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Welttag der Berge 2017 : Das sind Schleswig-Holsteins „Seven Summits“

vom
Aus der Onlineredaktion

Welches sind die sieben höchsten Berge im Land der Horizonte? Und welche Berge sind in den Top Ten? shz.de verrät es Ihnen.

von
erstellt am 10.Dez.2017 | 08:55 Uhr

Flensburg | 167,4 Meter: So hoch ist der Bungsberg, Schleswig-Holsteins höchste natürliche Erhebung. Nun werden Menschen in Bayern oder im Himalaya am „Welttag der Berge“ vermutlich nicht mal ein müdes Lächeln für Schleswig-Holsteins höchsten – naja – Berg übrig haben. Trotzdem nehmen wir den Tag zum Anlass, einmal über Schleswig-Holsteins „Seven Summits“ – also die sieben höchsten Berge – zu sprechen.

Bungsberg

Vergangene Zeiten: 2010 ließen sich Skifahrer noch mit dem Skilift den Bungsberg bei Schönwalde hinaufziehen.
Der Bungsberg im Kreis Ostholstein ist ein beliebtes Auflugsziel. 2010 ließen sich Skifahrer noch mit dem Skilift den Hügel bei Schönwalde hinaufziehen. Foto: dpa
 

In der Holsteinischen Schweiz – hier übrigens das nächste Indiz für die Existenzberechtigung des Wortes „Berg“ im schleswig-holsteinischen Sprachgebrauch – gelegen, erhebt sich der Bungsberg zwischen Scheelholz und Mönchsneverdorf. Die Ortsteile von Schönwalde am Bungsberg liegen im Kreis Ostholstein. Hier im „Hochgebirge“ Schleswig-Holsteins entspringt die Schwentine, die sich über Kilometer ins Tal schlängelt.

Der Bungsberg ist übrigens eine eiszeitliche Endmoräne und vor etwa 150.000 Jahren entstanden. Wer in der Schule gut aufgepasst hat, kann die glaziale Serie noch herunterbeten. Heute ist der Bungsberg dank der Kälteperiode vor zigtausend Jahren ein beliebter Ausichtspunkt. Mit Glück kann man von der Spitze bei schönem Wetter bis zur Ostsee blicken. Wer höher hinaus will, steigt auf den 170 Meter hohen Fernmeldeturm „Bungsberg“. Von der Aussichtsplattform in 40 Metern Höhe lässt sich sogar Mecklenburg-Vorpommern sehen.

Im Winter ist der Bungsberg das einzige Skigebiet in Schleswig-Holstein. Sollte es hier im Norden mal schneien und der Schnee nicht weggeweht oder vom nächsten Regen weggespült werden, dann gibt es für Wintersportbegeisterte ein Abenteuer auf drei Pisten und sogar einen Schlepplift zu erleben. Derzeit findet allerdings kein Betrieb statt. Nach langen Querelen hatten sich die Grundstückseigentümer und die Gemeinde Anfang 2017 auf neue Modalitäten für den Betrieb des Schleppliftes geeinigt. Die ehemaligen Betreiber hatten 2013 aus Altersgründen aufgegeben. Es gibt, Stand Dezember, mehrere Interessenten, aber noch keinen Vertrag. Die Fahrt auf den Berg dauert laut Wikipedia etwa eine Minute und dreißig Sekunden. Die Abfahrt hingegen nur rund 25 Sekunden. Ein Geschwindigkeitsrausch für die sonst eher gemütlichen Nordlichter. Die 300 Meter lange Abfahrt bietet immerhin ordentliche 17 Prozent Gefälle.

Neben einem Restaurant gibt es auch den Elisabethturm auf dem Bungsberg. Dieser wurde für rund 330.000 Euro saniert und steht Besuchern seit Sommer 2017 wieder als Aussichtsplattform zur Verfügung.

