Rendsburg : Der Kanaltunnel wird 50

Zwei Brücken und ein künftiger Tunnel: Der Nord-Ostsee-Kanal während der Bauarbeiten. Rechts und links sind die künftigen Ein- bzw. Ausfahrten zu erkennen. Weiter hinten die Drehbrücke, die mit Eröffnung des Tunnels stillgelegt wurde.
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Zwei Brücken und ein künftiger Tunnel: Der Nord-Ostsee-Kanal während der Bauarbeiten. Rechts und links sind die künftigen Ein- bzw. Ausfahrten zu erkennen. Weiter hinten die Drehbrücke, die mit Eröffnung des Tunnels stillgelegt wurde.

Am 24. Juli 1961 wurde in Rendsburg ein fulminantes Feuerwerk abgebrannt. 60.000 Menschen säumten die Kanalufer. Sie feierten die Fertigstellung des Tunnels unter dem Nord-Ostsee-Kanal.

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26. Juli 2011, 11:19 Uhr

RENDSBURG | Heute, fünfzig Jahre später, ist von Feierstimmung wenig zu spüren. Der Tunnel muss dringend saniert werden. Noch in diesem Sommer sollen die Arbeiten beginnen. Das wird für Pendler von Nord nach Süd Wartezeiten und Staus bedeuten.
Ähnlich wie vor über 50 Jahren, als die Rendsburger Drehbrücke über dem Kanal ein Nadelöhr war: Für die Autofahrer, wenn die Brücke für die Schiffe geöffnet war, für die Schiffe, wenn die Wagen die geschlossene Brücke passieren konnten. Klaus-Jürgen-Ströh aus Westerrönfeld erinnert sich: "Wenn man Pech hatte, wartete man dort bis zu 40 Minuten".
Dreieinhalb Jahre Staub und Lärm
Für die Bevölkerung war der Bau ein in mehrfacher Hinsicht einschneidendes Erlebnis. Zum einen bedeutete es dreieinhalb Jahre Staub, Lärm und eine imposante Großbaustelle. Zum anderen eine schnelle Nord-Süd-Verbindung, nachdem der Tunnel die Drehbrücke abgelöst hatte (sie wurde noch am selben Tag stillgelegt).
Kein Wunder, dass etliche Schul-Abschlussarbeiten über den Tunnelbau geschrieben wurden: Präzise hat Klaus-Jürgen Ströh das Geschehen dokumentiert. Und Hennig Wriedt, ebenfalls Schüler der Christian-Timm-Schule, beschäftigt sich eingehend mit Rendsburg als Verkehrsknotenpunkt und der Zunahme des Straßenverkehrs.
Baugrube geschickt genutzt
Bereits im Jahre 1936 hatte die "Provinzialverwaltung Schleswig-Holstein" begonnen, sich über die Beseitigung des Nadelöhrs Gedanken zu machen. Das belegen die Ausschnitte von Zeitungsartikeln, mit denen beispielsweise Peter Schmitt aus Westerrönfeld akribisch die Entwicklung dokumentiert hat. "Eine Hochbrücke hat für das Stadtbild und für den Benutzer (Sturm, Schnee, Vereisung) viele Nachteile, daher entschied man sich für den Bau eines Tunnels", hieß es dann 1961 in einem Heft, herausgegeben zum Tunnelneubau.
Gearbeitet wurde auf der Großbaustelle Tag und Nacht. In Zwölf-Stunden-Schichten waren die Arbeiter aktiv, erinnert sich Kurt Cormann (70) aus Rendsburg. Rund 80 Mark verdiente er pro Woche. Einen Zehner mehr gab es, wenn er sich sonntags um die Pumpenwagen kümmerte. Die wurden damals noch mit Holz betrieben - und das Feuer durfte nicht ausgehen.
Insgesamt war der logistische und technische Aufwand gewaltig. Allein der Bau des Tunnel-Mittelstücks ist ein Kapitel für sich. Das nur 4,55 Meter hohe und140 Meter lange Teil wurde als Stahlbetonröhre in einer Baugrube angefertigt. Quasi wie ein Schiff in seinem Baudock. Behelfsmäßige Schotten schlossen es an den Enden ab. Der schwimmfähige Hohlkörper wurde später unter dem Kanal abgesenkt. Und die Grube? Die ist heute das Westerrönfelder Freibad. Wo seit 1962 Kinder plantschen, donnern zwanzig Meter tiefer Laster und Autos durch den Tunnel.

Tunnelfilme, Di., 26. Juli, 17 + 19.45 Uhr, Kommunales Kino Rendsburg, Schauburg, Kartentel. 04331/23777
Tunnelausstellungen: Stadtbücherei im Kulturzentrum Rendsburg sowie im Foyer der Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde, Rendsburg, 25. Juli bis Ende September


(sab, shz)
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