Helgoland : Das tragische Nachspiel: Im Dezember 1969 sterben zwei Forschungstaucher

Schockierender Fund: Den Leichnam des zweiten Tauchers entdeckt Peter Jatzke erst sieben Monate nach dem Unglück.
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Schockierender Fund: Den Leichnam des zweiten Tauchers entdeckt Peter Jatzke erst sieben Monate nach dem Unglück.

Wie gefährlich die Arbeit der Taucher ist, zeigt sich knapp vier Monate nach Ende des ersten bemannten Einsatzes vor Helgoland.

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09. März 2010, 08:40 Uhr

Helgoland | Als das inzwischen unbewohnte Unterwasserlaboratorium (UWL) für Wartungsarbeiten gehoben werden soll, kommt es unter Wasser zu einem Unglück mit zwei Toten. Am 6. Dezember 1969 sterben ein 24-jähriger Kieler Student und sein 29-jähriger Begleiter, ein Zoologe und Doktorand der Biologischen Anstalt Helgoland.
Nachdem zwei Teams aus Berufs- und Forschungstauchern die Stromverbindung zwischen dem UWL und einer Versorgungstonne getrennt haben, lassen sich zwei weitere Taucher ins winterkalte Nordseewasser gleiten. Sie sollen die gelösten Kabel vom Tauchlabor wegziehen, damit sie sich beim Heben des UWL nicht verheddern. Zum Verhängnis wird den Männern wohl eine noch nicht gekappte Stromleitung zu den Notbatterien. Peter Jatzke vermutet, dass die Taucher aus Versehen das Kabel berührt und unter Wasser einen elektrischen Schlag bekommen haben. Als sie nach 50 Minuten nicht auftauchen, wird eine Rettungsaktion gestartet - doch für die Taucher kommt jede Hilfe zu spät. Der 24-jährige Student wird tot in der Nähe des Tauchlabors gefunden - Jatzkes verzweifelte Versuche, ihn an Bord eines Versorgungsboots wiederzubeleben, scheitern. "Ich wusste, das ist ein toter Mann, den ich da Mund-zu-Mund beatme."
"Die Sicherheit wurde damals noch nicht so streng beachtet wie später"
Der Leichnam des 29-Jährigen bleibt zunächst verschollen. Jatzke findet ihn erst Ende Juli 1970 - genau ein Jahr nach dem ersten Abstieg ins Labor. Der tote Aquanaut lag in voller Tauchermontur am Meeresgrund - die Atemluft flaschen vorschriftsmäßig auf dem Rücken. "Die Sicherheit wurde damals noch nicht so streng beachtet wie später", sagt Jatzke. "Nach heutigen Maßstäben sind wir zu leichtsinnig gewesen. Zum Beispiel haben wir uns ohne Leinenverbindung vom Unterwasserlabor entfernt, das würde man heute nicht mehr machen", sagt der Mann, der auf die Erfahrung tausender Tauchgänge zurückblicken kann und vor Helgoland noch immer regelmäßig ins Wasser geht.
Das tragische Ende seiner Kameraden lässt Jatzke bis heute keine Ruhe. Bei den Verantwortlichen der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt in Bonn/Bad Godesberg war das offenbar nie der Fall: Im 1971 veröffentlichten Projektbericht taucht das Unglück in keiner Zeile auf.
Immerhin: Ein schlichter Grabstein auf dem Helgoländer Friedhof der Namenlosen erinnert an die Opfer. Auch eines 1968 in der Flensburger Förde verunglückten Forschungstauchers wird auf dem Grabstein gedacht.

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