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Sinkende Mitgliederzahlen : Den Sportvereinen läuft die Jugend davon

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Der Landessportverband schlägt wegen rückläufiger Mitgliederzahlen Alarm. Unter 18-Jährige verbringen heutzutage zu viel Zeit im Internet und in der Schule.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 01:40 Uhr

Kiel | Der Sport bleibt die größte organisierte Bürgerbewegung in Schleswig-Holstein, doch die Trendkurve zeigt weiter nach unten. Die Sportvereine im nördlichsten Bundesland hatten auch im vergangenen Jahr einen Mitgliederschwund zu beklagen. Gab es zum Stichtag 1. Januar 2010 noch 832 968 Vereinssportler im Land, so hat sich ihre Zahl zu Jahresbeginn um 27 395 (minus 3,2 Prozent) auf 805 574 reduziert. Das geht aus der Bestandserhebung hervor, die der Landessportverband (LSV) Schleswig-Holstein veröffentlichte. Auch die Zahl der Vereine war von 2693 auf 2641 rückläufig.
Besonders alarmierend sei die Entwicklung bei den Jugendlichen, schon seit Jahren kehren immer mehr Sportler der Kategorie "Unter 18 Jahren" den Clubs den Rücken zu. "Wir legen bei jungen Erwachsenen und Senioren zu, haben aber rückläufige Zahlen bei den unter 18-Jährigen", sagt LSV-Präsident Ekkehard Wienholtz.

Schuld sind das Internet und die Ganztagsschule


Als Gründe für diesen Negativtrend werden der demografische Wandel mit sinkenden Geburten- und Schülerzahlen, das veränderte Freizeitverhalten etwa durch soziale Netzwerke im Internet und vor allem die Veränderungen in der Bildungslandschaft angeführt. Insbesondere durch Ganztagsschulen hat sich das klassische Zeitschema der Kinder und Jugendlichen drastisch geändert. Schule am Vormittag, Hausaufgaben, Nachhilfe, privater Sport oder Musikunterrricht am Nachmittag - das ist schon lange passé. Häufig sind die Jugendliche bis 16 oder 17 Uhr in der Schule, danach noch Hausaufgaben, Freunde besuchen - da fehlt vielen die Lust und Kraft, sich abends zum Training aufzuraffen.
"Das Zeitbudget der Jugend für alle Freizeitaktivitäten ist wesentlich geringer geworden", sagt Thomas Niggemann, beim LSV als Geschäftsführer Vereins- und Verbandsentwicklung Breitensport tätig. Vor allem Schüler der 11. und 12. Klasse verfügen über ein sehr enges Zeitfenster. Diese Erfahrung hat auch Imke Blossei, Geschäftsstellenleiterin des TSB Flensburg, gesammelt: "Viele Kinder haben keine Zeit mehr für den Sportverein. Die Belastung durch die Schule ist zu hoch. Und dann fällt der Sport als erstes hinten runter."
Der Sprecher des Kieler Bildungsministeriums, Thomas Schunck, verweist darauf, dass es sich um überwiegend offene Ganztagsschulen handelt und jeder Schüler selbst entscheidet, welches Pensum er sich aufbürdet. Viele Vereine würden sich mit Erfolg aktiv am Ganztagsangebot beteiligen.
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