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Sport : Der lange Weg zum Spitzensportler

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Dänen setzen auf Technik, wenn es um das Handballtraining, sagt Jan Paulsen. Es darf viel ausprobiert werden. Vor allem werden junge Talente gesucht und trainiert.

Handball und Fußball sind traditionell die Sportarten, die in Flensburg und Umgebung dominieren. Dies gilt sowohl nördlich als auch südlich der Grenze. Nicht zuletzt spiegelt dies auch die Tatsache wieder, dass Handball und Fußball in Dänemark und Deutschland zu den beliebtesten Sportarten gehören. Auch die Begeisterung unter denjenigen, die nicht aktiv am Sport teilnehmen, sondern lieber als Zuschauer dabei sind, ist enorm. Und dies, obwohl es nicht viele Spitzensportler gibt, die aus der Grenzregion kommen. Lars Christiansen, Weltstar des Handball-Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt, ist einer der wenigen. Der Däne wurde in Sonderburg geboren und wuchs in der Alsenmetropole auf. Als Vierjähriger lernte er hier das Handballspielen. Heute ist Lars Christiansen 35 Jahre alt, einer der besten Handballer, den Dänemark je hervorgebracht hat und in der Handballwelt einer der Bekanntesten. Doch zwischen dem kleinen Lars aus Sonderburg und dem Europameister von 2008 liegen mehr als nur 31 Jahre. Eine Reihe von glücklichen Umständen und Zufällen, ja vielleicht auch Schicksal führten dazu, dass aus Lars Christiansen der Weltklassespieler wurde, der er heute ist. Talent jedoch allein reicht dafür nicht aus, weiß auch der Däne.
"Man muss bereit sein, einen hohen Preis zu zahlen", hat er erfahren. Und: "Auch die soziale Kompetenz ist wichtig. Darüber hinaus braucht man auch das kleine Quäntchen Glück, um von großen Verletzungen verschont zu werden. Ja, und manches Mal muss man eben einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und selbst dann gehört noch viel Glück dazu, damit man den Sprung wirklich schafft", ist Christiansen überzeugt.
Solide Talentförderung
Kolja Afriyie (Fußball/FC Midtjylland) aus Flensburg, Niels Hansen (Fußball/ FC Carl Zeiss Jena) aus Gremmerup, Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Fußball/ Bayer 04 Leverkusen) aus Schleswig und Jan Paulsen (Handball/ SG Flensburg-Handewitt) aus Sonderburg sowie Lars Christiansen sind einige wenige Sportler, die aus der Grenzregion stammen. Alle hatten sie das Glück, einen Sport zu betreiben, hinter dem eine solide Talentförderung steht.
Der Deutsche Fußballbund (DFB) setzt beispielsweise auf ein sogenanntes "DFB-Nachwuchskonzept", das aus den vier tragenden Säulen Talentzentren, Junioren-Nationalteams, Trainer-Service und Schulkooperationen besteht. Diese Basis hat ihren Ausgangspunkt in der systematischen Förderung von Jungen und Mädchen, die in Deutschland Fußball spielen. Das Projekt wurde zum Saisonstart 2002/2003 in ganz Deutschland eingeführt. Die besten Spieler der Vereine werden an insgesamt 390 Stützpunkten, die flächendeckend über die ganze Republik verteilt sind, als Hoffnungsträger für die nächsten Weltmeisterschaften ausgebildet. In der Grenzregion liegen Stützpunkte in Schleswig und Schafflund. Darüber hinaus gibt es im deutschen Fußball unterschiedliche Auswahl-Mannschaften in unterschiedlichen Spielklassen, beginnend mit der "Kreisauswahl", in der die besten Spieler aus den verschiedenen Kreisgebieten spielen. Danach folgt die "Landesauswahl", eine Mannschaft für die besten Spieler eines Bundeslandes. Die besten Nachwuchsspieler des Landes gehören schließlich zum Kader der Junioren-Nationalteams. In Deutschland beginnen diese mit der U15-Mannschaft und enden mit der U21-Mannschaft, danach folgt die A-Nationalmannschaft. Dies gilt sowohl für Mädchen als auch für Jungen.
Frühe Förderung
Im deutschen Handball funktioniert die Talentförderung auf ähnliche Weise. Die besten Vereinsspieler der Jungmannen-Klasse (zwölf bis 14 Jahre) werden für die Kreismannschaften ausgewählt, dann für die Amtsmannschaft und schließlich für die sogenannten NOHV-Mannschaft, ein Team, das ganz Nordost-Deutschland repräsentiert. Darüber hinaus sind die Bundesligavereine dazu verpflichtet, sich im Bereich der Nachwuchs- und Talentförderung zu engagieren. Die SG Flensburg-Handewitt beispielsweise erfüllt all diese Kriterien und hat mit ihrem Jugendprojekt "Get in touch" ein eigenes Nachwuchskonzept auf die Beine gestellt, das vom Deutschen Handballbund (DHB) bereits zertifiziert wurde.
Die Unterschiede zwischen den Talententwicklungsprogrammen in Deutschland und Dänemark sind nicht sehr groß. Auch in Dänemark werden die besten Spieler in beiden Sportarten zunächst auf Kreisebene und dann auf Amtsebene ausgewählt. Letztlich gibt es auch hier Junioren-Nationalmannschaften. Der Dänische Handballverband (DHF) wirbt auf seiner Internetseite damit, dass Dänemark die weltweit beste Nachwuchsförderung habe. Das Land ist in drei Bereiche eingeteilt, in denen die unterschiedlichen Spieler aller Vereine durch besonderes Training unterstützt und gefördert werden.
Der dänische Fußballverband, Dansk Boldspil Union (DBU), macht dies auf ähnliche Weise im Fußball: ITU (Integriertes Talenttraining) heißt das Projekt, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, die fleißigsten Spieler mit speziellen, individuellen Trainingsprogrammen und Einheiten zu unterstützen. Außerdem werden auch hier die Spieler in verschiedenen landesweiten Trainingszentren gesammelt und trainiert.
Dänemark setzt auf Technik
Es ist vielmehr der Trainingsinhalt, der sich in beiden Ländern unterscheidet. "Der dänische Handball ist für seine Technik bekannt. Außerdem setzt man darauf, Handball zu spielen. Die Spieler bekommen die Erlaubnis, eine Menge auszuprobieren, manches Mal vielleicht auch ein wenig zu viel. In Deutschland hingegen legt man immer noch sehr viel Wert auf die körperlichen Qualitäten eines Spielers", sagt Jan Paulsen, der nach seinem Wechsel zum deutschen Bundesligisten VfL Gummersbach in den 1990er Jahren auch eine Jugendmannschaft trainiert hat.
"Als ich das erste Mal zum Training kam, hatten wir acht oder neun Kinder, die keinen eigenen Ball hatten. Darüber war ich doch sehr entsetzt", erinnert sich der Däne, der ein Anhänger der dänischen Handballschule ist. "Ich habe auch schon mal ein paar Handballschulen besucht, seitdem ich für die SG spiele und war ebenfalls darüber verwundert, dass sehr viel ohne Ball trainiert wird", stimmt Lars Christiansen zu. Training mit oder ohne Ball: In beiden Ländern sind die Nachwuchsförderungsprogramme auf hohem Niveau. Daher geht auf Grund einer engen Zusammenarbeit mit Vereinen und Schulen ein richtiges Talent auch wirklich nur ganz selten verloren.

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erstellt am 11.Apr.2008 | 03:12 Uhr

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