Eiderstedt : Der Klimageschichte auf der Spur

Das Bohrgerät wird vorbereitet: Bauleiter Ralf May (r.) und Dr. Alf Grube (Geologe beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume)  werden die Untersuchungen begleiten. Foto: Volkert Bandixen
Das Bohrgerät wird vorbereitet: Bauleiter Ralf May (r.) und Dr. Alf Grube (Geologe beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume) werden die Untersuchungen begleiten. Foto: Volkert Bandixen

Wie hat sich das Klima in den vergangenen 500.000 Jahren verändert? Das wollen Wissenschaftler jetzt auf Eiderstedt erforschen.

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18. Februar 2011, 11:21 Uhr

WElt | In der Gemeinde Welt fanden sie ein geeignetes Areal für die Bohrung. In dieser Woche werden die Gerätschaften aufgebaut, am kommenden Montag sollen die eigentlichen Arbeiten beginnen, die voraussichtlich im April abgeschlossen werden.
An dem Projekt "Forschungsbohrung Garding" sind das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (Hannover), das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Flintbek), die Leuphana-Universität Lüneburg, und die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz beteiligt.

Zu flach für CO2
Mit dem Thema CO2-Verpressung habe dieses Vorhaben aber absolut nichts zu tun, betont Sabine Rosenbaum vom Landesamt. Dafür reiche allein die Bohrtiefe von 350 Metern nicht aus. Denn aus physikalischen Gründen erreiche Kohlendioxid erst in rund 800 Metern Tiefe eine Dichte, die ein Verpressen technisch praktikabel mache.
Das westliche Eiderstedt wurde für die Untersuchung zur Klima- und Überflutungsgeschichte des Nordens deswegen ausgesucht, weil dort eine besonders gleichmäßige und dicke Sedimentschichtung, der sogenannte Gardinger Trog, über Jahrhunderttausende entstanden ist, wie die Forscher erklären. Sie hatten bereits im vergangenen August die Bevölkerung über das Projekt informiert. Gebildet wurde der Trog, als kilometertief unter dem heutigen Garding Salzgestein Richtung Oldenswort floss. Das darüber liegende Gestein sackte nach und nach ab, in der entstehenden Vertiefung setzten sich im Laufe der Zeit mal Seesedimente, mal Nordseeschlick, mal Gletscherablagerungen ab. Es entstand eine sogenannte Salzstock-Randsenke, die mit Abstand den Tiefenrekord in Deutschland hält. Nirgendwo im Bundesgebiet könne man auf ein vollständigeres Bohrprofil hoffen als auf Eiderstedt, so heißt es aus dem Leibniz-Institut. Es ist wissenschaftlich gesehen ein einmaliger Bohrort. Die Forscher erhoffen sich, eine komplette Übersicht über den Wechsel der Kalt- und Warmzeiten im Eiszeitalter zu erhalten.
Erkenntnisse für die Zukunft
Von Interesse sind insbesondere die Übergänge. Kommen Warm- oder Kaltzeiten schnell oder kündigen sie sich lange vorher an? Wie warm kann es früher in Nordwestdeutschland gewesen sein? War es warm-feucht oder trocken-heiß? Erkenntnisse sollen aber auch für die Zukunft gewonnen werden. Wie ist unser heutiges Klima in langfristigen Zusammenhängen einzuschätzen und wie werden sich künftige Klimaveränderungen auf die küstennahe Region auswirken? Erste Ergebnisse der Auswertung werden in zwei Jahren erwartet.
Das Projekt ist eingebunden in eine größere Untersuchung zur Klimaentwicklung, für die das Leibniz-Institut auch Bohrungen im Mittelmeer, bei Heidelberg und bei Bonn vornimmt.

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