Nord-Ostsee-Bahn : Der NOB geht die Puste aus

Die Prestige-Strecke Hamburg-Westerland bleibt der NOB noch - ihre Verbindungen im Netz Nord hat sie verloren. Foto: dpa
Die Prestige-Strecke Hamburg-Westerland bleibt der NOB noch - ihre Verbindungen im Netz Nord hat sie verloren. Foto: dpa

Immer weniger Strecken, immer weniger Personal - die Nord-Ostsee-Bahn schrumpft. Unter den Mitarbeitern herrscht Untergangsstimmung.

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02. September 2011, 07:49 Uhr

Bei der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) hat die große Flucht eingesetzt, immer mehr Lokführer verlassen das private Eisenbahnunternehmen, das seit Monaten immer wieder von der GDL bestreikt wird. Inzwischen sollen mehr als 30 unzufriedene Triebwagenführer gekündigt haben. Der Verkehr werde mit Leihpersonal des weltweit tätigen französischen Mutterkonzerns Veolia aufrecht erhalten, berichtet ein Insider, der namentlich nicht genannt werden will: "Jeder, der weiß, wie eine Lok aussieht, darf bei uns fahren."
Doch auch das reicht offenbar nicht mehr. Vom kommenden Montag an übernimmt die Bahn-Tochter DB-Regio auf den Strecken Kiel-Eckernförde und Kiel-Husum zwei Verbindungen von der NOB - drei Monate früher als geplant. Das bestätigt NOB-Sprecherin Christiane Lage und führt "betriebliche und organisatorische Gründe" für den schleichenden Betreiberwechsel im Netz Mitte an. Fluktuation im Mitarbeiterstamm sei nichts Ungewöhnliches und der Einsatz von Leih-Lokführern in der Branche üblich, so die Sprecherin.
"Der Teamgeist ist flöten gegangen"
Ursache für den Exodus der NOB-Lokführer ist allerdings weniger der aktuelle Streit um einen einheitlichen Tarifvertrag, sondern eine allgemeine Unsicherheit und Unzufriedenheit. "Von wichtigen Entscheidungen erfahren wir als Letzte, der Teamgeist ist flöten gegangen", beklagt sich ein anderer NOB-Mitarbeiter. Zudem herrsche "Untergangsstimmung", weil die früher erfolgsverwöhnte NOB bei Ausschreibungen zuletzt regelmäßig den Kürzeren zog. So auch beim Netz Nord, das künftig die DB-Regio und die Nordbahn auf den Strecken Kiel-Eckernförde, Kiel-Husum-Bad St. Peter-Ording, Kiel-Neumünster, Bad Oldesloe-Neumünster und Neumünster-Heide-Büsum bedienen werden. "Die NOB hat früher doch nur Strecken gewonnen, weil sie mit Billig-Löhnen kalkulieren konnte. Das ist jetzt vorbei", so der Mitarbeiter. Auch die Teilnahme bei der jüngsten Ausschreibung für das Netz Mitte sei nur eine Pseudobewerbung, wird gemutmaßt, damit sich nicht noch die letzten Lokführer vom Acker machen. Zwar locke das Unternehmen mit Zusatzprämien für diejenigen, die ihre Kündigung zurückziehen, doch das überzeuge die Wenigsten. "Hier glaubt keiner daran, dass das Netz Mitte von der NOB gehalten werden kann."
Umso wichtiger sei die Forderung der GDL, dass die Lokführer auf den Strecken bleiben können - auch wenn sich die Logos auf den Zügen ändern. "Betreiberwechseltarifvertrag" nennt das die Gewerkschaft. Die NOB hat diesen bislang konsequent abgelehnt.

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