Weiße Osterferien : Der Frust mit dem Frühlings-Frost

Wer am Wochenende auf der A7 in Fahrtrichtung Norden unterwegs war, hatte mit Schneewehen auf der rechten Spur zu kämpfen - besonders im Raum Flensburg. Foto: Nolte
Wer am Wochenende auf der A7 in Fahrtrichtung Norden unterwegs war, hatte mit Schneewehen auf der rechten Spur zu kämpfen - besonders im Raum Flensburg. Foto: Nolte

Kälte und Schnee: Die Urlaubsorte bangen um das Feiertagsgeschäft. Sylt ist besonders betroffen. Aussicht auf Besserung in den Osterferien besteht nicht.

Avatar_shz von
26. März 2013, 09:33 Uhr

Kiel | Fünf Tage nach Frühlingsanfang hat der Winter den Norden noch immer fest im Griff. Mit den Temperaturen, die teilweise auf minus zehn Grad in der Nacht sinken, sinkt auch die Stimmung in den Ferienhochburgen an Nord- und Ostsee. Der Zweckoptimismus, den die Branche noch vor einer Woche verbreitet hat, ist dahin: In den Küstenorten sind noch viele Betten frei, obwohl seit dem Wochenende in den meisten Bundesländern die Ferien begonnen haben.

Ostereiersuchen im Schnee, das ist nicht jedermanns Sache: "Die Buchungen liegen hinter den Erwartungen zurück und deutlich unter Vorjahresniveau", berichtet Claudia Drögsler vom Verein Ostsee-Holstein-Tourismus, der Quartiere von Glücksburg bis Scharbeutz im Angebot hat. Sollte Petrus nicht bald Einsehen zeigen, fürchtet sie auch um die Tagesgäste und die Umsätze in der Außengastronomie, auf die die Branche gerade in der Vorsaison angewiesen sei. Aber sie kann auch von Lichtblicken berichten. Laboe und Eckernförde sind gefragt wie eh und je und die Ferienanlage Weißenhäuser Strand sogar ausgebucht.

"Sobald sich die Sonne zeigt, zieht die Nachfrage an"

"Noch haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich das Wetter zu Ostern bessert", betont Tanja Weinkötter in Husum, zuständig für die Nordseetourismus GmbH. Zwar wurde das Krokusblütenfest witterungsbedingt schon abgesagt, doch ihren Optimismus lässt sie sich nicht nehmen: "Sobald sich die Sonne zeigt, zieht die Nachfrage an."

Föhr meldet eine Auslastung von 75 Prozent - "etwas schlechter als 2012", sagt Tourismus-Chef Armin Kohrock. Besonders rar machen sich in diesem Frühjahr die Sylt-Urlauber. Von Dramatik will Moritz Luft, Geschäftsführer von "Sylt Marketing" nichts wissen, aber auch er räumt ein: "Schnee und Minusgrade haben zwar keine Stornierungen ausgelöst, aber ebenso wenig haben sie die noch Unentschlossenen dazu bewegt, in den hohen Norden zu reisen". Im Vergleich zum Vorjahr seien die Buchungen über Ostern rückläufig. "Das liegt nicht nur am wenig frühlingshaften Wetter, sondern vor allem an den frühen Osterferien, die den Urlaub an der Nordsee im stärkeren Maße in Konkurrenz zum Skiurlaub in alpinen Destinationen stehen lässt." Wegen der frühen Osterferien stehe die Nordseeregion im stärkeren Wettbewerb mit Skiorten in den Alpen.

Meteorologen sehen keine Wetterwende

Wer weder Lust auf Schnee vor der eigenen Haustür noch in den Bergen hat, reist noch weiter weg: "Die Menschen stürmen die Reisebüros, um in den Süden zu fliegen", sagt Dirk Nicolaisen, Tourismus-Experte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Flensburg.

Doch die Buchungslage im Norden "wird parallel zu den Temperaturen steigen", ist sich der Föhrer Kohrock sicher. Dumm nur: Die Meteorologen sagen keine grundsätzliche Wende voraus. Die Kaltluft vom Polarmeer bleibt wohl mindestens bis Ostern. Zu allem Überfluss sorgte der Ostwind am Wochenende auch für Niedrigwasser. Osterurlauber, die sich von roten Nasen und Eisfüßen nicht abschrecken ließen, saßen im Fährhafen Dagebüll fest, weil den Schiffen zu den nordfriesischen Inseln die nötige Handbreit Wasser unterm Kiel fehlte.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen