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Tag des offenen Denkmals : Denkmale in SH öffnen ihre Pforten

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Verschwenderische Farbenpracht und triste Betonbunker - am heutigen Tag des offenen Denkmals gibt es viel zu sehen. Schönes und eher hässliches. Das soll auch so sein, meinen Denkmalschützer.

Itzehoe | Fast 80 Jahre lang waren die prachtvollen Wandmalereien hinter Tapeten versteckt und vergessen. Dann wurden sie in mühevoller Kleinarbeit wieder freigelegt. Und seit April ist in dem ehemaligen Haus des Künstlers Wenzel Hablik (1881-1934) in Itzehoe eine der bedeutendsten raumkünstlerischen Arbeiten der 1920er Jahre in Norddeutschland wiederhergestellt. Das Haus ist in Privatbesitz, der kunsthistorische Schatz normalerweise also nicht zu sehen. Am heutigen Tag des offenen Denkmals dürfen Interessierte sich das Esszimmer in der Hablik-Villa zu bestimmten Zeiten angucken. Die Villa ist eines von rund 180 Denkmalen, die beim bundesweiten Tag des offenen Denkmals in Schleswig-Holstein besichtigt werden können.

Im Mittelpunkt stehen dieses Jahr eigentlich „unbequeme“ Denkmale, aber der Tag solle auch dazu dienen, gelungene Lösungen zur Erhaltung historischer Bauten, archäologischer Stätten, Ruinen, oder Gärten zu präsentieren, findet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Und dazu passe das Hablik-Haus ausgezeichnet, sagte Albrecht Barthel vom schleswig-holsteinischen Landesamt für Denkmalpflege. Gleiches gelte für die ehemalige Handelslehranstalt in Flensburg, die aus der gleichen Epoche stammt und in ähnlicher Weise aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt worden sei. Zunächst habe Skepsis geherrscht, ob die Farbgestaltung des Schulgebäudes wieder offengelegt werden sollte, sagte Barthel. Doch jetzt seien alle sehr stolz darauf.

Was ist der Tag des offenen Denkmals?

Der bundesweite Tag des offenen Denkmals findet dieses Jahr am 8. September statt. An diesem Tag werden rund 7.500 historische Gebäude, archäologische Stätten, Gärten und Parks für Besucher geöffnet.

Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days unter der Schirmherrschaft des Europarats. Alle 50 Länder der europäischen Kulturkonvention beteiligen sich im September und Oktober an dem Ereignis. Seit 1993 koordiniert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Tag des offenen Denkmals bundesweit.

Wie lautet das diesjährige Motto?

Das Motto lautet dieses Jahr "Jenseits des Guten und Schönen - Unbequeme Denkmale?" Der Denkmaltag stellt mit diesem Motto die zentralen Fragen der Denkmalpflege in den Mittelpunkt: Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Was macht Denkmale unbequem, wann und für wen? Und gibt es überhaupt unbequeme Denkmale?

Woher weiß ich, wo Denkmale in meiner Umgebung sind?

Auf der Karte sind alle Denkmale in Schleswig-Holstein mit Infos dargestellt.

Wie viele Denkmale sind geöffnet?

In Schleswig-Holstein sind 150 Denkmäler geöffnet. In Lübeck und Umgebung sind die meisten Denkmäler geöffnet - hier sind es 36. Im Kreis Nordfriesland sind es 7; im Kreis Schleswig-Flensburg 10; in Dithmarschen 3; Rendsburg-Eckernförde wird 5 Denkmäler geöffnet haben; in Steinburg sind es 17; in Neumünster 2; in der Landeshauptstadt Kiel gibt es 12 Denkmäler zu besichtigen; in Plön 7; im Kreis Segeberg sind es 8; in Pinneberg 6; zehn Denkmäler sind in Ostholstein geöffnet; in Storman sind es 4 und im Kreis Herzogtum Lauenburg sind 23 Denkmäler geöffnet.

 

Warum gibt es den Tag des offenen Denkmals?

An jedem zweiten Sonntag im September werden Millionen von Architektur- und Geschichtsliebhabern zu Streifzügen in die Vergangenheit eingeladen. Der Tag dient insbesondere dazu, Fragen zu beantworten und Neugierde zu stillen. Es wird einem erklärt, was das Cellarium eines Laienrefektoriums ist oder was man sich unter einem Laubenganghans vorzustellen hat. Man kann auf einem Grabungsfeld miterleben, wie man an alten Mauerresten etwas über die Stadtentwicklung ablesen kann.

 

Aber auch Bauten, die aus verschiedenen Gründen immer noch als unbequem empfunden werden können, gibt es heute einige in Schleswig-Holstein zu besichtigen. Dazu zählen etwa historische Gefängnisse, Weltkriegsbunker oder Nazibauten, die aufgrund der politischen oder sozialen Umstände ihrer Entstehungs- oder Nutzungszeit Unbehagen oder negative Gefühle auslösen.

„Jedes Denkmal bringt seine eigene Geschichte mit, mit der man sich erst einmal auseinandersetzen muss“, sagte Barthel. Gebäude aus der Kaiserzeit etwa, die hätten eine gewisse Anmutung, die fänden viele schön. „Es gibt aber auch Kulturdenkmäler, an deren Anblick müssen wir uns erst gewöhnen.“ Es gehe an diesem Tag des unbequemen Denkmals also auch darum, sich mit herausfordernden Kulturdenkmälern auseinanderzusetzen.

Ein klassisches Beispiel dafür - „wirklich gruselig“ - ist für Barthel das sogenannte Germanengrab in Itzehoe. Der Grabhügel aus der Bronzezeit wurde 1935 entdeckt und von den Nationalsozialisten mit einer Kuppel überbaut und zu einer Weihestätte umgewidmet. 2007 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, auch wenn es in der Öffentlichkeit wenig beliebt sei. Denkmäler dürften aber ruhig auch mal ein Stachel im Fleisch und sperrig sein. Dazu gehört wohl auch der im Zweiten Weltkrieg am Rande des Tirpitzhafens in Kiel errichtete Flandernbunker für die Soldaten der 5. U-Boot-Flottille. Der Hochbunker steht seit 2005 unter Denkmalschutz.

Die zentrale Eröffnungsveranstaltung mit Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) und Landeskonservator Michael Paarmann findet heute in einer Festungsanlage in Kiel-Friedrichsort statt. Später besucht die Ministerin noch die JVA in Neumünster. Denn zur Gruppe unbequemer Denkmale gehören nach Ansicht der Denkmalschutzstiftung auch ganz allgemein Gefängnisbauten oder Anstalten und Heime für bestimmte Personengruppen. „Vornehmlich, aber nicht nur, stammen diese Bauten aus dem 19. Jahrhundert. Dort lebten Menschen manchmal unter allerschwierigsten Umständen“, teilte die Stiftung mit.

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erstellt am 08.Sep.2013 | 09:18 Uhr

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