„Landunter“ in SH : Dauerregen führt zu Hochwasser

Tierisch schlechtes Wetter nahe Hollingstedt.
Tierisch schlechtes Wetter nahe Hollingstedt.

Ungewöhnlich viel „Schietwetter“ im Norden: Der tagelange Dauerregen hat Bäche über die Ufer treten lassen und Überschwemmungen verursacht.

Avatar_shz von
23. Dezember 2014, 16:55 Uhr

Kiel | Die tagelangen Regenfälle und der Westwind haben in Schleswig-Holstein zu einer angespannten Hochwassersituation an nahezu allen Binnengewässern geführt. Das teilt das Umweltministerium mit. Um für eine Entlastung zu sorgen, fährt der Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) an den Elbnebenflüssen Stör, Pinnau und Krückau seit Dienstag den sogenannten Sielbetrieb.

Im Sielbetrieb werden die ansonsten geöffneten Tore der Sperrwerke bei auflaufender Tide geschlossen. So wirdzusätzlicher Speicherraum für das aus den Einzugsgebieten der Niederung zufließende Wasser geschaffen. Landwärts der Sperrwerke können die eintretenden Wasserstände so gesenkt werden.

Außerdem sind die Deiche durchfeuchtet. Am Pegel Treia im Einzugsgebiet der Treene wurde der bisherige Höchststand am Vormittag überschritten. Experten rechnen damit, dass sich die Situation noch weiter verschärfen wird. Der verantwortliche Eider-Treene-Verband überwacht den Zustand der Deiche. Zur Absenkung der kritisch werdenden Wasserstände hat der Verband einen Deich im Bereich des Tollenmoores geöffnet und angrenzende, rein landwirtschaftlich genutzte Flächen geflutet.

Unterdessen sind die Feuerwehren in Hamburg und Schleswig-Hosltein kurz vor Weihnachten im Dauereinsatz. In Schenefeld (Kreis Pinneberg) war auf dem Gelände des Desy-Forschungszentrums ein Nebenschacht mit Wasser voll gelaufen. Ursache war ein Wassereinbruch an dem im Bau befindlichen XFEL-Tunnelsystems. Etwa 300 Kubikmeter Wasser mussten aus dem 20 Meter tiefen Schacht gepumpt werden. Die Berufsfeuerwehr Hamburg hatte dazu umfangreiches Spezialmaterial herangeschafft. In dem betroffenen Tunnelbereich gebe es noch keine Technik oder gar Strahlung, betonte ein Feuerwehrsprecher. Es handele sich um eine Baustelle. „Das ist wie ein ganz tief gelegener Einfamilienhauskeller, der leergepumpt werden muss.“

Im Nordosten Hamburgs mussten die Einsatzkräfte mehrere Häuser mit Sandsäcken gegen Überflutungen schützen. In Poppenbüttel drohte am Dienstag ein Bach ein Haus am Alsterlauf zu überschwemmen, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Die Helfer mussten mehr als 150 Sandsäcke auslegen.

Schon am Montag hatte es zwei ähnliche Einsätze für die Saseler Feuerwehrwache gegeben. Mehrere Grundstücke und Keller waren durch den angeschwollenen Bach Lottbek in Gefahr geraten. An anderer Stelle in Sasel musste die Feuerwehr mehrere tiefer gelegene Häuser mit Sandsäcken gegen das Oberflächenwasser schützen. Von Montagmorgen bis Dienstagmittag zählte die Feuerwehr gut 90 wetterbedingte Einsätze in Hamburg.

Auch in Schleswig-Holstein waren Feuerwehren und Technisches Hilfswerk im Dauereinsatz. In Winsen im Kreis Segeberg drohte eine Kieskuhle vollzulaufen, in Satrup im Kreis Schleswig-Flensburg das Becken eine Klärwerkes. In Brunsbüttel blieb die Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals kurzzeitig geschlossen, um das Regenwasser in die Elbe ablaufen zu lassen.  An der Treene soll mit Hilfe eines Baggers ein Deich geöffnet werden, um den Fluss zu entlasten.

Schon seit Tagen dauert der Regen an. Am Montag stand in Kappeln-Sandbek die gesamte Dorfstraße bis zur Einmündung der Kreisstraße 58 komplett unter Wasser. Werner Johannes Callsen kam am Montagmorgen zunächst nicht einmal aus dem Haus. „Meine Frau wollte nach Kappeln und ist über das Grundstück unseres Nachbarn bis zur Kreisstraße gelaufen, von dort hat sie dann jemand mitgenommen“, berichtete Callsen.

In Stormarn mussten Anwohner Sandsäcke einsetzen: Normalerweise ist die Lottbek ein kleiner Bach, nach dem Regen machte sie sich aber rund zwei Meter breit. Nach dem anhaltenden Starkregen der vergangenen Tage ist der Pegel in der Nacht erneut angestiegen.

Bis zur Überflutung der kleinen Brücken fehlt jetzt nicht mehr viel. Feuerwehrleute aus Bünningstedt und Hoisbüttel kontrollieren fortlaufend den Wasserstand. In der Nacht hatten sie gemeinsam mit Feuerwehrleuten aus Hamburg am Bachlauf Sandsäcke ausgelegt, um eine drohende Überflutung der Grundstücke und Keller zu verhindern.

Wegen des tagelangen Dauerregens gilt weiterhin eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). „Hamburg und Schleswig-Holstein sind Hauptgebiete der Niederschläge“, sagte am Dienstag der Meteorologe Lars Kirchhübel. Bis Mittwochmorgen würden in der Region weitere 20 Liter Regen erwartet, sagte er. Dabei war es dort bereits am Dienstag extrem nass. Spitzenreiter war Wittenborn im Kreis Segeberg. Dort fielen nach Angaben des DWD binnen 24 Stunden 53 Liter pro Quadratmeter. In Sprenge (Kreis Steinburg) und Quickborn (Kreis Pinneberg) waren es je 47 Liter, in Lübeck-Blankensee 45 Liter.

In Hamburg-Fuhlsbüttel wurden 36 Liter gemessen. Allerdings hellte sich der Himmel in der Hansestadt stellenweise auf und der Regen ließ nach. Ein Feuerwehrsprecher war sich dennoch sicher: „Einen Waldbrand können wir ausschließen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen