zur Navigation springen

Der Fall Langkau : Das Motiv bleibt weiter verborgen

vom

Heute vor einem Jahr stach Thomas Langkau zu. Bis seine eigene Tochter und seine Ehefrau in riesigen Blutlachen am Boden lagen. Die Familientragödie von Harrislee.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2010 | 05:40 Uhr

flensburg | Schreie, Schmerzen, Strampeln vor Todesangst - und dennoch sticht ihr eigener Vater immer und immer wieder auf den kleinen Oberkörper von Marie (7) ein. Zuvor muss das blond gelockte Mädchen mit ansehen, wie Thomas Langkau ihre sich heftig wehrende Mutter mit rund hundert Messerstichen tötet. An der Schwelle zu Maries Kinderzimmer, das Langkau zur Vertuschung seiner heimtückischen Tat mit kurz zuvor gekauftem Grillanzünder in Brand setzt.
An diesem Dienstag vor einem Jahr geschah gegen 18.30 Uhr im beschaulichen Harrislee bei Flensburg eine Familientragödie, deren brutale Grausamkeit ganz Deutschland fassungslos machte. Seit Anfang November muss Thomas Langkau (38) sich vor dem Landgericht Flensburg wegen Mordes verantworten. Im Vordergrund der bisherigen Verhandlungstage stehen die geschäftlichen Probleme des Angeklagten - hohe Schulden, fordernde Gläubiger und Erpressungen, bei denen auch die Hells Angels eine Rolle gespielt haben sollen. Fast unbeleuchtet bleiben bisher die privaten Hintergründe. Doch dort vermuten enge Freunde das entscheidende Motiv für den Tod der kleinen Marie und ihrer Mutter Ricarda (36).
Erniedrigende Sexspiele, Machtgier und Manipulation
Denn die junge Frau passt zuletzt so gar nicht mehr in die Scheinwelt, die sich Thomas Langkau zurecht gezimmert hat. Der fürsorgliche Ehemann, der liebevolle Vater, die heile Familie - genau diese Aufträge seines so dominanten, vermögenden Vaters wollte Langkau unbedingt erfüllen. Eine der letzten verbliebenen Freundinnen von Ricarda Langkau bezeichnet die Ehe von Anfang an als "Farce". Die ermordete Mutter ist dafür die ideale Besetzung. Zart, hübsch, zwar intelligent, aber willensschwach und sich unterordnend. Thomas Langkau habe seine Frau psychologisch manipuliert, ihren Willen gebrochen.
Sie gibt auf Wunsch ihres Mannes eine anspruchsvolle Ausbildung auf. Wehrt sich nicht gegen die vielen Verhältnisse ihres Gatten oder gegen die herabwürdigenden Sexspiele, die er von ihr mit wechselnden Partnern verlangt. Nach und nach isoliert Thomas Langkau seine Frau, bis das ansehnliche Einfamilienhaus in Harrislee fast zum Gefängnis wird. Seine Tochter bezeichnet Langkau laut einer Bekannten als "anstrengend" und "nervig".
"Männer töten ihre Frauen, um sie für immer zu besitzen"
Doch für Marie nimmt Ricarda vor einem Jahr noch einmal ihre ganze Kraft zusammen. "Sie wollte da raus, sie wollte sich trennen", sagt die Freundin, die seit der zeitgleichen Schwangerschaft der beiden Frauen vor neun Jahren Ricarda Langkau sehr nahe stand. Doch zuvor sollten die Geburtstage von Marie (27. Februar) und Ricarda Langkau (21. Februar) gemeinsam groß mit der Familie gefeiert werden. Solange wollte die Mutter bleiben, nach dem letzten Akt für die heile Scheinwelt gehen. Dieser Entschluss könnte sie das Leben gekostet haben. "Hätte Ricarda Thomas verlassen, wäre für alle deutlich geworden, dass er die Kontrolle über sein Privatleben verloren hat. Das wollte er um jeden Preis verhindern", so die Freundin. Der Hamburger Psychologe Michael Thiel sagt mit Blick auf den Fall Langkau: "Männer töten ihre Frauen, um sie für immer zu besitzen."
Erhebliche Fehl-Investitionen mit dem Geld seines Vaters ließen vor einem Jahr auch das Bild vom erfolgreichen Geschäftsmann zusammenbrechen. Das entscheidende Motiv des grausamen Doppelmords, den Langkau bisher nur in einer E-Mail an shz.de gestanden hat, muss vor Gericht ermittelt werden. Das Urteil wird frühestens im Mai erwartet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen