Immer mehr Probleme : Dauerregen in SH: „Land unter“ zwischen Nord- und Ostsee

Ausnahmezustand: Die Treene am Mittwochnachmittag bei Jerrisbek (Kreis Schleswig-Flensburg). Klicken Sie ein Bild weiter, sehen Sie den Normalzustand.
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Ausnahmezustand: Die Treene am Mittwochnachmittag bei Jerrisbek (Kreis Schleswig-Flensburg). Klicken Sie ein Bild weiter, sehen Sie den Normalzustand.

Weite Landstriche stehen unter Wasser. Der Regen sorgt für Behinderungen auf Straßen und Kanälen. Und heute droht die nächste Regenfront.

shz.de von
15. Januar 2015, 06:36 Uhr

Husum/Brunsbüttel | Überflutete Felder, Straßenschäden und eingeschränkter Fährbetrieb auf dem Kanal: Der Dauerregen der vergangenen Tage sorgt für immer mehr Probleme. „Wegen der hohen Wasserstände an der Nordseeküste können die Niederschläge aus dem Binnenland nur langsam ablaufen“, sagte am Mittwoch Hendrik Brunckhorst vom Landesamt für Küstenschutz in Husum. Weite Landstriche stehen unter Wasser, und die Siel- und Sperrwerkstore können selbst bei Niedrigwasser nicht immer geöffnet werden, um das Regenwasser ins Meer abfließen zu lassen.

Seit Wochen haben Regengebiete Schleswig-Holstein im Griff: Im Dezember fiel mit im Mittel 167 Millimetern so viel Niederschlag wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. Der Januar war bislang genauso unfreundlich: „In einem normalen Januar fallen in den meisten Regionen des Landes etwa 60 Millimeter, um Schleswig etwa 80 Millimeter“, sagt Sebastian Wache von Wetterwelt in Kiel. Diese Werte sind bereits jetzt erreicht, im Süden des Landes sogar schon überschritten.

„Donnerstag droht die nächste Regenfront, die weitere acht bis zehn Millimeter Regen bringt“, so Wache – und morgen soll die Flut an der Nordsee erneut einen Meter über das mittlere Hochwasser steigen. In Friedrichstadt, am Zusammenfluss von Treene und Eider, ist die Altstadt bedroht, wenn der Pegel weiter steigt.

Zu Behinderungen wegen des Regens kam es am Dienstagabend auf der A7 Richtung Norden zwischen Kaltenkirchen und Großenaspe – hier wurden Sandaufschüttungen weggespült, die Teil der Vorbereitungen für den A7-Ausbau sind. Einige Schlaglöcher wurden nach Angaben von Peter-Caspar Hamel, Sprecher des Bauunternehmens Via Solutions, noch am Abend geflickt. Es gilt ein Tempolimit von 60 statt 80 km/h. „In der Nacht zu Freitag werden wir die Aufschüttungen erneuern“, kündigte Hamel am Mittwoch an. Dann wird der Verkehr einspurig an der Baustelle vorbeigeführt.

Den gleichen Effekt wie etwa am Eidersperrwerk gibt es in Brunsbüttel: Der Nord-Ostsee-Kanal nimmt einen großen Teil des Regenwassers aus dem Binnenland auf. Normalerweise wird das Wasser bei Ebbe durch die Schleusen in Brunsbüttel in die Elbe abgegeben – weil der Fluss aber auch bei Niedrigwasser zu hoch steht, funktioniert das nicht immer. Die Folge: Der Wasserstand im Kanal ist etwa 50 Zentimeter zu hoch. Mehrere Fähren haben bereits den Betrieb eingestellt, weil die Anleger nicht genutzt werden können. Zudem gilt ein Tempolimit für Schiffe, um die Böschungen zu schonen.

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