Strezerberg

Der Selenter See ist bekannter als der Strezerberg.
Der Selenter See ist bekannter als der Strezerberg. Foto: Imago/ZweiKameraden
 

Der Strezerberg, zwischen Giekau und Lütjenburg im Kreis Plön gelegen, ist mit 130 Metern der zweithöchste Berg in Schleswig-Holstein. Nur einen Steinwurf von der Ostsee entfernt, ist er Teil des Endmoränenwalls um den bis zu 14 Meter tiefen Selenter See. Ein Touristenzentrum, Aussichtsplattformen oder Restaurants sucht man als Wanderer hier vergeblich. Der bewaldete Hügel bietet als kulturelles Highlight lediglich einen alten Richtfunkturm – ein Stahlfachwerktmast höchster Ingenieurskunst. Auf zum Strezerberg.

Pilsberg

Blick vom Hessenstein auf die Hohwachter Bucht.
Blick vom Hessenstein auf die Hohwachter Bucht. Foto: Imago/imagebroker
 

Der Pilsberg im Kreis Plön ist in guter Gesellschaft. Von seiner Spitze aus sieht man die höchste Erhebung, den Bungsberg, mit bloßem Auge. Auf dem Pilsberg steht ein von 1839 bis 1841 errichteter neogotischer Turm, der sogenannte Hessenstein. Er ist gewaltige 17 Meter hoch und mit einer Aussichtsplattform versehen. Aus luftiger Höhe sind bei guter Sicht sowohl Kiel, das Ehrenmal in Laboe und die Hohwachter Bucht zu sehen. Auch Fehmarn und die dänischen Inseln Als und Arrö sind sichtbar – Abwesenheit norddeutschen Wetters vorausgesetzt.

Unweit des Hessensteins liegt das Gut Panker. Es besteht seit rund 500 Jahren und wurde 1739 durch den schwedischen König Friedrich zur Versorgung seiner unehelichen Söhne gekauft. Zuvor gehörte das Gut der Familie Rantzau. 1808 ging es an die Kurfürsten von Hessen-Kassel über. Heute befindet sich das Herrenhaus in Privatbesitz. Das Gutsdorf kann jedoch besichtigt werden. Dort gibt es Gaststätten, Galerien und Kreativitätsschmieden verschiedener Kunsthandwerker. Ebenfalls 128 Meter hoch ist der Voßberg im Kreis Plön bei Kirchnüchel. Er teilt sich Platz drei mit dem Pilsberg. Prost!

Sternberg

Die ehemalige Wallfahrtskirche in Kirchnüchel.
Die ehemalige Wallfahrtskirche in Kirchnüchel. Foto: Kuno von Schulensee/Wikimedia
 

Der Sternberg (118 Meter) bei Altharmhorst im Kreis Plön ist die vierthöchste Erhebung in Schleswig-Holstein, jedoch touristisch relativ unbedeutend. Auch Google hält den Sternberg für wenig relevant. In den Suchergebnissen taucht er kaum auf. Die Gemeinde Kirchnüchel, wo auch der relativ unbedeutende Voßberg liegt, ist in direkter Nachbarschaft zum Sternberg. Die 168-Einwohner-Boomtown beherbergt mit der St. Marienkirche das höchstgelegene Gotteshaus in Schleswig-Holstein. Die Feldsteinkirche war vor der Reformation eine bedeutender Marien-Wallfahrtsort. 

Hüttener Berge

Die neue Outdoor-Akademie auf dem Aschberg.
Die neue Outdoor-Akademie auf dem Aschberg. Foto: Achim Messerschmidt
 

Der Scheelsberg (105,8 Meter), der Heidberg (99,1 Meter) und der Aschberg mit 97,7 Metern sind im Kreis Rendsburg-Eckernförde oder genauer gesagt in den Hüttener Bergen zu finden und auch zu besteigen. Als Weltberge liegen sie zwischen den Weltmetropolen Ascheffel, Neu Duvenstedt, Fleckeby und Brekendorf. Das Naherholungsgebiet kennen viele nur von der Autobahnraststätte an der A7 und einem braunen Schild am Fahrbahnrand. Dass der Naturpark hinter der Tankstelle mehr als Sanifair-Toiletten, Currywurst und Super Bleifrei zu bieten hat, bemerkt der Reisende meist nicht. Doch ein Ausflug lohnt sich. Weite Wanderwege, Seen und Flüsse und eine Aussicht von den drei Bergen, die ihres gleichen sucht. So sind zum Beispiel die Eckernförder Bucht und die Schlei zu sehen. Auf dem Aschberg steht seit 1930 ein sieben Meter hohes Bismarck-Standbild. Auch sonst ist der Aschberg touristisch gut erschlossen. Neben einem Hotel und einem Seminargebäude gibt es einen zwanzig Meter hohen Aussichts- und Kletterturm. Wer Hunger hat, muss zudem nicht zur Autobahn zurück. Vor Ort gibt es Mahlzeiten für ausgehungerte Bergsteiger.

