Forderung nach politischer Lösung : Deutlich mehr Grippe-Impfstoff in SH – dennoch Engpässe

In einigen Bundesländern wird der Grippe-Impfstoff knapp.
In einigen Bundesländern wird der Grippe-Impfstoff knapp.

Nach Auffassung des Apothekerverbandes ist der Grund das Gesundheitswesen mit vielen selbst entscheidenden Akteuren.

shz.de von
22. November 2018, 18:11 Uhr

Kiel | Trotz einer im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich gestiegenen Menge an Grippe-Impfstoff zeichnen sich in Schleswig-Holstein Engpässe ab. 2017 habe es 364.000 Impfeinheiten gegeben, in diesem Jahr dürften es hochgerechnet etwa 450.000 Einheiten sein, sagte der Geschäftsführer des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, Thomas Friedrich, am Donnerstag am Rande einer Sitzung des Sozialausschusses des Landtags in Kiel.

Das Paul-Ehrlich-Institut gehe bundesweit von 15,7 Millionen Dosen Grippe-Impfstoff in der aktuellen Saison aus – rund eine Million mehr als im Winter 2017/2018. Bemessen nach der Zahl der Menschen würde dies 550.000 Impfdosen für Schleswig-Holstein ergeben. Die Bestellungen machten aber die Akteure im Gesundheitswesen in jedem Bundesland selber, erläuterte Friedrich.

Gründe für die Engpässe seien die ungewöhnlich frühen Grippeimpfungen bereits seit Anfang September und eine deutlich größere Nachfrage als im vergangenen Jahr, sagte Friedrich. Die Anbieter hätten ihre gesamte Produktion für Deutschland bereits abverkauft. Da die Herstellung von Grippeimpfstoff etwa ein halbes Jahr dauere, sei eine Nachproduktion ausgeschlossen. In dieser Saison müssen die gesetzlichen Krankenkassen erstmals den Vierfach-Impfstoff bezahlen.

Da jedes Jahr der Grippe-Impfstoff nach Vorgaben der WHO zu den jeweils verbreiteten Virus-Stämmen neu entwickelt werde, könne der Impfstoff auch nicht fürs Folgejahr gelagert werden. Für eine Sicherstellung hinreichender Grippe-Impfstoffe auch bei sehr großer Nachfrage sei das bestehende System außerdem nicht geeignet, sagte Friedrich. Zu den Akteuren gehörten Arztpraxen, Betriebe und Krankenkassen mit eigenen Impfungen, gesetzliche Krankenkassen sowie private Krankenkassen, die ihren Patienten Impfungen bezahlten. Um das Problem lösen zu wollen, müsste die Politik den Bedarf definieren. Falls Impfstoff dann übrig bleibe, müsste die Gesellschaft dies eben bezahlen, sagte Friedrich.

In Schleswig-Holstein ist die Durchimpfung laut Friedrich von Jahr zu Jahr gesunken. Grund sei offenbar die Impfmüdigkeit vieler Menschen. Wenn sich in diesem Jahr wieder mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen, profitieren dadurch laut Friedrich auch jene, die darauf verzichten – weil die Grippe sich nicht so sehr verbreite.

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