Prozess in Kiel : Der Fall Lentföhrden: Tödliches Ende einer Liebe

Ermittler sichern Spuren am Tatort.
Ermittler sichern Spuren am Tatort.

Er soll ein letztes Mal mit ihr geschlafen und sie dann getötet haben. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Kiel lautet auf heimtückischen Mord. Am Freitag soll das Urteil fallen.

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06. November 2013, 17:00 Uhr

Kiel/Lentföhrden | Der Fall erschütterte im April ganz Schleswig-Holstein: Ein 20-Jähriger aus Goosefeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) gestand bei einer Polizeikontrolle in Wiemersdorf (Kreis Segeberg), seine Ex-Freundin erstochen zu haben. Einem Beamten war die unsichere Fahrweise des jungen Mannes aufgefallen. Der Verkehrspolizist stoppte den silbernen Ford – und bemerkte Blut an den Händen des Fahrers. Der 20-Jährige gestand ohne Ausflüchte. Er beschrieb dem Beamten exakt, wo die Leiche der jungen Frau zu finden sei. Der Mann hatte sich keine Mühe gemacht, die Tote zu verstecken. Auf einem Feldweg bei Lentföhrden (Kreis Segeberg) wurde die 20-Jährige schließlich entdeckt. Der Notarzt konnte ihr nicht mehr helfen. Die Obduktion in der Rechtsmedizin der Universität Kiel ergab, dass die Frau durch einen Messerstich starb.

Das Motiv für die Tat war vermutlich Eifersucht. Der mutmaßliche Täter und sein Opfer waren seit mehreren Jahren ein Paar. Mit 16 Jahren hatten sich die beiden kennengelernt - über das Internet, obwohl sie beide in Eckernförde lebten. "Sie war seine erste große Liebe", sagt die Mutter nach der Tat in einem Interview mit dem sh:z. Zeitweise wohnte die junge Frau sogar bei der Familie ihres Freundes. "Ihre Mutter musste beruflich nach Kaltenkirchen ziehen. Da blieb sie ein halbes Jahr bei uns, um ihren Realschulabschluss zu machen."

Vier Jahre lang waren die beiden ein Paar, jedoch nicht ununterbrochen. "Die beiden waren immer mal wieder getrennt", erklären die Eltern, "doch nach zwei bis drei Tagen waren sie wieder zusammen. Sie konnten nicht mit- aber auch nicht ohne einander. Zur letzten Trennung kam es genau eine Woche vor der Tat. Es hatte einen heftigen Streit gegeben, der den Eltern nicht entging. Kurznachrichten flogen hin und her. In seiner Vernehmung soll der Angeklagte zu den Ermittlern gesagt haben: "Sie hatte einen neuen Freund." Die junge Frau soll ihm das am Tag der Trennung offenbart haben.

"Der Angeklagte wusste, dass die Geschädigte mit einem anderen Mann sexuell verkehrt haben soll. Daraufhin soll der Angeklagte eifersüchtig reagiert und beschlossen haben, die Geschädigte zu töten", heißt es von der Kieler Staatsanwaltschaft. "Der Angeklagte soll mit der Geschädigten den Geschlechtsverkehr ausgeübt und sie anschließend mit einem Küchenmesser erstochen haben."

Dass ihr Sohn seine Ex-Freundin umgebracht haben soll, erfuhren die Eltern des heute 20-Jährigen von der Polizei. "Wir glaubten es nicht", sagt die Mutter. "Wir glaubten es einfach nicht. Es tut so weh, weil sie zur Familie gehörte."

Die Staatsanwaltschaft spricht vom Mordmerkmal der Heimtücke - weil die junge Frau nicht ahnen konnte, was ihr widerfahren würde. Der Vater des Angeklagten sagt: "Es gibt keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung für diese Tat, es tut uns so unendlich leid für die Familie."

Am Donnerstag werden die Plädoyers erwartet, am Freitag soll das Urteil fallen.

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