Hahnheider Berg

Blick vom Aussichtsturm auf dem Großen Hahnheider Berg.
Blick vom Aussichtsturm auf dem Großen Hahnheider Berg. Foto: H.Schulz
 

Es ist schon etwas verrückt im Kreis Stormarn. Dort, in der Hahnheide, liegen zwei Berge, der Große und der Kleine Hahnheider Berg. Dabei ist der große 99 Meter hoch und der kleine 100 Meter. Warum das so ist, weiß im Amt Trittau niemand so richtig. Amtsarchivar Oliver Mesch erklärt, dass in offiziellen Karten immer nur von einer Erhebung die Rede ist, dem Hahnheider Berg. Dieser sei 99 Meter hoch. Der andere Berg sei nie weiter bezeichnet worden. Dank der beiden Berge hat Stormarn immerhin zwei der zehn höchsten Erhebungen in Schleswig-Holstein vorzuweisen. Auf dem 99-Meter-Berg steht ein Aussichtsturm von 27 Metern Höhe. Der Weiberberg (100 Meter) in Ostholstein teilt sich den Platz mit dem Kleinen Hahnheider Berg.

Gömnitzer Berg

Der Gömnitzer Berg mit dem gemauerten Seezeichen auf der Spitze.
Der Gömnitzer Berg mit dem gemauerten Seezeichen auf der Spitze. Foto: Genet/Wikimedia
 

In Gömnitz im Kreis Ostholstein findet der versierte Wanderer den 93,80 Meter hohen Gömnitzer Berg. Nach dem Bungsberg und dem Weiberberg (100 Meter) ist er die dritthöchste Erhebung im Kreis. Nur knapp neben seiner Spitze steht der Gömnitzer Turm. Das gemauerte Seezeichen diente Seefahrern lange als Landmarke, nachdem ein Baum mit dieser Funktion durch einen Blitz zerstört wurde. Heute wirkt er auf der grünen Wiese etwas fehl am Platz, bietet aber auch ein interessantes Fotomotiv. Der Gömnitzer Berg teilt sich seinen Rang mit dem Kieler Berg (94 Meter) bei Westensee und dem ebenfalls 94 Meter hohen Haferberg bei Geesthacht im Herzogtum Lauenburg.

Hintergrund: Der internationale Tag der Berge

Durch die Uno ins Leben gerufen, ist der internationale Tag der Berge ein Gedenktag und wird auch „Welttag der Berge“ genannt. Laut gängiger Definitionen ist ein Berg eine Geländeform, die sich über die Umgebung erhebt. Ein Berg ist dabei höher und steiler als ein Hügel und sollte sich durch genügend Abstand von anderen Bergen auszeichnen. Auch eine Mindesthöhe über einem Pass sollte ein Berg aufweisen.  

Berge entstehen in der Regel als Folge plattentektonischer Verschiebungen der Erde. Treffen zwei Platten aufeinander, wird oft ein Gebirgszug aufgeschoben. Auch können Berge vulkanischen Ursprungs sein oder durch die Eiszeit entstanden sein.

Berge bedecken rund 22 Prozent der Erdoberfläche und spielen eine entscheidende Rolle für das Wirtschaftswachstum. So leben rund 915 Millionen Menschen, etwa 13 Prozent der Weltbevölkerung, von Ressourcen, die in und an den Bergen vorhanden sind. Dazu zählen Frischwasser, Energie und Nahrungsmittel.

Menschen in Bergregionen sind jedoch auch oftmals arm, zumal das Ökosystem dort empfindlich auf klimatische Veränderungen, Waldrodungen oder Umwelt- und Naturkatastrophen reagiert. Die große Herausforderung ist es, neue nachhaltige Möglichkeiten zu identifizieren, wovon Bewohner in Bergregionen profitieren können.

