Klaus Ferdinand Hempfling : Der Mann, der mit den Pferden tanzt

Pferdetrainer Klaus Ferdinand Hempfling, unterwegs mit dem Hengst Rico auf der Insel Lyø. Foto: Klaus Ferdinand Hempfling
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Pferdetrainer Klaus Ferdinand Hempfling, unterwegs mit dem Hengst Rico auf der Insel Lyø. Foto: Klaus Ferdinand Hempfling

Klaus Ferdinand Hempfling bringt die wildesten Hengste zur Ruhe. Er lebt auf der malerischen dänischen Insel Lyø.

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14. Juli 2012, 12:40 Uhr

Lyø | Sanfte Hügel, ruhige Lagunen und einsame Wanderwege. Auf der Insel Lyø gibt es viel zu entdecken. Vom "Glockenstein", einem fast 5000 Jahre alten Hünengrab, bietet sich ein atemberaubender Blick: Über Weiden, blühende Rapsfelder und Salzwiesen, bis weit hinaus auf die Dänische Südsee. Im malerischen Inseldorf scheint bis heute die Zeit still zu stehen. Angeordnet um die Kirche mit ihren Treppengiebeln ducken sich unter großen Bäumen die Fachwerkhäuser. In den zahlreichen Dorfteichen quaken die Frösche, und Stockrosen zieren die alten Mauern.
Inmitten dieses Idylls lebt ein Deutscher, der die Reiterszene weltweit in Aufruhr versetzt hat. Mit seinem vor 20 Jahren erschienenen Buch "Mit Pferden tanzen" hatte Klaus Ferdinand Hempfling einen neuen Umgang mit den Vierbeinern propagiert - und damit die Pferdewelt gespalten. Viele feierten seine Methoden, andere lehnten sie ab. Dass Hempfling wie kaum ein zweiter mit Pferden umgehen kann, gaben aber selbst seine Gegner zu. Wer ist dieser Mensch, der Pferdefreunde rund um den Globus in seinen Bann zieht?
Malene, Hempflings dänische Lebensgefährtin, empfängt mich an der Pforte seines Gehöfts. Wenig später betritt auch er selbst den Raum. Ein charismatischer Mensch, drahtig, athletisch und mit freundlichen Augen. "Hier in Dänemark duzen sich alle", sagt er mit kräftiger Stimme, "Ich bin Klaus." Und dann erzählt der 55-Jährige von seinem schwierigen Weg zum "Pferdemann": "Als Kind, in der Schule, war ich als der größte Angsthase bekannt. Heute arbeite ich mit den wildesten Pferden der Welt." Und das tut er ohne jede Gewalt, mit einer Selbstsicherheit, die die Fachwelt erstaunt: "Sucht mir irgend einen gefährlichen Hengst. Ich gehe zu ihm, und die Dinge passieren", sagt er, "Meist folgt mir das Tier nach wenigen Minuten auf Schritt und Tritt." Die absolute Sicherheit, trotz der eigenen Angst Probleme zu lösen, sei das Rezept für seinen Erfolg. "Ich schaue das Pferd an, ich erkenne sofort, wo das Problem liegt", schildert er. Und was passiert dann? "Das Zusammensein mit Pferden ist am Ende immer eine Frage von Vertrauen und Dominanz", erklärt Klaus. Die Körpersprache müsse stimmen, damit das Pferd den Menschen versteht. Und der Mensch müsse lernen, die Signale des Pferdes zu deuten. Das Pferd sei erst dann glücklich, wenn ein Mensch es überzeuge, dass er ihm zu jeder Zeit Schutz bieten kann: "Zuerst sucht das Pferd den Menschen, dann findet es ihn, und danach geht fast alles von selbst."
Seine Fähigkeit, perfekt mit Pferden zu kommunizieren, führt Klaus auf seinen bisherigen Lebensweg zurück. Der sei steinig gewesen, aber habe ihm Augen und Herz für seine jetzige Arbeit geöffnet. Als er 12 Jahre alt war, gegen Ende der 60er, kam es zum Zerwürfnis mit dem autoritären Vater. Klaus ging fortan seinen eigenen Weg. Er wandte sich den Mythen der Wikinger, Kelten und Ritter zu und fand dort seine Helden. Nach dem hart erkämpften Studium wurde er Lehrer an einer Berufsschule. Drei Jahre später ereilte ihn eine schwere Krankheit. Er packte seinen Rucksack und marschierte zu Fuß durch Spanien. Eine Zeit, die ihn stark geprägt hat. Binnen zwei Monaten war er genesen und stärker denn je zuvor. Die folgende Tätigkeit als erfolgreicher Dozent für Kunst und Design beendete Klaus nach vier Jahren. Er hatte andere Pläne: "Ganz bewusst habe ich meine wissenschaftliche Laufbahn verlassen. Nicht aus Notwendigkeit, sondern weil ich für mich etwas anderes wollte."
Inzwischen war sein Interesse an Pferden erwacht. Zuerst mit Blick auf deren Symbolik und Mythologie. Später analysierte er in den Pyrenäen akribisch das Verhalten halbwilder Pferde und sprach mit Experten in aller Welt. Ihre Methoden im Umgang mit Pferden überzeugten ihn nicht, er stellte vieles in Frage. "Am Schluss habe ich alles in einen Topf geworfen, dazu die Essenzen meines bisherigen Lebens", erklärt Klaus, "Und dann habe ich mein erstes Buch geschrieben. Intuitiv, denn viel Erfahrung hatte ich ja nicht." Das Werk wurde zum Renner und verkaufte sich in der ganzen Welt. Sein aktuelles Buch "Nicht Du suchst das Pferd, das Pferd sucht Dich" wurde wieder ein großer Wurf. Der Titel ist die Quintessenz seiner Lehre.
Seit fünf Jahren lebt Klaus auf Lyø. Hier hält er Seminare, und hier schreibt er seine Bücher. Nach dem spannenden Gespräch mit einem ungewöhnlichen Menschen wird es Zeit, aufzubrechen. Die Fähre liegt schon im Hafen. Auf dem Weg zum Festland stehe ich an Deck und schaue nachdenklich der kleiner werdenden Insel nach. Vieles von dem, was Klaus erzählte, hat mich überzeugt. Aber nicht alles habe ich bis zur letzten Konsequenz verstanden. Wie dem auch sei: Klaus Ferdinand Hempfling hat mich beeindruckt. Als Person und auch als "Pferdemann".

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