hat die promovierte Biologin noch viel Arbeit. Denn schon der Zeitraum von 23 Jahren zwischen der Wiedervereinigung und der Verschmelzung der ost- und westdeutschen Angler lässt erahnen, dass viele Probleme auf dem Weg zum Ziel zu bewältigen waren. Dabei ging es zuerst um Personen und jetzt kurz vor der Zielgeraden um Finanzen. "Wir wollen einen Haushaltsplan erstellen, der an den gemeinsamen Zielen festgemacht wird", sagte Happach-Kasan.

Kritiker der Vereinigung - allen voran der Landesverband Niedersachsen, der 190.000 Angler vertritt - fürchten eine Insolvenz der verschmolzenen Verbände, die nur mit der Erhöhung der Mitgliedsbeiträge verhindert werden könne. Anderen fehlten dem neuen Verband klare Ziele und Strukturen. VDSF-Präsident Peter Mohnert hingegen sieht beide Verbände zusammen finanziell sogar deutlich besser gestellt: "Es wird Synergieeffekte geben", wies er die Kritik zurück. Er sehe in einem neuen Dachverband eine gute Zukunft für die Angler in Deutschland.

Aufklärung gefordert

Doch wie stark der DAFV unter der Führung von Christel Happach-Kasan wird, steht noch nicht fest. Die meisten westlichen Verbände - darunter auch Schleswig-Holstein mit knapp 40.000 Mitgliedern - haben ihre grundsätzliche Zustimmung zur Vereinigung gegeben. Dennoch sind vorsorgliche Austritte großer Anglerverbände aus Thüringen, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und auch Schleswig-Holstein formuliert worden. "Es bestand die Gefahr, dass die Verschmelzung im Februar zum zweiten Mal scheiterte", begründete Schleswig-Holsteins Anglerpräsident Peter Heldt den Schritt. Ein erster Versuch verfehlte im November 2012 in Berlin um drei Stimmen die Mehrheit. Deshalb wollten die Landesverbände ihre Austritte aus dem VDSF vorsorglich fristgerecht formuliert haben. Die Angler aus Schleswig-Holstein stimmen Ende April über die weitere Zugehörigkeit zu einem Dachverband ab. Tendenz ist eine Mitgliedschaft im DAFV.

Christel Happach-Kasan will in ihre neue Aufgabe ihre Erfahrungen aus der Politik einbringen: " Es ist wichtig, Interessen zu bündeln und das auch nach außen deutlich zu machen." Schließlich spiele die Angelfischerei in Deutschland eine wichtige Rolle. Es müsse den Menschen deutlich gemacht werden, dass nicht nur Störche zögen, sondern auch Lachse, Aale und Störe durch die Flüsse wanderten. Happach-Kasan forderte nach einem Blick ins Internet mehr gegenseitige Toleranz und Respekt. Dort machen Kritiker gegen sie Stimmung, weil Happach-Kasan "Gentechnik als wichtigen Bestandteil unseres Lebens" ansieht. Und das passe nun mal nicht zur naturverbundenen Angelei.

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