Der „Welttag der Berge“ steht in diesem Jahr unter dem Motto „Berg unter Druck: Klima, Hunger Migration“. Alle drei beeinflussen die Hochebenen dieser Welt. Im Fokus steht daher auch die nachhaltige Entwicklung dieser Regionen, die auch im Pariser Klimaabkommen implementiert ist.

Weitere nennenswerte Erhebungen in Schleswig-Holstein

Wie im Himalaya/Karakorum (Mount Everest, Nanga Parbat, K2)  kennt man auch in Schleswig-Holstein vorwiegend die großen und bekannten Berge. Außerhalb der Top Ten gibt es auch hierzulande weitere besteigenswerte Erdhügel.

Die große Freilichtbühne am Fuße des Kalkbergs.

Die große Freilichtbühne am Fuße des Kalkbergs.

Foto: dpa
 

Darunter der Kalkberg, der nicht mehr zu den sieben höchsten Felsen im echten Norden zählt. Der Berg im Zentrum von Bad Segeberg ist 91 Meter hoch und besteht kurioserweise nicht aus Kalkstein, sondern aus Gips mit einem Kern aus Anhydrit. Außerdem gibt es eine weitere Besonderheit. Anders als die meisten Erhebungen in Schleswig-Holstein ist der Kalkberg nicht durch die Eiszeit entstanden, sondern durch Sedimentablagerungen vor etwa 250 Millionen Jahren. Doch damit nicht genug: Unter dem Berg liegt ein Steinsalzstock. Durch sogenannte Salztektonik hebt sich der Hügel pro Jahr um ein bis zwei Millimeter. Früher stand auf dem damals noch 110 Meter hohen Berg die Siegesburg. Sie wurde von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg zerstört.

Die Kalkberghöhlen wurden erst 1913 entdeckt. Darin lebt der fünf Millimeter lange und braune Segeberger Höhlenkäfer. Eine Käferart, die nur in den Höhlen in Bad Segeberg vorkommt. Somit ist der Kalkberg zwar nicht der höchste Berg, birgt aber mehr als nur eine interessante Information. Auf seinem Gipfel gibt es wie auf vielen Bergen eine Aussichtsplattform. Bei guter Sicht sind die Kirchtürme in Lübeck zu sehen. Bekannt ist der Hausberg der Bad Segeberger den Schleswig-Holsteinern aber hauptsächlich durch das Kalkberg Open Air sowie die jährlich stattfindenden Karl-May-Festspiele.

Auch der Boxberg (76,8 Meter) bei Aukrug ist für Wanderer interessant. Dort gibt es Wanderwege, einen Fitnesspfad sowie eine Rodelbahn im Winter. Auf dem Pariner Berg (72 Meter) in Groß Parin (Kreis Ostholstein) steht eine Bismarck-Säule, auf dem 70 Meter hohen Scheersberg bei Quern im Kreis Schleswig-Flensburg steht ein begehbarer Bismarck-Turm. Dieser ist dringend sanierungsbedürftig und zur Zeit gesperrt.

Blick vom Boxberg.
Blick vom Boxberg. Foto: Holger Schulz

Nicht zuletzt sollte auch der Pinneberg im Kreis Pinneberg nicht vergessen werden. Mit 61,3 Metern ist er die höchste Erhebung in der Nordsee – und zwar auf Helgoland.

Helgolandbesucher besteigen regelmäßig den Pinneberg.
Helgolandbesucher besteigen regelmäßig den Pinneberg. Foto: Marcus Brandt, dpa
 

Egal ob der 88,3 Meter hohe Tüteberg bei Westensee im Kreis Rendsburg-Eckernförde oder die Itzespitze (83,4 Meter) bei Hennstedt im Kreis Steinburg: Wer Lust hat, alle 107 schleswig-holsteinischen Berge zu erklimmen, kann sich an eine im Internet zusammengestellte Liste halten. Erhebung 107 misst neun Meter, nennt sich Magdalenenspitze und liegt in Sankt Peter-Ording – der Anfang wäre also schnell geschafft.

Aus etwa zwölf Metern NHN (Normalhöhennull) berichtete Gerrit Hencke für shz.de.

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