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Projekt "Metamorphosen" : Demografischer Wandel: Nordkirche bündelt Kräfte

vom

Die evangelischen Kirchengemeinden müssen künftig stärker im Verbund arbeiten, fordert Bischofsvertreter Gothart Magaard. Selbst bei Gottesdiensten mit Predigt setzt er auf Laien.

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 05:49 Uhr

kiel | Der Bevölkerungsschwund auf dem Land zwingt auch die Kirche zum Handeln: "Alles an allen Orten anzubieten, geht künftig über die Kräfte der haupt- und ehrenamtlich engagierten Menschen", warnt der Bischofsvertreter im Sprengel Schleswig und Holstein, Gothart Magaard. Er ruft die Gemeinden auf, sich stärker auf einzelne Aufgaben zu konzentrieren. "Wir haben kein Analysedefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit."
Zwar reklamiert auch der oberste Geistliche der Nordkirche in Schleswig und Holstein für sich den Anspruch: "Es darf nicht sein, dass wir uns aus der Fläche zurückziehen." Doch gerade deswegen - argumentiert er gegenüber shz.de - müssten Gemeinden stärker im Verbund arbeiten. "Wir brauchen eine Bündelung aller Kräfte", fordert Magaard. Regionale Vernetzungen seien eine Chance, Angebote etwa für Jugendliche, Senioren oder Kirchenmusik in der Fläche zu halten. Absprachen müssten her, wer welche Schwerpunkte setze. Der bischöfliche Appell ist nichts Geringeres als das Ende des Kirchturmdenkens.

Jede Gemeinde entscheidet selbst

Zwar gebe es durchaus Gemeinden, in denen dieses überwunden sei. Aber eben auch solche, "die sich schwer tun mit der Umsetzung neuer Ideen". Das erklärt der Geistliche damit, "dass die Menschen in unseren ländlichen Regionen an so vielen Stellen gefordert sind, dass oft wenig Kraft bleibt, auch in der Kirchengemeinde neue Wege zu gehen." Um die Akteure vor Ort zu beflügeln, hat die Nordkirche in diesem Sommer das Projekt "Metamorphosen" gestartet. Bis Anfang 2015 soll es unter Federführung des Christian-Jensen-Kollegs in Breklum Ansätze aus der Fläche zum Umgang mit dem demografischen Wandel analysieren und fortentwickeln sowie neue Ideen hinzufügen. "Am Ende können wir Gemeinden und Regionen dann konkrete Vorschläge für Veränderungsprozesse machen", kündigt Magaard an. Inspiration sollen auch die Partner in der Nordkirche aus Mecklenburg-Vorpommern liefern. Dort ist ein weitmaschigeres Netz gemeindlichen Lebens bereits heute Alltag. Auch die Kooperation mit anderen Partnern auf dem Dorf gelte es auszubauen.
Magaard betont, dass am Ende jede Gemeinde selbst entscheide. "Von Druck von oben in der Kirche halte ich nichts", sagt er angesichts der basisdemokratischen Organisation. Er sieht die Autonomie auch als Chance: "Wenn Gemeinden kooperieren, klappt das nur, wenn sie auch Spielräume haben." Fest stehe schon jetzt, dass die Bedeutung des Ehrenamts wachsen werde, auch angesichts eines Pastorenmangels und perspektivisch schwindender Steuereinnahmen. Selbst bei Kernaufgaben wie Gottesdiensten mit Predigt setzt der Bischofsvertreter zunehmend auf Laien.

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