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Abenteurer Klaus Langer : Der Hand-Werker aus Wetterrade

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vom einfachen Knecht zum Künstler und Geigenbauer: Klaus Langer aus Wetterrade (Kreis Plön) ist ein Alleskönner.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2013 | 10:06 Uhr

Wetterrade | Melker und Geigenbauer, Maurer und Maler, Bauer und Bildhauer, Landwirt und Lebenskünstler, Statiker und Schneider – die Liste könnte noch beliebig fortgesetzt werden. Klaus Langer verkörpert all diese Rollen und noch viel mehr. Zeit seines Lebens ist er ein Hand-Werker gewesen – im besten Sinne des Wortes.

Dass er mal auf ein so reiches, erfülltes und buntes Leben zurückblicken kann, damit war nicht zu rechnen. Flüchtlingskind aus Schlesien. Mit elf Jahren wird er Ersatzvater für seine sechs Geschwister, Vater verschollen, die Mutter nervenkrank. Harte, entbehrungsreiche Zeiten. Seine erste Arbeitsstelle als Knecht in der Landwirtschaft, mit 13 Jahren in der Lüneburger Heide, erscheint ihm paradiesisch. „Da hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen geregelten Tagesablauf mit Frühstück, Mittag und Abendbrot. Keine Papiere, kein Schulabschluss. Und dennoch macht er seinen Weg. Mit harter Arbeit. Zupacken kann er. Und das wird er Zeit seines Lebens tun, in der Landwirtschaft, auf dem Bau, auf dem Hof. Mit 22 Jahren trifft er seine große Lebensliebe: Käthe aus Altengörs im Kreis Segeberg, damals 16. „In ihrer Familie mit den 11 Geschwistern fühlte ich mich gleich geborgen.“ 1955 wird geheiratet. Das junge Paar bekommt drei Söhne, drei Töchter, immer schön abwechselnd.

Von 1802 sind die imposanten alten Gemäuer der ehemaligen Meierei Gut Wetterade in der Holsteinischen Schweiz. Marode und verfallen haben die Langers vor vielen Jahren den Hof übernommen und in unzähligen Arbeitsstunden und viel Körpereinsatz ein Schmuckstück geschaffen. „Hier war noch nie ein Handwerker drin“, sagt er stolz. Das Dach hat er eigenhändig gedeckt. Kein Gewerk hat er in fremde Hände gegeben. Hat saniert, restauriert, repariert und dabei auf jeden technischen Firlefanz verzichtet. Mit Augenzwinkern. Kommt man ins Bad, erscheint zunächst ein altmodisches Plumpsklo – was bei Erstbesuchern Skepsis ins Gesicht treibt. Auf den zweiten Blick offenbart sich ein modernes Porzellanbecken unter der hölzernen Verkleidung, welches wiederum für Erleichterung auf den Besuchergesichtern sorgt. Die Seele des Gutes ist erhalten geblieben. Ursprünglich, malerisch schön, aber auch nichts für Frierbüdel. Heizung? Fehlanzeige. Sage und schreibe sieben Feuerstellen müssen am Morgen in Gang gebracht werden, um Wärme in die dicken Gemäuer zu bringen. Aufgabe von Käthe, sie ist nicht nur Herrin über das Feuer, sondern schmeißt auch den Selbstversorgerhaushalt mit großem Garten. In riesigen Glasflaschen gärt der eigene Wein. Sauerkraut ist schon eingemacht, genau wie die vielen Gläser mit Marmeladen, Gemüse und Früchten. Käthe und Klaus, ein besonderes Paar. Jeder hat seine Aufgaben. Ohne den anderen, wäre der eine wohl nichts. Bei all der Arbeit, bei all dem Kindergewusel, dem harten Leben, der Schaffensfreude gibt es allerdings ein heiliges Ritual der beiden: Immer zur Mittagszeit wird das Schachbrett in der urigen Küche hervorgeholt und die beiden spielen seelenruhig das Spiel um Dame und König. „Damit man mal zur Ruhe kommt und nicht ununterbrochen arbeitet.“

In so einer großen Familie ist das Geld immer knapp. Es wird improvisiert und vor allen Dingen vieles selbstgemacht. Der große Mann mit den begabten Händen lässt irgendwann auch seine kreativen Kräfte fließen. Es offenbaren sich viele Talente. Er malt, restauriert, wagt sich an immer größere Skulpturen. Der Erfolg gibt ihm Recht und füllt die Haushaltskasse. Über 2000 Bilder malt er. Seine größte Skulptur war über vier Meter hoch. „Kann ich nicht, bin ich nicht oder geht nicht“, kommen in seinem Wortschatz einfach nicht vor. Er macht einfach, probiert alles, kennt keine Angst zu scheitern. „Ich bin ein echter Angeber“, sagt er mehrfach und schmunzelt dabei sein verschmitztes Lächeln.

Ganz oben unterm Dach, der Weg führt über abenteuerliche Stiegen, liegt sein neues Abenteuerland. Hier hängt der Himmel voller Geigen. Über 30 Instrumente aus verschiedensten Hölzern gefertigt, fein poliert, die Maserungen herausgearbeitet in warmen Honigfarben. Handarbeit made by Klaus Langer – was sonst?

Und auch zu dieser Leidenschaft gibt es eine Geschichte. Auf einem seiner unzähligen Flohmarktbesuche entdeckte er eine alte Geige. Kauft sie für kleines Geld, vergisst sie im heimischen Sammelsurium, findet sie wieder und entdeckt das magische Wort „Stradivari“ auf dem Klangkörper. Doch aus dem so greifbar nahen Reichtum wird nichts, wie Experten des Auktionshauses Sothebys in Hamburg herausfinden – eine Fälschung. „Dann baue ich Dir eben eine eigene Stradivari“, verspricht er Gattin Käthe. Er ist 72 Jahre alt, als er sich zunächst eigenhändig das Geigenspiel beibringt, und anschließend nach ausgiebiger Fachbuchlektüre selber Geigen baut. Ein Hand-Werker hält eben, was er verspricht.

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