Neue Regeln für Ausflugsschiffe : Der letzte Sommer an Bord

Die Reederei Adler-Schiffe will ihre Dampfer umrüsten - auch wenn dadurch die Fahrten druchs Wattenmeer wohl teurer werden. Foto: Adler Schiffe
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Die Reederei Adler-Schiffe will ihre Dampfer umrüsten - auch wenn dadurch die Fahrten druchs Wattenmeer wohl teurer werden. Foto: Adler Schiffe

Ausflugsdampfer müssen künftig so sicher wie Hochseeschiffe sein - doch den Umbau können sich viele Reedereien nicht leisten.

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17. April 2013, 11:12 Uhr

Niendorf/Westerland | Dieser Sommer wird für viele der weißen Ausflugsschiffe auf Nord- und Ostsee wohl die letzte Saison sein. Ausnahmsweise ist es einmal nicht die europäische Gesetz gebung, die das Ende für etliche "Tages-Kreuzfahrer" einläutet. Berlin hat die Daumenschrauben angezogen, was für Kritik sorgt. "Wir fragen uns, warum entlang der Küsten nicht nach europäischen Standards gefahren werden kann, sondern die Vorgaben ohne Not national verschärft werden", sagt Bernd Appel, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Nautischen Vereins. Richt linien, die bei großen Fähren sinnvoll seien, würden Schiffen für Watt- und Küstenfahrten einfach übergestülpt.

Die Folgen sind immense Kosten für die Umrüstung. "Wenn ich eine große Summe in die Hand nehme, muss sich das rechnen", sagt Herbert Granzow, Kapitän bei der Reederei Belis mit Sitz in Niendorf (Kreis Ostholstein). Belis fährt mit vier Ausflugsschiffen auf der Ostsee. Darunter auch die "Hanseat II", ein schmuckes Holzschiff für 100 Passagiere, seit Jahrzehnten unfallfrei im Besitz des Unternehmens. "Wir haben es sehr gepflegt und wollen es gerne behalten, doch mit den teuren Auflagen wird das nicht möglich sein - denn wir haben ja nur jeweils acht Monate im Jahr Zeit, um Geld zu verdienen."

Reeder: Ausflugschifffahrt keine Goldader

Dem Bund geht es um die Sicherheit der Passagiere. "Es sollte aber zwischen neuen und vorhandenen Schiffen unterschieden werden", meint Bernd Appel. Das würde sich auch Kapitän Granzow wünschen. Über seine "Hanseat II" sagt er: "Wenn jemand ein Holzschiff rammt, nützen auch Panzerglasscheiben nichts." Er fordert, dass es anstatt starrer Regeln individuelle, auf das jeweilige Schiff optimierte Sicherheitsvorkehrungen geben sollte. Ärgerlich für die deutschen Reeder: Dänen und Niederländer schätzen die Gefahren ihrer küstennahen Gewässer nicht so hoch ein. Die Niederlande haben ihr Wattenmeer sogar zum Binnengewässer deklariert, um ihren Ausflugsschiffen teure Umrüstungen zu ersparen. Ein klarer Wettbewerbsvorteil. Und so bricht bereits seit 2009 die "Störtebeker", ehemals 40 Jahre unfallfrei im Dienst der Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.), von der niederländischen Nordseeinsel Terschelling zu den dortigen Seehundbänken auf. Für die Wyker lohnte sich der Umbau nicht, sie haben die "Störtebeker" verkauft. "In Berlin denkt man, dass die Ausflugsschifffahrt dem Besitz einer Goldader gleichkommt", kritisierte W.D.R.-Chef Axel Meynköhn.

Während die W.D.R.-Fähren alle geforderten Standards erfüllen, geht es nun um die Zukunft des noch verbliebenen Ausflugsschiffes, der "Rüm Hart". Christian Gabriel, Controller bei der Wyker Dampfschiffs-Reederei: "Wir haben noch keine Entscheidung gefällt."

Die Folge sind höhere Fahrpreise

Die Reederei Adler-Schiffe will ihre gesamte Flotte umrüsten. Chef Sven Paulsen sagt: "Begeistert sind wir davon nicht." Und da die Margen im Ausflugsgeschäft klein seien, müssten die Fahrpreise angehoben werden. Paulsen weiß auch, das viele Reeder das notwendige Geld nicht werden aufbringen können. "Betriebe mit wenigen Schiffen werden wohl aufgeben müssen."

Ob eine Fahrt durch das Weltnaturerbe Wattenmeer in einem wegen der Seeschlagblenden abgedunkeltem Salon eine touristische Attraktion bleibt, muss abgewartet werden. Kapitän Granzow, 57 Jahre alt, sagt: "Wir Ausflugsschiffer sind eine aussterbende Spezies. Wenn wir unseren Job an den Nagel hängen und unsere Schiffe verkaufen, wird keiner mehr drei Millionen Euro in einen Neubau investieren. Wie bei den Butterfahrten ist dann ein großes Stück Lebensqualität für viele Menschen verloren. Dabei gehört die Seefahrt doch eigentlich zur Küste."

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