Ratgeber : Der dritte Weg: Studieren ohne Abitur

Studenten in der Vorlesung:  Nur vier von hundert haben kein Abi - das soll sich ändern.  Foto: Dewanger
Studenten in der Vorlesung: Nur vier von hundert haben kein Abi - das soll sich ändern. Foto: Dewanger

Die Politik will Berufstätigen den Hochschulzugang erleichtern und Studieren ohne Abitur ermöglichen. In Schleswig-Holstein gibt es das schon, doch die wenigsten wissen davon.

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16. September 2008, 09:49 Uhr

Kiel | Deutschland hat zu wenige Hochschulabsolventen, bemängelte in der vergangenen Woche die OECD. Auch Politikern dämmert inzwischen, dass die strikten Zugangsregelungen zu Unis und Fachhochschulen nicht mehr zeitgemäß sind. Viele Berufsfelder, die bislang von Praktikern besetzt waren, werden akademisiert - ohne Studium sind die Aufstiegs- möglichkeiten in den Unternehmen begrenzt. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) schlägt deshalb vor, die Hörsäle künftig auch Nicht-Abiturienten zu öffnen. Berufstätige mit abgeschlossener Lehre und Berufspraxis sowie Meister sollen studieren dürfen.
In Ländern wie Finnland und Frankreich ist das längst üblich. Auch in Schweden haben sich 36 Prozent der Studierenden im Beruf für die Hochschule qualifiziert. In Deutschland hingegen haben von den rund 1,9 Millionen Studenten 83 Prozent Abitur, 13 Prozent die Fachhochschulreife. Nur etwa vier Prozent schafften den Sprung an die Hochschule über einen anderen Weg.
"In der Praxis gibt es nur wenige Bewerber"
In Schleswig-Holstein haben Arbeitnehmer ohne formale Hochschulreife seit langem Zugang zu den "Elfenbeintürmen der Wissenschaft". Theoretisch. "In der Praxis gibt es nur wenige Bewerber", räumt der Sprecher des Kieler Bildungsministeriums, Sven Runde, ein. Dabei stehen Nicht-Abiturienten mehrere Möglichkeiten offen, auf dem dritten Bildungsweg einen akademischen Grad zu erwerben.

Sie können sich probeweise einschreiben. Das Probestudium ist auf Personen begrenzt, die eine qualifizierte Berufsausbildung mit guten Noten abgeschlossen haben und eine fünfjährige Berufstätigkeit nachweisen können. Bei erfolgreichem Studienverlauf wird die Probezeit in eine unbefristete Studienberechtigung umgewandelt. Die Entscheidung fällt die Hochschule.
Sie können an einem Eignungsgespräch teilnehmen. Voraussetzung ist zum Beispiel ein Berufsfachschulabschluss mit guten Noten und eine mindestens zweijährige Berufstätigkeit. Einschlägige Vorbildung für den gewünschten Studiengang ist erwünscht. Das Eignungsgespräch wird vom Bildungsministerium geführt. Das erfolgreiche Bestehen berechtigt zur direkten Bewerbung an einer Uni oder FH in Schleswig-Holstein oder zur Bewerbung bei der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen. Laut Ministeriumssprecher Runde hat im vergangenen Jahr allerdings niemand von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.
Sie können eine Begabtenprüfung an einer FH ablegen. Voraussetzung ist ein Hauptschulabschluss, eine zweijährige Berufsausbildung (Note drei) und zweijährige Berufspraxis. Ein fundiertes Allgemein- und Fachwissen wird vorausgesetzt.
Das neue schleswig-holsteinische Hochschulgesetz regelt, dass eine Meisterprüfung grundsätzlich zum Studium an allen Hochschulen des Landes in allen Studiengängen berechtigt.
Je nach Studieninteresse können private Hochschulen wie die FH Pinneberg für Berufstätige ohne Abitur eine Alternative sein. Sie bieten zwar meist nur ein begrenztes Fächerspektrum. Doch ihre speziell auf Berufserfahrene zugeschnittenen Studienprogramme sind stark an der Praxis orientiert. Abschreckend wirken die oft hohen Studiengebühren. Da jedoch das Interesse der Unternehmen an der Weiterbildung ihrer Angestellten wächst, übernehmen viele diese Kosten.

Ansprechpartner

Eignungsgespräch: Klaus Röttgering, Tel. 988-2558, E-Mail: klaus.roettgering@mbf.landsh.de

Eigungsprüfung FH: Anke Hoffmann, Tel. 988-2560, anke.hoffmann@mbf.landsh.de.

Begabtenprüfung: Gudrun Kehlert, Tel. 988-2474,gudrun.kehlert@mbf.landsh.de (alle im Bildungsministerium, Brunswiker Straße 16, 24105 Kiel, Vorwahl 0431) -

Meisterprüfung: Stefan Conrad, Wirtschaftsministerium, Düsternbrooker Weg 104, 24105 Kiel, Tel. 988-5774, stefan.conrad@wimi.landsh.de

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