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Dachmarke für Schleswig-Holstein : „Der echte Norden“ frisch gestrichen

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Kieler Kabinett segnet den überarbeiteten Entwurf für die neue Landes-Dachmarke ab. Niedersachsen hat Berge, Mecklenburg-Vorpommern ein Identitätsproblem - nur Schleswig-Holstein ist echter Norden. So argumentiert zumindest die Landesregierung.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Jetzt ist es amtlich: Das „Land der Horizonte“ hat ausgedient. Künftig wirbt Schleswig-Holstein mit dem Slogan „Der echte Norden“ für sich. Das Kabinett hat das Konzept für die sogenannte Dachmarke inklusive eines „Markenhandbuchs“ abgesegnet. Im ersten Schritt werden die Ministerien das Konzept noch 2014 für sich selbst und auch für alle Landesbehörden umsetzen.

Neben dem Schlüsselsatz „Der echte Norden“ wurde aus den Wappenelementen Löwe und Nesselblatt – als Sinnbild für die Landesteile Schleswig und Holstein – ein neues Bildzeichen in den Landesfarben weiß-rot-blau entwickelt. Dieser Claim – wie Werbefachleute sagen – soll künftig die Briefbögen und Visitenkarten, Flyer und Internetauftritte der Behörden zieren. Das Markenhandbuch zeigt nach Angaben des zuständigen Wirtschaftsministers Reinhard Meyer (SPD) anderen Institutionen oder Unternehmen auf, wie sie sich in den neuen Auftritt des Landes einbinden können.

„Wir haben uns vorgenommen, das Profil des Landes besser sichtbar zu machen und damit Aufbruchsstimmung zu erzeugen“,  erklärte der Minister. Eine übergreifende Dachmarke für das Land sei ein längst überfälliger Schritt. Der alte Slogan „Land der Horizonte“ sei nie mit Inhalten gefüllt worden. Allenfalls mit dem Musikfestival bringe man die verblassten Schilder an den Autobahnen noch in Verbindung.

Unumstritten ist das neue Logo trotz der eingeforderten stilistischen Überarbeitung und minimalen Farbkorrektur immer noch nicht. „Die Landesregierung reitet nicht nur einen toten Gaul – sie füttert ihn auch noch mit Steuergeldern“, erklärte der tourismuspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Hartmut Hamerich. 90.000 Euro hat der Entwurf schon gekostet. Insgesamt stehen für das Standortmarketing 460.000 Euro pro Jahr im Landeshaushalt bereit. Geld, das nach Ansicht der Union besser im Straßenbau angelegt ist.

Hamerich erinnerte daran, dass die Vorgängerregierung unter Federführung des damaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen das Konzept bereits verworfen habe. Das von der Kieler Werbeagentur Boy entworfene Logo mit dem Kürzel „SH“ samt Löwe mit Nesselblatt habe er auch schon auf dem Tisch gehabt und nicht für gut befunden, hatte Carstensen vor einigen Wochen aus dem Nähkästchen geplaudert. „Es gefiel mir damals nicht“, erinnerte er sich: „Das Landeswappen ist schöner.“

Ein „paar kleine Farbänderungen“ änderten nichts an der grundsätzlichen Kritik meint Hamerich: „Erstens ist der Slogan schlecht. Zweitens denkt bei diesem Logo kaum jemand an Schleswig-Holstein. Und drittens würde das Budget nicht im Ansatz ausreichen, um selbst ein gutes Konzept erfolgreich zu vermarkten.“

Kritisiert wurde zuletzt vor allem, dass das Nesselblatt aussehe wie ein Hummer – hier wurde nun nachgearbeitet – und die Beliebigkeit des Ausdrucks echter Norden. Meyer hatte argumentiert , dass dieser Ausdruck einzig auf Schleswig- Holstein zutreffe, denn Niedersachsen habe zwar Küsten, aber auch Berge, und sei deshalb kein echter Norden. Mecklenburg-Vorpommern habe ein Identitätsproblem und wisse nicht, ob es zum Norden oder zum Osten gehöre. Und Hamburg und Bremen seien Stadtstaaten, die nicht als Land wahrgenommen werden.

Doch die FDP bleibt dabei: Man frage sich bei diesem „vollkommen sinnentleerten und dafür zu kostspieligen Slogan“ unweigerlich, wo denn nun der „unechte Norden“ liege. Hier werde Steuergeld für eine überflüssige Werbekampagne verbrannt, das sei für die Bürger ein Ärgernis. „Wir fordern die Koalitionsfraktionen deshalb auf, dem Ministerpräsidenten hierfür die Zustimmung zu verweigern und die entsprechenden Haushaltsmittel zu streichen“, appelliert der Liberale Oliver Kumbartzky an die Landtagsabgeordneten von SPD, Grünen und SSW.

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