Dezernat Computerkriminalität : Den Internet-Gangstern auf der Spur

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Die Zentraleinheit Cybercrime in Kiel verfolgt Hacker weltweit. SH ist keine Hochburg für Internetbetrug, aber eine Hacker-Szene gibt es auch hier. Die häufigsten Ziele sind Unternehmen.

shz.de von
25. November 2013, 11:53 Uhr

In diesem Sommer erlebte Andreas M.* einen der bisherigen Höhepunkte seiner noch jungen Karriere als Kriminalkommissar für Computerverbrechen. Zusammen mit anderen Beamten trug der 25-Jährige nach erfolgreicher Ermittlung den Laptop und weitere Beweismittel eines Hackers aus dem siebten Stock eines Hochhauses in Bad Oldesloe. Der mutmaßliche Täter selbst wird in Handschellen abgeführt. Er soll in Firmenserver eingedrungen sein und Konto- sowie Kreditkartennummern gestohlen haben. Mit diesen Daten haben Täter dann Waren bestellt und weiterverkauft. Auch Seiten von Zahlungsdienstleistern wie „Paypal“ hat der Hacker nachgebaut und Kunden in die Irre geführt. 25.000 Euro sollen er und seine Komplizen so ergaunert haben. Das Verfahren läuft.

Unterdessen herrscht hektisches Treiben auf den Fluren des LKA im Polizeizentrum Eichhof in Kiel. Handwerker transportieren Leitern, Kartons und Schreibtische – die Abteilung Computerkriminalität befindet sich im Aufbruch. Ermittler, Forensiker und Verwaltungsbeamte werden zusammengezogen, um in Zukunft eine noch schlagkräftigere Einheit gegen aus dem Netz operierende Kriminelle zu bilden. Hier laufen die Fälle auf, an denen professionelle Täter beteiligt sind. Oft geht es dabei um Angriffe auf Unternehmen in Schleswig-Holstein.

Andreas M. sitzt in einem Büro, umringt von 15 Monitoren und diversen Rechnern. Neben einer Schleswig-Holstein-Karte hängt eine Weltkarte. „Wir sind Verbrechern auf dem ganzen Globus auf der Spur“, erklärt der Kriminalkommissar. In der Einheit Cybercrime sind Spurensicherung und Ermittlung zusammengefasst. „Das muss aus einer Hand kommen, sonst kann man diese speziellen Delikte nicht lösen“, erklärt M., der seit 2010 für das LKA arbeitet. Seinen Namen möchte er nicht veröffentlichen. „Es gab schon Kollegen, die öffentlich über das Thema Internetkriminalität gesprochen haben und hinterher Opfer von Hetzkampagnen aus der Hackerszene wurden.“

Schleswig-Holstein sei in Sachen Internetkriminalität kein Brennpunkt, „aber auch hier gibt es eine Hacker-Szene, die bundesweit vernetzt ist“, sagt der Ermittler. Er steht deshalb im ständigen Austausch mit Cyber-Polizisten anderer Bundesländer, um sich über die neuesten Tricks der Kriminellen zu informieren. „Besonders gehäuft wurde uns in diesem Jahr das so genannte E-Mail-Hacking gemeldet“, berichtet M. Dabei fangen Hacker E-Mail-Korrespondenzen zwischen Unternehmen ab und manipulieren Bankinformationen. Die Geschäftspartner merken dann oft erst hinterher, dass sie ihr Geld auf die Konten von Kriminellen überwiesen haben.

Telefonanlagen werden manipuliert und auf teure Nummern im Ausland umgeleitet, Webshops lahmgelegt und deren Betreiber erpresst. „Die Täter gehen in unserem Bereich sehr professionell vor“, sagt Dezernatsleiter Frank Müller. Umso wichtiger sei es, dass betroffene Unternehmen sich sofort an die Spezialisten vom LKA wenden, wenn sie Opfer von Internetkriminalität wurden. „Oft versuchen Unternehmen die Probleme selbst zu lösen, um schnell weiterarbeiten zu können. Wenn erst hinterher Anzeige erstattet wird, sind viele Spuren schon vernichtet“, sagt M. Zwar habe er täglich mit Kriminalität im Internet zu tun, doch auf Onlinebanking verzichtet auch Ermittler M. nicht: „Wenn man weiß, worauf man achten muss, ist das sicher.“

*Name von der Redaktion geändert

So können Sie sich schützen
Eine Studie des GfK-Vereins zeigt: 28 Prozent aller Deutschen sind ohne Virenschutz im Internet unterwegs. Um Bürger aufzuklären hat das Bundeskriminalamt (BKA) zusammen mit dem Hightech-Verband Bitkom Empfehlungen für Sicherheit im Internet erarbeitet. Das zweiseitige Papier lässt sich unter http://bit.ly/1eklvCh herunterladen. Für Unternehmen, die Opfer von Internet-Kriminalität wurden, stellt das BKA eine Broschüre zur Verfügung. Sie ist unter http://bit.ly/1iyh89h abrufbar. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Nord ist jedes dritte Unternehmen in Norddeutschland Opfer von Cyberangriffen – häufig ohne es zu wissen. Gleichzeitig ist das Anzeigeverhalten der betroffenen Unternehmen sehr zurückhaltend. 33 Prozent der 713 befragten Unternehmen gaben an, in den letzten zwölf Monaten angegriffen worden zu sein. Meistens geschah das durch Schadsoftware. Nur 13,2 Prozent haben den Angriff auch zur Anzeige gebracht.
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