Gastronomie : Dem Norden sterben die Kneipen weg

Ausgeschenkt? Kneipen kämpfen ums Überleben. Foto: dpa
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Ausgeschenkt? Kneipen kämpfen ums Überleben. Foto: dpa

Moderne Bars und Imbisse fischen den Kneipen zunehmend die Gäste weg. Jede vierte Schankwirtschaft ist schon geschlossen. Vielen Diskotheken droht das Aus.

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11. April 2012, 11:46 Uhr

Berlin/Kiel | In Deutschland wird die Kneipe zunehmend zum Auslaufmodell. Seit 2001 hat hierzulande jede vierte Kneipe dicht gemacht. Vor allem der Norden bekommt diese Entwicklung zu spüren. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes sowie Berechnungen der "Welt am Sonntag" hervor. Demnach sank die Zahl der Schankwirtschaften bundesweit seit 2001 von fast 48.000 auf 36.000 im Jahr 2010.
Hamburg verzeichnete ein Minus von 48,1 Prozent und Niedersachsen einen Rückgang von 41,2 Prozent. Für Schleswig-Holstein gab der Branchenverband Dehoga bereits 2010 einen Rückgang bei der Zahl der Landgasthöfe und Kneipen von 15 Prozent aus. In den neueren Berechnungen wird ein Minus von 13,5 Prozent angegeben. Doch nicht überall in Deutschland ist die Situation so schlecht: In der boomenden Hauptstadt Berlin etwa stieg die Zahl der Schankwirtschaften den Angaben zufolge um 95,8 Prozent, in Baden-Württemberg um 15,3 Prozent.
Konkurrenz durch Tankstellen
Der Dehoga macht für diese Entwicklung vor allem die Konkurrenz durch den Einzelhandel, die Tankstellen und die Systemgastronomie verantwortlich. Zahlen des Verbandes zeigen zudem, dass auch die Nachfrage nach modernen Bars und Imbissen angestiegen ist.
Der Wandel in der Gastronomie betrifft aber nicht nur die Schankwirtschaften. Nach Zahlen des Dehoga unter Berufung auf die Umsatzsteuerstatistik des Statistischen Bundesamtes ging auch die Zahl der Restaurants und Diskotheken zurück. Gerade bei letzteren könnte diese Entwicklung noch zunehmen - das befürchten zumindest Branchenexperten. Grund ist ein neuer Tarif der Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte). Die Gema vergibt als Verwertungsgesellschaft Lizenzen für das öffentliche Aufführen geschützter Musikstücke. Nach Angaben der Bundesvereinigung der Musikveranstalter würden die Gebühren um bis zu 1400 Prozent erhöht. Für einen mittleren Betrieb rechnet der Dehoga 147.000 Euro Gebühren vor, wo bislang 21.000 Euro gezahlt wurden.
Dabei hatte sich die Gastronomie- und Hotelbranche zuletzt gut entwickelt. Die Branchenumsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahr nominal um 3,8 Prozent.

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