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Peter Harry Carstensen : „Der echte Norden“ ist ein alter Hut

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ex-Ministerpräsident Carstensen kommt der neue Schleswig-Holstein-Slogan bekannt vor: Das von der Kieler Werbeagentur Boy entworfene Logo mit dem Kürzel „SH“ samt Löwe mit Nesselblatt ist offenbar nicht wirklich neu.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 13:03 Uhr

Kiel | Neuer Wirbel um die umstrittene Dachmarke „Schleswig-Holstein. Der echte Norden“, mit dem das Land künftig werben und das Erscheinungsbild nach außen harmonisieren will. Das von der Kieler Werbeagentur Boy entworfene Logo mit dem Kürzel „SH“ samt Löwe mit Nesselblatt ist offenbar nicht wirklich neu. „Das habe ich auch schon auf dem Tisch gehabt und nicht für gut befunden“, erklärte gestern Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU). „Das gefiel mir damals nicht“, erinnert sich der Polit-Pensionär und steht auch heute noch zu dieser Entscheidung. „Unser Wappen ist schöner.“

Auch der ehemalige Pressesprecher der schwarz-gelben Landesregierung, Knut Peters, meldet sich jetzt zu Wort. „Den Entwurf kenne ich, der ist uns vor Jahren auch schon von der Werbeagentur Boy präsentiert worden.“ Auch er kann sich gut erinnern, dass der Entwurf in der Staatskanzlei auf kein Wohlwollen gestoßen sei. „Das war zwar innovativ, aber nicht in die richtige Richtung.“ Natürlich müsse man sich „nicht sklavisch an die Heraldik des 15. Jahrhunderts halten“, erklärt er. Dass aber nicht einmal die im Landeswappen vorgebenen Farben übernommen wurden, sei damals mitentscheidend für die Ablehnung gewesen. „Und natürlich das Geld“, fügt Peters hinzu. Auch die Vorgängerregierung habe mit einer Dachmarke für Schleswig-Holstein geliebäugelt und sei ganz neidisch auf Baden-Württemberg und den tollen Spruch „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ gewesen. „Aber alle wussten: Das wird teuer, und das Geld haben wir nicht.“

Die Nachfolger wollen pro Jahr bis zu 500.000 Euro für die Kampagnen samt Marketingkonzept und Werbung locker machen. Viel Geld für ein Logo, das nicht mehr ganz frisch ist. Selbst im Wirtschaftsministerium und in der Staatskanzlei schließt man nicht aus, dass der Boy-Entwurf dem Land schon einmal angeboten wurde. „Höchstwahrscheinlich im Jahr 2008 im Zusammenhang mit Überlegungen für neue Begrüßungsschilder an den Autobahnen,“ erklärte gestern ein Sprecher. Genau erinnern sich die Mitarbeiter von damals jedoch nicht daran, nur so viel war herauszufinden: „Der Löwe war rot und das Nesselblatt blau, also genau umgekehrt.“ Fest steht allerdings, dass es keinen offiziellen Auftrag gab. Offenbar habe die Agentur, die gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war und seit Jahren einen Rahmenvertrag mit dem Wirtschaftsministerium hat, den Entwurf von sich aus vorgelegt. „Das wird derzeit geprüft“, erklärte Regierungssprecher Carsten Maltzan. Im Ministerium heißt es dazu: Selbst wenn das Logo nicht neu sei, mache das den Entwurf nicht schlechter.

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